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Umbau der Vermarktung, Sparkurs in Schlussredaktion: Condé Nast stemmt sich gegen sinkende Gewinne

Condé Nast-Deutschlandchef Moritz von Laffert
Condé Nast-Deutschlandchef Moritz von Laffert

Unruhe beim Münchener Zeitschriftenhaus Condé Nast: Unternehmenschef Moritz von Laffert lagert die Schlussredaktion aus und plant die Vermarktung, noch in diesem Jahr auf neue Standbeine zu stellen. Damit will der ehemalige Springer-Manager die Ertragslage des Magazinunternehmens mit namhaften Frauen- und Männerzeitschriften wie Vogue, Glamour, myself und GQ deutlich verbessern.

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Condé Nast-Chef Moritz von Laffert tritt auf die Kostenbremse. Zunächst will er noch im Laufe des Jahres die Aufgaben der Schlussredaktion aller Magazintitel an einem externen Dienstleister auslagern, um Geld zu sparen. Betroffen von der Maßnahme sind vier feste Stellen, die hierdurch wegfallen sollen, meldet Kress. Jetzt nimmt er die Vermarktungsorganisation unter die Lupe. Dazu hat der ehemalige Springer-Manager eine Unternehmensberatung beauftragt. Sie soll helfen, die Arbeitsabläufe und Prozesse in der Digitalvermarktung zu verbessern.

Doch nicht nur schlankere Strukturen stehen hier im Fokus. Vor allem will der gelernte Verlagskaufmann und Absolvent der London School of Economics den Vermarktungsapparat umbauen, um neue Kunden zu gewinnen. „Hier sehen wir weiteres Wachstumspotenzial, das wir mit einem optimalen Set-up noch besser ausschöpfen wollen“, heißt es hierzu auf Meedia-Anfrage aus München. Wie die neue Struktur aussehen soll, dazu hält sich Laffert, seit Oktober 2009 Geschäftsführer und Herausgeber von Condé Nast Deutschland, bedeckt. „Das Projekt läuft noch. Über Details informieren wir zu gegebener Zeit“, erklärt eine Verlagssprecherin. Nur so viel: Kurzfristig seien hier keine Ergebnisse zu erwarten. Hausintern wächst allerdings in der Belegschaft die Unruhe, dass der Umbau der wichtigen Firmensparte zu Personalanpassungen führen könnte. Doch die Münchener kontern die Gerüchte. „Wir werden uns in den kommenden Monaten im Vermarktungsbereich personell verstärken“, heißt es deutlich. Conde Nast zählt mit namhaften Magazinen wie Vogue, GQ, myself zu einer der führenden Zeitschriftenhäuser in Deutschland. Das Unternehmen gehört zum weltweiten agierenden US-Medienriesen Advance Publications mit Sitz in New York.

Dass von Laffert nach Sparpotenzialen sucht, liegt auf der Hand. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen in der Corporate Publishing-Sparte einen herben Schlag erlitten. Überraschend verlor der Dienstleister den millionenschweren Auftrag, das Mercedes Magazin zu produzieren. Denn der Stuttgarter Autobauer hat für sein Kundenmagazin eine neue Strategie gewählt und die Verantwortung hierfür dem ehemaligen stern-Chefredakteur Dominik Wichmann mit seiner Looping Group übertragen. Das ist jedoch nicht der einzige Rückschlag, den Laffert verkraften muss. Wie in der gesamten Branche nimmt auch bei den Münchenern der Druck in der Zeitschriftensparte zu. So haben die Verkaufsauflagen von GQ, Vogue, Glamour und myself in den letzten zwei Jahren deutlich Federn gelassen. Allen voran das Männermagazin GQ. Verkaufte der Verlag im 4. Quartal 2014 von dem Titel noch 121.119 Hefte, waren es im 4. Quartal 2016 nur noch 95.798 Stück. Laffert zog die Notbremse. Er ersetzt den langjährigen Chefredakteur Jose Redondo-Vega durch den ehemaligen People-Macher Tom Junkersdorf, der dem Blatt neuen Schwung geben soll. Aber auch die Auflage beim Frauen-Hochglanzmagazin Vogue bröckelt. Verkauften die Münchener von dem Vorzeigeprodukt im 4. Quartal 2014 noch 129.803 Hefte, waren es im 4. Quartal des vergangenen Jahres nur noch 111.541 Stück. Größer waren die Auflagenverluste bei Glamour. Hier setzte das Unternehmen im 4. Quartal 2014 nur noch 314.832 Exemplare ab, zwei Jahre später sind es noch 199.529 Hefte.

