„Peinlich und falsch“: Polnische Journalisten entschuldigen sich für Nazi-Vergleiche regierungsnaher Medien

Für die polnische Ministerpräsidentin Beata Szydlo (PiS) und regierungsnahe Zeitungen war Deutschland zuletzt ein beliebtes Angriffsziel.
Für die polnische Ministerpräsidentin Beata Szydlo (PiS) und regierungsnahe Zeitungen war Deutschland zuletzt ein beliebtes Angriffsziel.

Polnische Staatsmedien haben in den vergangenen Wochen immer mal wieder zum Schlag gegen Deutschlands angebliche Übermacht in der EU ausgeholt. Sie scheuten dabei zum Teil nicht vor drastischen Nazi-Vergleichen zurück. Eine unabhängige Journalistenorganisation aus Polen hat dies nun kritisiert - und richtet sich in einem offenen Brief an die deutsche Bevölkerung.

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„Die über Jahre aufgebaute deutsch-polnische Partnerschaft und Freundschaft ist heute in Gefahr durch eine lügnerische, aggressive und antideutsche Propaganda“, heißt es in dem polnischen Brief, den unter anderem Die Welt übersetzt hat. Staatsnahe Medien in Polen hatten in den vergangenen Wochen vor allem gegen Deutschland scharf geschossen. Grund hierfür ist die Ablehnung der polnischen Regierungspartei PiS (Recht und Gerechtigkeit) gegen die Verlängerung der Amtszeit des EU-Ratspräsidenten Donald Tusk. Die Regierung beschuldigt Deutschland, Europa zu dominieren und dem Kontinent einen „deutschen Willen“ aufzwingen zu wollen. Tusks Wiederwahl sei ein Diktat Deutschlands gewesen.

Staatsnahe Medien stellten die vermeintliche Dominanz mit eindeutigen Fotomontagen zur Schau. So zeigte unter anderem die polnische Zeitschrift Gazeta Polska Tusk auf der Titelseite in einer deutschen Wehrmachtsuniform, während er aus einer Straßenbahn aussteigt, auf der das Schild „Nur für deutsche Fahrgäste“ angebracht ist – eine klare Anspielung auf die deutsche Besatzungszeit. Auch Merkel, Schulz und andere EU-Politiker hatte die Zeitung bereits so dargestellt.

Die polnische Regierung versucht zudem seit mehr als einem Jahr, deutsche Verlagshäuser aus dem polnischen Pressemarkt zu verdrängen. „Sie ging sogar so weit, dass sie versuchte, den Vorstand von Ringier Axel Springer mit einem Strafverfahren einzuschüchtern“, schreibt die Journalistenorganisation.

In dem nun veröffentlichten Brief verurteilt die unabhängige Journalistengesellschaft die schrillen Vergleiche der regierungsnahen Medien. Die Organisation geht zurück auf eine Initiative von Angehörigen der Gazeta Wyborcza, Polens größter Tageszeitung. Der Brief richtet sich an deutsche Journalisten und die deutsche Leserschaft.

Unter anderem heißt es dort: „Liebe deutsche Freunde, wir wissen, wie peinlich und falsch diese Lügen und Verleumdungen sind. Wir möchten Ihnen versichern, dass wir sie als genauso peinlich empfinden.“ Und weiter: „Obwohl wir für diese schäbige Propagandakampagne, von der wir auch betroffen sind, nicht verantwortlich sind, möchten wir an Sie Worte der Entschuldigung und des Bedauerns richten.“ Die Unterzeichner des Briefes sind zudem überzeugt, dass die Mehrheit der Bevölkerung gegen die Anti-Deutsche-Hetze immun sei. „Wir hoffen darauf, dass es sich nur um ein peinliches und beschämendes Kapitel in der Geschichte der guten deutsch-polnischen Beziehungen handelt“.

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Alle Kommentare

  1. Die sozialistische Internationale trägt ihren Namen nicht umsonst. Keine Frage, Europa soll nach deren Willen rot werden. Und dabei geht Merkel- Deutschland voran. Demokratie hin, Rechtsstaat her.

    Wer sich gegen diesen EU-Sozialismus wehrt, der ist aus deren Sicht ein Nationalist, ein Populist, ein Nazi.

    Diese Keule ist derart wirkmächtig, daß sie sogar von Erdogan geschwungen wird.

    Ob die Bürger von Leningrad derzeit ähnlich differenziert empfinden?

    Wenn sich jemand schämen sollte, dann wären wir es, unsere Soldaten dort vor Leningrad auflaufen zu lassen.

    Putin ist eben kein Sozialist.
    Sowenig wie Trump.

    Darum geht es. Da verläuft die Linie.

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