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Ex-Porsche-Sprecher Hunger sucht sich so ziemlich das falscheste Beispiel aus, um auf die Medien zu schimpfen

Anton Hunger (o.l.), Hans Meiser (u.r.), außerdem im Bild: Torten der Unwahrheit, Jubel-Meldungen
Anton Hunger (o.l.), Hans Meiser (u.r.), außerdem im Bild: Torten der Unwahrheit, Jubel-Meldungen

In diesem MEEDIA-Wochenrückblick erfahren Sie, was Hans Meiser so im Internet anstellt (nichts Gutes), warum die Zeit der Meinung ist, Frauen bekämen mehr als sie verdienen (Fake-News), warum PR-Mann Anton Hunger aus einem falschen Grund auf die Medien schimpft (Lügen-PR) und was Medien an den Reaktionen auf Jubel-Artikel beunruhigen sollte (nicht, was Sie vielleicht denken).

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Fragen Sie sich auch manchmal, was zum Teufel macht eigentlich Hans Meiser? Das Urgestein des deutschen Privat-TV braucht offenbar Geld. Wie sonst wäre zu erklären, dass sich Meiser als Ansager für ein Werbevideo eines Anbieters namens „Deutsches Finanzfernsehen“ (DFF) hergibt. Vor Pseudo-Nachrichten-Kulisse kündigt er „ein Informationsdokument aus dem Büro des Chefredakteurs“ an. Gemeint ist DFF-Chefredakteur Rolf Morrien, der laut Begleittext von der deutschen Fachpresse als „deutscher Warren Buffett“ bezeichnet wird, obwohl ihm diese Lobpreisung angeblich „ein wenig unangenehm“ sein soll. Komisch, dass man bei der Google-Suche nach „deutscher Warren Buffett“ so gar nicht auf Herrn Morrien stößt. Vermutlich kursieren entsprechende Fachartikel ausschließlich in Fachkreisen. Das Schicksal von Hans Meiser als Ansager bei komischen Internet-Aktien-Buden könnte man eventuell ein bisschen traurig finden. Aber sehen Sie es mal so: Immerhin arbeitet er nicht für den Kopp Verlag!

Die Zeit hat in ihrem Politik-Ressort eine Rubrik namens „Torten der Wahrheit“. Das sind Torten- und Infografiken mit gefühlten Wahrheiten. Also keine echten, auf Daten basierenden Grafiken, sondern eher etwas Ausgedachtes. Neudeutsch könnte man vielleicht sagen Fake-Grafiken aber das wäre unfair, denn hier handelt es sich ja erklärtermaßen um ein Stilmittel. Diese Woche zeigte sich freilich, dass auch bei ausgedachten Infografiken was durcheinandergehen kann:

Beachten Sie bitte die Balken unten rechts. Laut denen verdienen Frauen ein bisschen weniger, als sie tatsächlich bekommen. Aufschrei! Beziehungsweise.: Ja, wo samma denn! Bevor Don Alphonso einen Artikel dazu schreibt schnell die Auflösung: Es war einfach nur ein blöder Fehler. Zum Glück hat die Torten der Wahrheit-Macherin Katja Berlin die Sache auf Twitter richtiggestellt:

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Anton Hunger war lange Jahre Pressesprecher bei Porsche, heute betreibt er ein Kommunikationsbüro in Starnberg (was immer das auch ist – also ein „Kommunikationsbüro“, nicht Starnberg) und er schreibt eine Kolumne im überaus geschätzten Medium Magazin zum Thema PR. In der aktuellen Ausgabe hat er sich über die Pistenraupen-Ente ausgelassen. Wissen Sie noch: Das war diese Story vom vergangenen Herbst, als der Tourismusverbands des Tiroler Örtchens Seefeld eine Pistenraupe angeblich versehentlich in ein falsches Seefeld nach Schleswig-Holstein schickte. Die getürkte Irrfahrt der kleinen Raupe war von den Medien vielfach erzählt worden, nicht zuletzt, weil die dpa die Story verbreitet hatte. Hunger nimmt die olle Kamelle und zwei weitere Beispiel zum Anlass im Medium Magazin nochmal ein bisschen Medien-Bashing zu betreiben:

Wenn die Medien jeden viralen Unsinn ungeprüft übernehmen, beschädigen sie ihre Glaubwürdigkeit. Und eine beschädigte Glaubwürdigkeit der Medien nützt auch der PR nicht.

Jaja, ist jetzt nix Neues aber es stimmt ja. Glaubwürdigkeit etc.pp. Bloß: Im Fall der Pistenraupe-Ente konnten die armen Medien ausnahmsweise mal nix dafür. dpa und andere Medien hatten ja durchaus nachgefragt beim Tourismusverband Seefeld und der Spedition und wurden von denen glatt angelogen. Dafür gab es dann auch eine Rüge vom Deutschen Rat für Public Relations. PR-Menschen, die Journalisten belügen – das nützt der PR noch weniger.

MEEDIA berichtete diese Woche über verdächtig euphorische Produkt-Artikel bei Brigitte.de und Wunderweib.de. Da wurden Klamotten und Unterwäsche von Discountern so himmelhochjauchzend bejubelt, das wäre vermutlich selbst Prospekt-Textern ein wenig zu übertrieben erschienen. Ob das nun Schleichwerbung auf Ramsch-Niveau war oder ob eine solche Berichterstattung dem Qualitätsanspruch einer Marke wie Brigitte genügt, vermag an dieser Stelle nicht geklärt zu werden. Aber ein wenig verwundert war ich schon, dass eine solche Geschichte auf relativ wenig Resonanz stieß. Auch bei Übermedien, die darüber ebenfalls berichteten, lasen sich zahlreiche Leser-Kommentare wie ein verbales Achselzucken. Nach dem Motto: Ist halt so, sind ja bloß Frauenzeitschriften. Ein Leser bei MEEDIA kommentierte gar: „Die Beiträge der Brigitte sind derart plump, dass ich hier keine Schleichwerbung sehe. Wer das nicht merkt, dass es sich um Werbung handelt, dem/der ist nicht zu helfen.“ Offenbar denkt der Kommentator Schleichwerbung müsse per se besonders subtil sein, da sie sich sonst nicht für das Attribut „schleich“ qualifiziert. Den Verlagen sollte dies vielleicht am meisten Sorgen machen: Dass Leser bei bestimmten Mediengattungen die Vermischung von Werbung und Redaktion für ganz normal halten.

Zum Schluss noch ein kleines Fundstück aus diesem Twitter. Der so genannte Twitter-Beef ist keineswegs nur ein Sport, den Promis und Journalisten (Grüße an @jreichelt!) ausüben. Bisweilen zoffen sich dort auch topseriöse Bundesministerien:

Schönes Wochenende!

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