Anzeige

Nun also doch: Bild bereitet nach langen Verhandlungen den Launch von Snapchat Discover vor

Hat mit Bild nun offenbar einen ersten deutschen Medien-Partner für Snapchat Discover gefunden: Snap-Chef Evan Spiegel
Hat mit Bild nun offenbar einen ersten deutschen Medien-Partner für Snapchat Discover gefunden: Snap-Chef Evan Spiegel

Snapchat wird die Discover-Funktion doch noch mit deutschen Medien-Partnern an den Start bringen. Nach MEEDIA-Informationen bereitet sich derzeit Lang-Anwärter Bild auf den Einstieg in das Medienangebot des Messenger-Dienstes vor. Neben dem Portal könnten weitere Publisher den deutschen Launch begleiten. Definitiv abgesprungen sind die bisherigen Burda-Verhandlungspartner Bunte und Focus Online.

Anzeige
Anzeige

Es scheint die Wende nach mehreren Monaten fast aussichtsloser Verhandlungen zu sein: Snap, das Unternehmen hinter dem Messenger-Dienst Snapchat, könnte nun doch noch mit deutschen Discover-Partnern an den Start gehen – bald. Nach Informationen von MEEDIA bereitet sich derzeit die Redaktion von Bild auf einen Launch mit Snapchat Discover vor und erweitert ihr Team diesbezüglich um Motion Designer, die für die grafische Darstellung und Umsetzung von Discover-Stories zuständig sind. Einen Starttermin gebe es zwar noch nicht, heißt es aus Unternehmenskreisen, man habe sich mit Snapchat aber insoweit geeinigt, dass man es gemeinsam probieren wolle.

Die Einigung ist nicht selbstverständlich. Wie MEEDIA bereits berichtete, hatte sich ein Start von Discover immer wieder verzögert. In den vergangenen Monaten äußerten sich eine Reihe von Publishern öffentlich und auch hinter vorgehaltener Hand unzufrieden über die Verhandlungs-Geschicke von Snap. Diese führten offenbar dazu, dass sich einige Plattformen dazu entschieden, das Projekt Discover vorerst auf Eis zu legen. Wie zu hören war, seien Verhandlungen aus Mangel an Ansprechpartnern und wegen geringer Informationsbereitschaft immer wieder erschwert worden, darüber hinaus habe es keine überzeugenden Perspektiven für die Monetarisierung gegeben.

Erst im November hatte mit Bild eine der größten deutschen Medienmarken – und zugleich der wohl größte Interessent – Snapchat Discover eine vorläufige Absage erteilt. „Momentan haben wir Zweifel daran, dass diese bei Snapchat zu fairen Konditionen möglich ist“, sagte Bild-Geschäftsführerin Donata Hopfen gegenüber MEEDIA. Zuvor war bekannt geworden, dass Snapchat sein Modell der finanziellen Beteiligung von Medien-Partnern umstellen würde. Statt eines Revenue-Shares wollte man eine fixe als „Flat“ bezeichnete Gebühr einführen, die Publisher unabhängig vom Reichweiten- oder Vermarktungserfolg bekommen sollten. Eigene Verhandlungen zwischen Snapchat und Bild wollte Hopfen damals wie heute nicht kommentieren.

Snapchat ist vor allem in der jungen Zielgruppe sehr beliebt

Im November bekräftigte die Springer-Managerin aber auch, dass beide Modelle eine Basis der Zusammenarbeit sein könnten, sofern sie faire Konditionen beinhalteten. „Eine Abgabe von bis zu 50 Prozent an Snapchat wäre aber unfair, und wir haben Zweifel daran, dass dies bei einem Lizenz-Modell anders aussieht.“ Dass es nun, rund vier Monate später, doch zu einer Zusammenarbeit kommen könnte, bedeutet also, dass mindestens einer der Verhandlungspartner von seiner Position abgerückt ist. Nach MEEDIA-Infos war das in diesem Fall Snapchat, obwohl das (redaktionelle) Interesse seitens Bild ungebrochen groß ist. Erst in der vergangenen Woche machte Bild-Reporter Paul Ronzheimer mit einer Live-Story auf sich aufmerksam. Diese lief losgelöst von den etablierten Medienkanälen bei Discover und war die erste mit deutscher Beteiligung. Die Story, die weltweit abrufbar war und deshalb in englischer Sprache publiziert wurde, soll mehr als 4,2 Millionen Abrufe erreicht haben, heißt es aus Redaktionskreisen. Begehrenswert macht Snapchat vor allem seine junge Nutzerschaft. Nach Comscore-Angaben haben mehr als zwei Drittel der Smartphone-Nutzer unter 24 Jahren Snapchat auf ihr Handy geladen, bei den 25- bis 34-Jährigen sind es rund 38 Prozent. Weltweit kommt die App nach Unternehmensangaben auf mehr als 150 Millionen tägliche Nutzer.

Freilich können solche Reichweiten für eine in deutscher Sprache publizierte Geschichte, die womöglich nur in Deutschland abrufbar ist, nicht erwartet werden. Wie groß das Potential einer Discover-Story sein kann, ist unklar. Snapchat gibt keine Kennzahlen – beispielsweise für den französischen Markt – heraus und hält sich bei diesem Thema – wie sooft – bedeckt. Auf Nachfrage zu den Vorbereitungen im Hause Bild hat sich das Unternehmen noch nicht geäußert. Damit blieben auch Fragen nach einem Starttermin und weiteren möglichen Partnern unbeantwortet.

