„Ein richtiger Loser-Vorname“: AfD-Politiker „Bernd“ Höcke wird zum Running-Gag der Medien

AfD-Mann Björn Höcke, gezielte Umbenennung durch die heute show: Opfer des „Streisand-Effekts“
AfD-Mann Björn Höcke, gezielte Umbenennung durch die heute show: Opfer des "Streisand-Effekts"

Und wieder diese Lügenpresse: Erst nennen Oliver Welke und die „heute show“ Deutschlands derzeit bekanntesten Schlussstrich-Zieher ständig Bernd statt Björn Höcke, und nun machen es ihr auch noch lauter seriöse Medien nach! Lesen Sie hier einen aktuellen Lagebericht und einen Appell für die fortschreitende Berndisierung im deutschen Politikjournalismus.

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Von Hendrik Steinkuhl

Ralf Husmann hat schon oft erzählt, wie seine berühmteste Figur zu ihrem Namen kam, doch es wird Zeit, die Geschichte wieder in Erinnerung zu rufen. Der Nachname Stromberg habe früh festgestanden, für ihn existiere ein reales Vorbild. „Dann haben wir noch einen richtigen Loser-Vornamen gesucht – und kamen auf Bernd.“ Eine Wahl, die einleuchtet. Wer Bernd heißt, wurde von seinen Eltern mit einem Namen bestraft, der nach Krawatte mit Kurzarmhemd, Handytasche am Gürtel und Deutschlandfahne im Vorgarten klingt.

Er heißt Bernd Höcke. B-e-r-n-d Höcke

Der Mensch gewordene Jägerzaun Björn Höcke hielt sich offenbar für enttarnt, als ihn die Thüringer Allgemeine im Jahr 2015 versehentlich Bernd Höcke nannte. „Ich heiße nicht Bernd Höcke, ich heiße Björn Höcke!“, brüllte der Thüringer AfD-Chef in ein Demonstrationsmikro. Brüllen kann Höcke gut, mit der Wahrheit hingegen hat er so seine Probleme. Und Bernd Höcke klingt einfach zu sehr nach der Wahrheit.

Hätte Höcke einmal entgegen seiner Natur gehandelt und den Mund gehalten, hätte sich diese Wahrheit niemals durchgesetzt. So aber wurde er Opfer des „Streisand-Effekts“, also des Versuchs, eine unliebsame Information zu unterdrücken und damit erst recht für öffentliche Aufmerksamkeit zu sorgen. Denn nur durch seine patzige Richtigstellung kamen Oliver Welke und die „heute show“ auf die großartige Idee, Björn Höcke fortan genauso zu nennen, wie er in Wahrheit heißen muss: Bernd Höcke. B-e-r-n-d Höcke. Oder in anderen Worten: Bernd Höcke.

Rheinischer Merkur, Huffington Post, SWR: Aus Björn wird Bernd

Und nun ist auch noch Welkes Wunsch, Höckes tatsächlicher Vorname möge sich in der ganzen Republik durchsetzen, auf dem besten Weg, Wirklichkeit zu werden. Zum Beleg eine kleine Presseschau: „Der Fall Bernd Höcke sorgt weiter für Spannungen in der AfD“, schreibt der Münchner Merkur, „Der rheinland-pfälzische AfD-Vorsitzende Uwe Junge hat seinen thüringischen Parteikollegen Bernd Höcke für dessen jüngste Äußerungen kritisiert“, heißt es beim SWR, „Wegen Bernd Höcke: AfD-Vorstand Dirk Driesang warnt vor Radikalisierung der Partei“ titelt die Huffington Post. Und das ist noch längst nicht alles. Auch die MoPo, , die B.Z., die Nordwest-Zeitung, DWDL und andere nennen den bekanntesten Sport- und Geschichtslehrer Deutschlands ein Mal pro jeweiligem Artikel bei seinem eigentlichen Vornamen. In Bildunterschriften bei FAZ und Neuer Osnabrücker Zeitung ist ebenfalls von Bernd Höcke die Rede, wobei in beiden Fällen die Bild- und mutmaßlich auch die Textquelle die dpa ist.

Bitte keine Empörungskommentare mehr

Aus Björn wird Bernd, was für eine schöne, kleine Subversion. Der Mann, der es geschafft hat, dass sich sogar die AfD von ihm distanzieren muss, ist als umgetaufter Bernd zu einem Running Gag in der deutschen Medienwelt geworden. Und ist nicht dieser Umgang mit dem braunen Bernd der denkbar Beste? Es braucht wirklich keine weiteren Empörungskommentare über seinen notorischen Geschichtsrevisionismus, es ist auch weder mutig noch besonders originell, sein „Denkmal der Schande“-Gefasel mit den Buzzwords Goebbels und Sportpalast zu versehen. Höcke und sein Weltbild vollständig abzulehnen, ist für Vertreter der angeblichen Systemmedien eine Selbstverständlichkeit. Und wenn ein Artikel über Höcke unvermeidbar und der verständliche Wunsch nach Distanzierung groß ist, dann möge man sich doch einfach der Methode Welke bedienen. „Bernd Höcke“ ist genau wie „Free Deniz“ ein eindeutiges politisches Statement, wenn auch für Eingeweihte. Aber das macht es ja auch besonders schön.

Warum nicht auch Bernd al-Höcke?

Und sollte Bernd Höcke nicht mit dem Versuch aufhören wollen, dieses Land zu refaschisieren, kann man doch statt Empörungskommentare zu schreiben auch noch seinen Nachnamen zur Disposition stellen. Aus Höcke wird ganz schnell Höcker, Glöckner, vielleicht sogar Glööckler. Und sollte es ganz dumm für ihn laufen, dann steht unter seinen Fotos eben irgendwann Bernd al-Höcke oder Bernd Moshe Rosenzweig: #luegenpresseundspassdabei.

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