Volle Schubkraft nach unten: Rocket Internet stürzt auf neue Allzeittiefs

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Bad News vom Großinvestor: Oliver Samwer, Vorstandschef der Rocket Internet AG

Die Rakete ist weiter im Sturzflug: Rocket Internet hat desaströsen Börsenjahren noch einmal den Turbo gezündet – auf dem Weg nach unten. Nur noch zu Kursen von 15,50 Euro wechselten Aktien der Berliner Beteiligungsgesellschaft gestern den Besitzer. Das Internet-Konglomerat der Samwer-Brüder stürzte damit nach Monaten wieder einmal auf neue Allzeittiefs. Anleger haben den jüngsten Teil-Exit des Großinvestors Kinnevik offenbar nicht verkraftet und ziehen nun ebenso die Reißleine.

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Die Leiden der Rocket Internet-Aktionäre wollen einfach kein Ende nehmen. Enorme 46 Prozent gingen im ersten Börsenjahr 2015 verloren, ein Minus von weiteren 33 Prozent kam 2016 hinzu, und auch seit Jahresbeginn kennt die Kursbewegung der vermeintlichen Börsenrakete nur eine Richtung – steil gen Süden.

Schon wieder 19 Prozent sind seit Anfang Januar in einem freundlichen Börsenumfeld, in dem Internet-Giganten wie Amazon, Facebook und Netflix bereits zweistellig vorne liegen, erneut abhandengekommen.

Neuer Absturz auf neue Allzeittiefs

Tatsächlich hat der beschleunigte Börsenabsturz der Berliner Beteiligungsgesellschaft einen neuen Höhepunkt erreicht: Das bisherige Allzeittief bei 16,40 Euro vom letzten Sommer wurde in den vergangenen Tagen beim Ausbruch nach unten nochmals unterboten.

Bis auf nun 15,30 Euro wurden die Anteilsscheine der Internet-Holding gestern bei einem weiteren Minus von 5 Prozent nach unten durchgereicht. Es herrscht wieder einmal Katerstimmung bei gebeutelten Rocket-Aktionären, die seit dem Börsengang vor zweieinhalb Jahren nun schon 64 Prozent ihres Einsatzes verbrannt haben; vom Allzeithoch hat Rocket in der Spitze sogar happige 73 Prozent an Wert eingebüßt.

Kinneviks Teil-Exit löst Kurssturz aus

Den jüngsten Kursschub nach unten hatte ausgerechnet Großaktionär Kinnevik ausgelöst. Die Schweden, die schon Ende 2015 den sicher geglaubten Börsengang des Rocket-Hoffnungsträgers HelloFresh torpediert hatten, halbierten Ende Februar trotz des ermäßigten Kursniveaus überraschend ihr Investment.

Damit halten die Schweden nur noch 6,6 Prozent an Rocket Internet – zum Zeitpunkt des IPOs im September 2014 waren es einmal über 18 Prozent. Die Börse scheint eine klare Botschaft aus dem Verkauf herauszuhören: Dass der Großaktionär trotz des starken Kursverfalls seine Positionen halbiert, kann kaum etwas Gutes bedeuten. Die Rocket-Aktie stürzte allein am Tag der Meldung um 16 Prozent ab.

WiWo: Hoffnungsträger HelloFresh und Delivery Hero  weiter defizitär

Und damit enden die Probleme offenbar nicht. Wie die Wirtschaftswoche in der Titelstory „Der Fall Ikarus“ der aktuellen Ausgabe berichtet, wecken vertrauliche Dokumente den Zweifel, ob die Beteiligungen Delivery Hero und HelloFresh die Trendwende bringen könnten.

So rechnet HelloFresh nach Angaben der Wirtschaftswoche offenbar auch 2017 mit Verlusten, während Delivery Hero die Übernahme von Foodpanda belastet – die beiden Essendienste haben nach Wiwo-Angaben 2016 zusammen 117 Millionen Euro vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen verbrannt.

Den Samwers droht nach jahrelangen Verlusten nun die Zeit wegzulaufen. Rocket Internet braucht die Börsengange seiner beiden Hoffnungsträger für den Befreiungsschlag und um frisches Kapital für weiteres Wachstum einzusammeln. Doch je länger sich die IPOs von HelloFresh und  Delivery Hero verzögern, desto nervöser werden die Aktionäre – der Teufelskreis zwischen Börse, Bewertung und neuer Finanzierung ist perfekt. Wie blank die Nerven inzwischen liegen, beweisen die neuerlichen Allzeittiefs.

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