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Netflix für Sportfans: DAZN, der neue Big-Player im Sport-Business?

DAZN: Sport und Streaming – passt das zusammen?
DAZN: Sport und Streaming – passt das zusammen?

Was’n DAZN? Diese Frage haben sich viele Sportfans gestellt, als der Streaming-Anbieter vor knapp einem halben Jahr an den Start gegangen ist. Die Antwort: Ein ernstzunehmender Konkurrent für die linearen Fernsehprogramme – und ein aggressiver Mitbewerber um attraktive Sportrechte, der das Zeug dazu hat, die gesamte Branche umzukrempeln.

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Es war eine Schlagzeile, die für Aufsehen gesorgt hat: „Neuer Streaming-Dienst DAZN steht offenbar vor Verhandlungs-Coup“. Viele Sender, darunter die Öffentlich-Rechtlichen und der Pay-TV-Kanal Sky, haben teilweise jahrelang um die Übertragungsrechte der Handball-WM 2017 in Frankreich verhandelt. Ein Erfolg hat sich nicht abgezeichnet, lediglich ein TV-Blackout. Bis plötzlich der neue Streaming-Anbieter DAZN, der erst vier Monate zuvor in Deutschland an den Start gegangen ist, bei dem Rechtepoker eingestiegen ist. Und die Karten neu gemischt hat.

Die Verhandlungen sind zwar gescheitert. Doch der Branche ist vor allem der Subtext jener Schlagzeile in Erinnerung geblieben: Für attraktive Sportrechte interessieren sich inzwischen auch Streaming-Dienste.

„Unser Anspruch ist ganz einfach“, sagt Benjamin Reininger, DAZN Marketing Director DACH, gegenüber MEEDIA. „Auf DAZN soll jeder Sportfan seinen Lieblingssport finden und so gucken können, wie er das am liebsten tut.“  Das ist eine Kampfansage an das lineare Fernsehen, die genausogut von Streaming-Gigant Netflix kommen könnte. Über 8.000 Sportevents verschiedenster Genres verspricht der neue Sport-Streamingdienst, live und auf Abruf. Auf dem Gerät der Wahl. Zu Hause oder Unterwegs. Für 9,99 Euro im Monat. Jederzeit kündbar. „Unser Angebot stieß von Anfang an auf extrem hohe Nachfrage“, sagt Reininger.

Ein Geschäftsmodell, mit dem Netflix und Amazon Prime Video bereits Millionen zahlende Kunden um sich geschart haben. „Streaming, das in anderen Bereichen der Unterhaltung schon Realität ist, wird sich auch bei Sportübertragungen durchsetzen“, ist sich Reininger sicher. Auf den ersten Blick spricht nichts dagegen: DAZN ist oftmals breiter aufgestellt, als die vermeintliche Konkurrenz im Fernsehen und hat ein rund 100 Mann starkes Redaktions-, Kommentatoren- und Produktionsteam aufgebaut. Insgesamt hat DAZN bis zu 20 Sportarten im Angebot. Neben Fußball, Handball und Tennis gehören auch vermeintliche Rand- bzw. Trendsportarten wie Darts und neuerdings auch Rugby zum Portfolio. Die Inhalte sind sogar teilweise, je nach Rechteumfang, bis Saisonende bei DAZN abrufbar.

Auf den zweiten Blick fehlen aber die wirklich dicken Fische auf dem deutschen Sportrechtemarkt. Zwar zeigt DAZN bis zu 25 Sportevents gleichzeitig live und vieles exklusiv. Doch liegen die wirklich attraktiven Medienrechte, wie die Fußball-Champions League oder der Formel 1, immer noch in anderen Händen.

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Das soll nicht lange so bleiben, glaubt man James Rushton, dem Vorstandsvorsitzenden von DAZN: „Was immer auf den Markt kommt, wir werden sehr aggressiv vorgehen“, so Rushton in einem Interview mit der Deutschen Presseagentur. „Wenn wir wirklich an den Markt glauben, müssen wir uns die großen Rechte schnappen – ob das Champions League, Formel 1 oder Ski ist.“ Finanziell könne man mit den Big Playern locker mithalten. Hinter DAZN steht die britische Perform Group, zu der weitere Sport-Digitalplattformen wie Spox.com und Goal.com gehören. Und zumindest was die Champions League betrifft, will man mit DAZN „zweifelsfrei Teil des Prozesses sein“.

Teil des Prozesses ist DAZN schon jetzt. Aktuell kooperiert der Sport-Streamingdienst etwa mit Axel Springer und zeigt die Highlight-Clips der 1. und 2. Bundesliga. Von der Saison 2017/2018 an zeigt DAZN die rund dreiminütigen Clips sogar exklusiv und bereits 40 Minuten nach Abpfiff der Partie. Und somit, mit Ausnahme der Sonntagsspiele, sogar vor der ARD-„Sportschau“. Auch Sky hat man ein Schnippchen geschlagen, indem man sich etwa die allumfassenden Rechte für internationale Fußball-Ligen wie der britischen Premier League, aber auch der italienischen Serie A und französischen Ligue 1, gesichert hat. Der Markt ist in Bewegung geraten.

Welche Rechte für DAZN interessant sind oder sein können, ins Portfolio passen und für ein langfristiges Engagement sprechen, bewertet bei DAZN das sogenannte Commercial Team. Bereits vorhandene Abrufzahlen werden hier evaluiert, mögliches Potenzial mit Hilfe von Marktforschung ausgelotet und abgewogen. