„Trump Bump“ bei Late-Night-Shows: Wie die Witzemacher der US-Nation vom Lästern über Trump profitieren

Die US-Satiriker Stephen Colbert und Samantha Bee sind die stärksten Profiteure bei den Late-Night-Shows.
Die US-Satiriker Stephen Colbert und Samantha Bee sind die stärksten Profiteure bei den Late-Night-Shows.

Trump zahlt sich für die US-Medienwelt offenbar aus: Nicht nur amerikanische Zeitungen können von seiner Präsidentschaft profitieren, auch US-Late-Night-Shows haben durch Trump mächtig zugelegt. Neue Werbekunden und ein großer Sprung in der Zuschauerzahl lassen die Late-Night-Talker jubeln. Wer über Trump Witze macht, stößt beim US-Publikum auf Zustimmung – und steigert die eigene Reichweite.

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„Trump Bump“ nennt sich das Phänomen, das für die US-Medienwelt zu einem Heilsbringer geworden ist. Wer sich mit Trump anlegt, kann von dessen Bekanntheitsgrad profitieren. Allen voran Trumps Lieblingsgegner, die New York Times: Im letzten Quartal des vergangenen Jahres hat die Zeitung mehr als eine Viertelmillion Digitalabonnenten gewonnen. Auch den anderen Verlagen geht es derzeit so gut wie seit Jahren nicht. Das „Anti-Trump“-Label ist offenbar zu einem Marketing-Instrument geworden.

Doch nicht nur die Verlage können sich über eine wachsende Anhängerschaft freuen. Auch US-Late-Night-Shows, die Witze auf Kosten des US-Präsendenten machen, sind so beliebt wie lange nicht mehr. Schließlich bietet ihnen Trump fast jeden Tag neuen Stoff für ihre Sendungen.

Seit etwa Alec Baldwin in „Saturday Night Live“ den Trump mimt, macht die Satireshow satte Quote. Laut Adweek konnte die Sendung im gesamten Publikum um 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zulegen. Auch im Web werden Videos des Komikers verbreitet:

Baldwins „Saturday Night Live“ ist natürlich nicht die einzige Late-Night-Show, die von Trump profitiert. Allen voran kann sich der US-Comedian Stephen Colbert freuen. Seine Sendung „The Late Show“ war nach der Wahl Trumps in sechs aufeinander folgenden Wochen die Nummer 1 der Abendshows in den USA. Rund 23 Prozent mehr Zuschauer als im vergangenen Jahr kann die Late-Night-Show verzeichnen. Der Sender CBS konnte durch die Beliebtheit der Sendung zahlreiche neue Werbekunden hinzu gewinnen.

Vor zwei Wochen hatte „The Late Show“ sogar die besten wöchentlichen Einschaltquoten seit ihrer Premiere im September 2015. Colbert belustigte sich damals unter anderem über Trumps Beziehungen zu Russland:

Ähnlich gut geht es der vor allem bei Erwachsenen beliebten Late-Night-Sendung „Full Frontal“ mit der Satirikerin Samantha Bee. Im 18- bis 49-jährigen Publikum konnte die Show ihre Anhängerschaft im Vorjahresvergleich verdoppeln. Das liegt allerdings nicht nur an Trump, sondern auch an der Tatsache, dass die Sendung von Montag- auf Mittwochabend verlegt wurde. Auch The Daily Show mit Trevor Noah konnte mit dem Februar ein Rekordmonat ablegen.

Andere Late-Night-Shows halten sich mit politischen Botschaften an Trump mehr zurück, darunter die wohl bekannteste „The Tonight Show“ von Jimmy Fallon sowie „Jimmy Kimmel Live“. Fallon hat mit dem Auftritt Trumps in seiner Show im September zwar einen großen Hit gelandet, wurde aufgrund sehr schwacher Fragen zugleich aber kritisiert. Seither ist die Tonight-Show wenig politisch gewesen. So kam es, dass im Februar Colbert’s „The Late Show“ Fallon erstmals vom Thron stürzte. Witze auf Kosten Trumps scheinen sich in den USA derzeit wohl mehr zu lohnen.

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Alle Kommentare

  1. Witze auf Trumps Kosten… Der Autor hat offensichtlich noch nie Colbert gesehen, dann wüsste er, dass das nicht einmal annähernd das Spektrum der Late Show abdeckt.

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