Große Nähe zu „Heute in Hamburg“: Hamburger Morgenpost arbeitet an Event-Plattform „Just in Hamburg“

Entwickelt „Just in Hamburg“ im Rahmen einer Content-Marketing-Strategie: Morgenpost-Geschäftsführerin Susan Molzow
Entwickelt "Just in Hamburg" im Rahmen einer Content-Marketing-Strategie: Morgenpost-Geschäftsführerin Susan Molzow

Die Hamburger Morgenpost arbeitet auf der Suche nach Anzeigenkunden an einer neuen Event-Plattform. Die Idee und Konzept von "Just in Hamburg" klingen verdächtig nach einer bereits bestehenden Website. "Just in Hamburg" wirkt wie ein Abklatsch von "Heute in Hamburg". Das Start-up wurde erst kürzlich vor dem Aus gerettet.

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Die Einwohner Hamburgs bekommen einen neuen „ständigen Begleiter in der schönsten Stadt der Welt“: „Just in Hamburg“ heißt die neue Veranstaltungsplattform, die Menschen dabei helfen will, neue Seiten der Hansestadt zu entdecken. „Von Gastro-Empfehlungen über Ausflugsmöglichkeiten bis hin zu tagesaktuellen Sonderaktionen, wissen wir, was wann wo passiert“, wirbt das neue Portal für sich selbst.

Hinter „Just in Hamburg“ steckt die Hamburger Morgenpost. Drei Redaktionsmitglieder, bestehend aus studentischen Hilfskräften, bauen die Plattform nach Informationen von MEEDIA derzeit auf. Sechs Tipps soll das Portal jeden Tag geben – im Optimalfall haben die gastronomischen Betriebe und Veranstalter dafür bezahlt. Denn das ist das Geschäftsmodell von „Just in Hamburg“, das im Rahmen der Content-Marketing-Strategie von Mopo-Geschäftsführerin Susan Molzow entwickelt worden ist. Redaktionell verantwortlich zeichnet Matthias Linnebrügger, geschäftsführender Redakteur, dessen Stelle für Projekte wie dieses geschaffen wurde.

Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen, zwar ist die Startseite bereits mit einigen Inhalten befüllt, das Impressum allerdings ist noch weitestgehend leer. Die dazugehörige Facebook-Seite zählt erst 13 Fans.

Mit „Just in Hamburg“ einen eigenständigen Digitalauftritt neben Mopo.de aufzubauen, ergibt aus verlagsstrategischer Sicht durchaus Sinn. Rubrikenanzeigen und Veranstaltungskalender sind quasi so alt wie der Journalismus selbst. Die Mopo versucht das mittlerweile sehr schwierig gewordene Geschäft zu digitalisieren und so vor allem kleine Anzeigenkunden zurückzugewinnen. Diese können sich bei „Just in Hamburg“ Sichtbarkeit erkaufen. Mit dem neuen Produkt drängt die Morgenpost aber im Digitalen in einen Markt vor, der bereits hart umkämpft ist. Wie in anderen Großstädten haben sich auch in Hamburg zahlreiche lokale Blogs und Plattformen etabliert, deren inhaltliche wie auch geschäftliche Ausrichtung ähnlich ist. Darunter zählen Angebote wie Geheimtipp Hamburg, das Blog Mit Vergnügen Hamburg oder der Lokalableger von Foodguide.

„Heute in Hamburg“-Macher: „Haben Gemeinsamkeiten entdeckt“

Unter der Konkurrenz befindet sich auch ein Angebot, das den neuen Wettbewerber sehr genau unter die Lupe nehmen dürfte, weil nicht nur Konzept, sondern vor allem auch Layout und der Name sehr ähnlich sind: Die Macher von „Heute im Hamburg“ sind bereits seit einigen Jahren am Markt aktiv und kennen die schwierigen Bedingungen. Die Gründer hatten ihr Geschäft im Februar eigentlich schon aufgegeben, im letzten Moment wurde es aber vom Innovationslab der Hamburger Sparkasse (Haspa) gerettet. Dem Unternehmen war es nicht gelungen, über die vergangenen Jahre ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Mit dem neuen Investor ist das Team von zehn auf vier Leute geschrumpft, gemeinsam arbeite man nun an neuen Ideen der Monetarisierung, hieß es zuletzt.

Auf die neue Konkurrenz mit ähnlichem Namen reagiert man mit Neugierde. „Wir sind heute morgen über ‚Just in Hamburg‘ gestolpert und haben natürlich beim Namen, beim Konzept und auch beim Webseitenlayout ein paar Gemeinsamkeiten entdeckt“, erklärt Patrick Henke, Gründer von Heute in Hamburg, auf Nachfrage. Wir schauen uns mal an, wie sich das Angebot die nächsten Wochen entwickelt. Einfluss auf unsere Arbeit hat es nicht. Wir konzentrieren und jetzt erstmal auf die Weiterentwicklung unseres Angebotes.“

Eine Sprecherin der DuMont Mediengruppe, zu der die Hamburger Morgenpost gehört, teilte auf Nachfrage von MEEDIA lediglich mit:“‚Just in Hamburg‘ ist Teil der Content-Marketing-Strategie der Hamburger Morgenpost Medien und ist derzeit noch nicht offiziell gelauncht. Gerne können wir zu einem späteren Zeitpunkt konkret über das Projekt sprechen.“

Dass man bei der Hamburger Morgenpost über den Namen der Konkurrenz nichts wusste, ist schwer vorstellbar. Die Rettung war auch in den Hamburger Lokal-Medien ein Thema. Vor wenigen Wochen hatte die Mopo übrigens selbst eine ihr ähnliche Publikation zu erwarten. Gegen das geplante „Hamburger Morgenblatt“ war die Mopo juristisch vorgegangen. Darüber hinaus hatte man es bei der Mopo zuletzt begrüßt, dass im Digitalen die gleichnamige Dresdner Morgenpost ihren Online-Auftritt umbenannt hat. Die Marke mopo24.de wandelte man um in tag24.de.

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