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„Fatales Signal an Kollegschaft“ – ZDF-Personalrat kritisiert Auflösung der „Mona Lisa“-Redaktion

ZDF-Chefredakteur Peter Frey, Magazin „Mona Lisa“
ZDF-Chefredakteur Peter Frey, Magazin "Mona Lisa"

Das ZDF streicht das Magazin „ML Mona Lisa“ aus Spargründen und ersetzt es durch eine Dokureihe in Kooperation mit Arte. Der Schritt stößt bei der betroffenen ZDF-Redaktion in München verständlicherweise auf wenig Begeisterung. Der Personalrat des ZDF-Standorts Münchens wandte sich in einem Schreiben an den Intendanten. Vor allem die Auslagerung von Programmfläche an freie Produktionsfirmen wird kritisiert.

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„Mona Lisa“ soll nämlich durch das neue Reportage-Format „Re:“, das zunächst für den deutsch-französischen Kulturkanal Arte produziert wird, ersetzt werden. „Re:“ wird dabei nicht vom ZDF selbst, sondern von mehreren freien Produktionsfirmen erstellt, u.a. Spiegel TV. Der Personalrat München des ZDF schreibt hierzu an den Intendanten Thomas Bellut:

Dem Personalrat München leuchtet nicht ein, warum diese Dokumentation, die sich mit „aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen“ (s. Brief der HA Personal an den PRZ vom 3.2.2017) – also den unbedingten Mona Lisa-Themen – befassen soll, außer Haus gegeben werden soll bzw. warum der Redaktion nicht einmal die Chance gegeben wurde, eigene Vorschläge zu den Überlegungen der Geschäftsleitung zu machen. In allen Gesprächen wurde der Redaktion versichert, dass sie hier eine hohe, jahrzehntelange Kompetenz habe, dass sie „stolz“ auf ihre Arbeit sein könne, dass sie eine „ausgewiesene Expertise“ habe. Was also spricht dagegen, hier auf das Know How des eigenen Personals zu setzen? Dies erscheint uns-  auch vor dem Hintergrund möglicher weiterer geschäftspolitischer Entscheidungen – ein fatales Signal an die eigene Kollegschaft.

Mit der Auflösung der „Mona Lisa“-Redaktion in München werden fast alle Arbeitsplätze nach Mainz verlegt. Der Personalrat moniert, dass dies für die Betroffenen „übermäßige und soziale Härten“ bedeute, da die Redaktionsmitglieder lange Jahre am Standort München arbeiten und es sich „zu einem Großteil um Eltern/Alleinerziehende mit schulpflichtigen Kindern oder pflegebedürftigen Eltern“ handle.

Für solche Mitarbeiter muss es wie Hohn klingen, wenn ZDF-Chefredakteur Peter Frey im taz-Interview erklärt, es gebe auch andere attraktive Stellen im Sender, er habe aktuell u.a. eine Stelle im Studio Peking frei.

Die Streichung von „ML Mona Lisa“ begründete die ZDF-Führung in einem internen Schreiben auch damit, dass das Format nicht mehr zu der „publizistischen Auffälligkeit und Akzeptanz der Anfangsjahre“ gefunden habe. Hierzu führt der Personalrat an, dass der Markenkern der Sendung als „Frauenmagazin“ 2011 mit einer thematischen Öffnung hin auch zu „Männerthemen“ „mit Beschluss der Geschäftsführung“ verwässert worden sei. Außerdem wurde „Mona Lisa“ auf den ungeliebten Sendeplatz am Samstagnachmittag geschoben, der intern als „Todeszone“ bekannt ist. Damit will der Personalrat deutlich machen, dass Quoten- und Aufmerksamkeitseinbußen in erster Linie auf Entscheidungen der ZDF-Führung zurückzuführen sind und nicht darauf, dass ein „Frauenmagazin“ keine gesellschaftliche Relevanz mehr besitze.

Dass von den betroffenen Redaktionsmitgliedern viele einen Standortwechsel nach Mainz, Berlin oder gar Peking wegen persönlichen Lebensumständen nicht mitmachen können, wird vom Sender vermutlich billigend in Kauf genommen. Der öffentlich-rechtliche Sender ZDF agiert hier nicht anders, als manches Privatunternehmern.

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Alle Kommentare

  1. Jetzt ist man extra in die Partei eingetreten und hat sich beim Rundfunk beworben und dann kann man im 21.Jahrhundert noch nicht einmal dort mit einer lebenslangen unbeschwerten Arbeitsstelle rechnen.
    Aber der Reflex der Kindererziehung und Altenpflege funktioniert noch immer.
    Dann sollte es auch nicht schwierig sein, eine andere Teilzeittätigkeit im Münchener Raum zu finden. Es fehlen ja gerade Fachkräfte.

  2. Soll man es doch wie z.B Anne Will machen und Gesellschaften im Konzernverbund gründen. Damit lässt sich viel besser und viel mehr Gebühren abgreifen. Und der gebührenfinanzierte Rundfunk kann seine Hände in Unschuld und Bescheidenheit waschen.

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