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Schleichwerbe-Debatte: Nicht nur Brigitte.de, auch Bauers Wunderweib jubelt über BHs bei Aldi

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Im Web liefert sich Bauers Wunderweib mit G+Js Brigitte ein Duell um die Marktführerschaft. Dabei setzen die beiden Portale ganz ähnliche Tricks ein, um den Traffic zu steigern. Brigitte.de muss sich gerade dafür rechtfertigen, dass man werblich anmutende Artikel über Produkt-Angebote von Aldi, Tchibo & Co. veröffentlicht, die sich an der Grenze zur Schleichwerbung bewegen, aus SEO-Sicht aber bestens funktionieren. Bauers Wunderweib bedient sich derselben Masche.

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Bei Brigitte gerieten unter anderen die beide Stücke „Mädels, aufgepasst! DAS gibt es JETZT bei Tchibo“ und „Discounter-Mode: Diese BHs gibt es demnächst bei Aldi Nord“ in die Kritik. Beide Artikel äußern sich jeweils begeistert über lediglich ein Produkt eines Produzenten oder das Sortiment eines Anbieters.

Damit ist Gruner + Jahrs Premium-Frauenmarke jedoch nicht alleine. Auch die Konkurrenz von Wunderweib nahm sich des Aldi-Büstenhalters an. Brigitte.de feiert das Teil mit den Worten:

Discounter setzen immer mehr auf coole Mode-Angebote. So auch Aldi Nord. Ab nächster Woche gibt es dort nämlich ganz spezielle BHs! Nicht nur, dass sich unsere Portemonnaies über die günstige Unterwäsche freuen, sondern es handelt sich um besondere Push-up-BHs. Ab dem 16.03. sind die BHs der Marke Queentex im Handel.

Bei Wunderweib lautet die Headline zum Queentex-BH: „Bei Aldi gibt es jetzt besondere Unterwäsche“. Im Text heißt es dann weiter:

Frauen – und damit auch ihre Männer – dürfen sich freuen: Bei Aldi gibt es jetzt ein neues Produkt, das man zunächst nicht im Discounterregal erwartet. Ab dem 16.03. hat Aldi Nord BHs der Marke Queentex im Angebot. Doch damit nicht genug, die Werbung überrascht uns gleich mit zwei Besonderheiten. Denn es handelt sich nicht um normale Unterwäsche, sondern um spezielle Push-up-BHs!

Neben dem BH präsentiert Wunderweib auch begeistert neue Puma-Sneaker, die es nur bei Deichmann gibt oder eine neue „Ice Age“-Kollektion für Babies von Lidl.

Wie auch Brigitte.de bewegt sich das Bauer-Portal mit diesen Stories an der Grenze zur Schleichwerbung. Mindestens. Nach der Spruchpraxis des deutschen Presserates, sollte ein Artikel „keine werblichen Formulierungen enthalten“, auch sollte ein Artikel keine Formulierungen enthalten, „die einer Werbebroschüre des Herstellers entnommen sein könnten“. Zudem ist es für die Medienwächter stets ein wichtiges Kriterium, ob in einem beanstandeten Stück nur die Artikel eines Händlers vorgestellt werden oder ein gewisser Mix von verschiedenen Produkten von unterschiedlichen Produzenten besprochen wird. Bei der Konzentration auf einen Anbieter entstehe „eine eindeutige Werbewirkung, was der Presserat missbilligt“.

Auf MEEDIA-Anfrage erklärt Gruner + Jahr, dass die Nutzerinnen von Brigitte Digital „ein hohes Interesse an aktuellen Mode-, Beauty-, Food-, und Fitness-/Gesundheitstrends sowie an Informationen zur Verfügbarkeit von Produkten im Handel“ hätten. „Insbesondere dann, wenn Angebote zeitlich oder anderweitig in ihrer Verfügbarkeit begrenzt sind.“ Weiter erklären die Brigitte-Macher: „Die darin vorgestellten Produkte sind erfahrungsgemäß sehr begehrt und nur für kurze Zeit im Handel erhältlich. Die Redaktion erbringt mit dieser Art von Berichterstattung eine redaktionelle Auswahl- und Serviceleistung, die die Userinnen erwarten.“

Tatsächlich dürften diese Artikel traffic-technisch sehr gut funktionieren. Solche Strategien sind erst einmal nicht ungewöhnlich. Viele Technikportale besprechen regelmäßig die neuen Reklame-Heftchen von Media Markt, Saturn & Co. Focus Online informiert beispielsweise maximal Suchmaschinen-optimiert jeweils über den aktuellen Rossmann-Prospekt. Allerdings ist auch in diesen Fällen die Grenze zu Verstößen gegen die Ziffer 7 des Presskodexes (Schleichwerbung) sehr dünn. So kassierte Focus Online beispielsweise 2015 bereits eine Rüge für eine Rossmann-Story.

Für die jeweiligen Medien bedeuten solche Geschichten immer auch eine Abwägung, ob der Reichweitengewinn, mögliche Schäden am Markenimage aufwiegt.

Bei Wunderweib nimmt Bauer diesen Effekt offenbar billigend in Kauf. Beziehungsweise handelt es sich nach Einschätzung der Hamburger nicht um Schleichwerbung. So erklärt der Verlag auf MEEDIA-Anfrage: „Die Bauer Media Group nimmt die Themen Schleichwerbung und Anzeigenkennzeichnung sehr ernst. Die gelegentliche Nennung von Produkten oder Herstellern ist medienrechtlich zulässig, wenn es hierfür objektive redaktionelle Anknüpfungspunkte gibt. Die sachliche Information über Produkte oder Studien ist keine Werbung.“

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Alle Kommentare

  1. …und wenn es irgendeine „Influencerin“ gegen gutes Geld ohne Werbe-Kennzeichnung macht, kräht kein Hahn danach. Wo sind denn dann die Abmahnvereine dieser Welt? Völlig irre alles inzwischen.

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