Anzeige

Auch Bild hält sich mit Äußerungen wieder zurück. Ein Sprecher will die Vorbereitungen für einen Discover-Launch nicht bestätigen, dementiert sie aber auch nicht. Ausweichend heißt es aus der Springer-Konzernzentrale: „Wie Sie wissen, schauen wir uns wie immer alle neue Plattformen an und experimentieren auch mit diesen. So haben wir gerade erst eine weltweite Live-Story mit Snapchat erfolgreich umgesetzt, um Erfahrungen zu sammeln und weiter herauszufinden, wie wertvoll Snapchat als Plattform für uns sein kann. Dafür benötigen wir in unserem Team natürlich heute schon entsprechende Experten, um alle, insbesondere technologischen, Möglichkeiten richtig erfassen und entwickeln zu können.“ Dass Springer redaktionelle Ressourcen aufbaut, um mehr nicht gebrandete Live-Stories ohne eigenen Kanal zu produzieren, ist nur schwer vorstellbar.

Snap beschäftigt erste deutsche Mitarbeiterin, auch Spiegel Online und Vice suchen Motion Designer

Auf einen Deutschland-Launch deuten auch weitere Aktivitäten Snapchats hin. Wie Business Insider vor einigen Tagen berichtete, soll das Unternehmen seine erste deutsche Mitarbeiterin eingestellt haben. Dem unbestätigten Bericht zufolge hat Snap die ehemalige Twitter-Angelstellte Jolanta Twarowska eingestellt und mit weiteren ehemaligen Twitter-Mitarbeitern, deren Standort in Berlin Anfang des Jahres geschlossen worden ist, gesprochen haben. Laut Business Insider plane Snapchat auch in Deutschland ein Büro aufzubauen. Erste Berichte darüber, dass Snap auf der Suche nach Räumlichkeiten in Hamburg ist, hatte es bereits vergangenenes Jahr gegeben.

Beobachter glauben, dass Snapchat einen Discover-Start in Deutschland mit mehr Medien als nur Bild hinlegen. Fraglich aber ist bei den meisten aber wohl weiterhin, ob sich mit den angebotenen Konditionen die Experimentierfreude refinanzieren lässt. Daran haben einige andere Anbieter, die offenbar mit Snapchat am Verhandlungstisch saßen, ihre Zweifel. „Wir haben uns dagegen entschieden, als Launchpartner von Snapchat Discover in Deutschland dabei zu sein. Der Aufwand im Verhältnis zum möglichem Ertrag ist für uns zu hoch“, erklärt Nina Zimmermann, als Managing Director Burda Studios Publishing für Bunte Online zuständig. „Letztendlich entscheiden die Nutzer, welche Kanäle für sie am interessantesten sind.“ Nach MEEDIA-Infos hat sich auch das Schwester-Portal Focus Online nach Gesprächen gegen einen Launch entschieden.

Wie es heißt, ist Snapchat daran gelegen, wie bereits an den US-Partnern deutlich wird, nicht nur große Reichweitenportale in Discover zu integrieren, sondern auch bekannte Medien aus spezifischen Segmenten. Nach MEEDIA-Infos haben dazu beispielsweise Gespräche mit der Fußball-Zeitung Kicker stattgefunden. Eine Sprecherin wollte mögliche Verhandlungen auf Nachfrage nicht kommentieren. Auf einen Start bei Snapchat Discover bereitet sich möglicherweise auch Spiegel Online vor. Wie Business Insider weiter berichtet, soll das Nachrichtenportal neben Vice und möglicherweise Bauers Bravo ebenfalls Launch-Partner werden. Auch Spiegel Online ist derzeit via Stellenausschreibung auf der Suche nach Motion Designern, Vice sucht entsprechende Mitarbeiter auf Praktikanten-Basis. Auf Nachfrage wollte sich auch der Spiegel Verlag nicht äußern.

Weitere Publisher müssen also noch immer einige unbekannte Variablen abwägen und einschätzen, bevor sie sich für den teuren Launch bei Snapchat Discover entscheiden. In ihre Bewertung mit einfließen dürfte seit einigen Wochen auch das aggressive Vorgehen von Facebook, das über sämtliche Angebote hinweg Snapchat-Funktionen eingeführt hat. Der App gefährlich wird aufgrund seiner extrem hohen Nutzerzahl vor allem die Foto-Plattform Instagram, die seit einigen Wochen ebenfalls eine Story-Funktion anbietet und Snap mit seinem Gründer Evan Spiegel unter (Handlungs-)Druck setzt. Die Expansion der Discover-Funktion wäre auch ein Zeichen an die Investoren, die jüngst von der New Yorker Börse kommenund in den vergangenen Wochen extrem viel Geld verbrannt haben. Das Unternehmen muss beweisen, dass es weiterhin innovativ ist, um großen Playern etwas entgegenzusetzen. Soweit sind sich die Analysten einig. Discover ist neben der Foto-Brille Spectacles das bislang einzige – im Erfolg umstrittene – Tool, das Facebook beziehungsweise Instagram noch nicht adaptiert haben.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*