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Kein leichter Stand für Laffert. Der gebürtige Hamburger kämpft deshalb seit Jahren gegen einen sinkenden Gewinn. Zwar publiziert das Zeitschriftenunternehmen als Privatunternehmen äußerst sparsam Bilanzzahlen. Doch einmal im Jahr ist der Manager verpflichtet, das Zahlenwerk des Unternehmens offenzulegen. Jetzt erschienen vor wenigen Tagen Angaben zum Geschäftsjahr 2015. Danach ist die Condé Nast Verlag GmbH in die Miesen gerutscht. So weist das Unternehmen für 2015 einen Jahresfehlbetrag von 1,16 Millionen Euro aus, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit wurde mit Minus 1,474 Millionen angegeben. Blickt man auf die Geschäftszahlen der vorangegangenen Jahre, zeigt der Jahresüberschuss eine klare Richtung: abwärts. So erwirtschaftete die Condé Nast Verlag GmbH 2012 noch einen satten Jahresüberschuss von 5,49 Millionen Euro, 2013 waren es 2,36 Millionen Euro, 2014 nur noch magere 311.328 Euro.

Dass die Condé Nast Verlag GmbH 2015 rote Zahlen schreibt, ist in der Geschichte des Verlags kein Einzelfall. Auch vor 2011 sei die Gesellschaft mehrfach in der Verlustzone gewesen, heißt es aus dem Münchener Unternehmen. Dass die Firma nun 2015 erneut einen Fehlbetrag verbucht, lässt Laffert nicht unkommentiert. Er schiebt die Verantwortung hierfür auf die New Yorker Konzernzentrale. „Condé Nast Deutschland war trotz der Investitionen in den Aufbau der Marke Wired in 2015 und auch in 2016 hochprofitabel. Das handelsrechtlich ausgewiesene Ergebnis der G+V kann jedoch leicht zu einer Fehlinterpretationen der Profitabilitätssituation führen, da unser positiver operativer Gewinn von hohen Belastungen konzerninterner internationaler Lizenzgebühren sowie schwankenden internationalen Konzernumlagen verzerrt wird“, erklärt eine Unternehmenssprecherin. Die für die Bemessung des „unternehmerischen Erfolgs relevante Kennzahl ist der operative Gewinn, der klar positiv ist.“ Eine Zahl hierzu liefert sie allerdings nicht mit.

Ungeachtet des Drucks aus der Konzernzentrale muss sich Laffert seit Monaten mit Gerüchten über einen Verkauf von myself rumschlagen, einem Magazin für die selbstbewusste und starke Frau. Angeblich sollen sich seit Längerem namhafte Medienhäuser für den Titel interessieren. Ausgerufen wurden angeblich Kaufsummen von mehr als 10 Millionen Euro, zuletzt Ende vergangenen Jahres, heißt es in Branchenkreisen. Das Interesse von Investoren ist verständlich. Der Titel verfügt über keine Ableger im Ausland und ist somit als Solitär leichter aus dem deutschen Conde Nast-Reich herauszutrennen. Die Öffentlichkeitsarbeit ist deshalb seit Monaten damit beschäftigt, jegliche Verkaufsabsichten zu dementieren – erneut auch gegenüber Meedia: „Das Interesse unterschiedlicher Player im Markt an myself sehen wir als Ursprung dieser seit geraumer Zeit kursierenden Gerüchte und zugleich als besten Beweis für die Stärke und Attraktivität der Marke. Wir sind froh und stolz myself in unserem Portfolio zu wissen, ein Verkauf steht daher nicht zur Diskussion. Entsprechend haben wir keinen Anlass diesbezügliche Spekulationen näher zu kommentieren.“

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