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Schulz vs. Merkel: Private und öffentlich-rechtliche Sender fordern getrennte TV-Duelle

Zwei Schlagabtäusche, zwei Austragungsorte: Die Chefredakteure Rainald Becker (ARD), Michael Wulf (RTL) und Peter Frey (ZDF, v. l.) fordern getrennte TV-Duelle
Zwei Schlagabtäusche, zwei Austragungsorte: Die Chefredakteure Rainald Becker (ARD), Michael Wulf (RTL) und Peter Frey (ZDF, v. l.) fordern getrennte TV-Duelle

RTL-Chefredakteur Michael Wulf sieht in diesem Wahljahr genug Fragen für zwei TV-Duelle zwischen der Kanzlerin und ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz. "Raus aus dem Korsett für mehr Spielraum", lautet seine Forderung, die auch bei der Konkurrenz Anklang findet. Auf MEEDIA-Anfrage bestätigen sowohl ARD und ZDF als auch ProSiebenSat.1 die Pläne für Aufeinandertreffen der Kanzlerkandidaten.

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Das TV-Duell zählt zu den absoluten Highlights im Kampf um das Amt des Bundeskanzlers oder der Bundeskanzlerin. Den Politikern bietet sich die Gelegenheit, ihre Positionen einem großen Publikum zugänglich zu machen und das Programm des Gegners infrage zu stellen. Der Schlagabtausch vor laufenden Kameras ist auch bei den Sendern äußerst beliebt. Kein anderes deutsches Politik-Format erreicht so viele Zuschauer – 17,64 Millionen Zuschauer schalteten vor vier Jahren beim Duell Merkel gegen Steinbrück ein. RTL, ProSieben, Das Erste, ZDF und Phoenix übertrugen – wie jedes Jahr – gleichzeitig. Eine Notwendigkeit? Nicht nach Ansicht von RTL-Chefredakteur Michael Wulf, der im Interview mit der FAZ von Dienstag eine Neu-Konzeption fordert.

„Wir haben Zuschauer aus allen sozialen Schichten, und wir haben deutlich jüngere Zuschauer als ARD und ZDF“, so der RTL-Chef. „Uns schauen somit die meisten Erstwähler und mit Blick auf die Wahlen in diesem Jahr auch viele Unentschlossene.“ Für das diesjährige Aufeinandertreffen von Kanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Martin Schulz (SPD) will der Journalist deshalb eine bessere Verteilung, die zu einer Verdopplung der Sendezeit bei weniger Moderatoren führen könnte. „Raus aus dem Korsett für mehr Spielraum, zum Beispiel zum Nachhaken“, lautet Wulfs Forderung. „Was das TV-Duell angeht, wünschen wir uns zwei Ausgaben.“

Auf Nachfrage von MEEDIA erklärten auch die anderen Sender die Absicht, aus einem Duell zwei zu machen – ein privates und ein öffentlich-rechtliches. „Wir haben in einem gemeinsamen Schreiben sowohl dem Kanzleramt als auch dem SPD-Spitzenkandidaten offiziell den Vorschlag unterbreitet, ein von SAT.1 und RTL organisiertes TV-Duell im Vorfeld der Bundestagswahl durchzuführen und auszustrahlen“, so Hans-Peter Hagemes, Informationsdirektor von ProSiebenSat.1, gegenüber MEEDIA. Bei einem Millionenpublikum für Private ist das eine attraktive Idee, immerhin wären in einer eigenen Sendung von RTL und ProSiebenSat.1 Werbepausen zumindest denkbar.

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Auch die ARD „wünscht sich zwei TV-Duelle zwischen Angela Merkel und Martin Schulz. Und zwar ganz konkret: ein öffentlich-rechtliches im Ersten und im ZDF sowie eines bei den Privatsendern“, so ARD-Chefredakteur Rainald Becker auf Nachfrage. Ähnlich wie RTL-Chefredakteur Michael Wulf sieht Becker genug Fragen für zwei Schlagabtäusche. „An Themen mangelt es in diesem Wahlkampf wahrlich nicht.“ Außerdem habe die Vergangenheit gezeigt, „dass die Konstellation mit vier journalistischen Fragestellern und zwei Spitzenpolitikern – wie vom Kanzleramt gewünscht – unglücklich ist.“ ZDF-Chefredakteur Peter Frey ergänzt gegenüber MEEDIA: „Die Bandbreite der Themen vor der Bundestagswahl rechtfertigt zwei TV-Duelle. Dies würde auch einer breiteren Meinungsbildung der Bevölkerung zugutekommen.“

Wulf will aber auch über die Form des TV-Duells reden, wie er im FAZ-Interview sagt. „Unser Wunsch ist, die Zuschauer mit einzubeziehen. Wir wollen die Fragen unserer Zuschauer einbringen. Denn darum geht es doch: um die Fragen der Wähler an die Politik, an die Kandidaten“, so Wulf weiter. Ob und wie diese Anmerkungen umgesetzt werden, ist noch nicht klar. „Es war bisher immer so, dass die Sender mit den Wahlkampfteams der Kandidaten gemeinsam Überlegungen angestellt haben.“ Alle Sender und die Parteien würden dann nach einer gemeinsamen Lösung suchen.

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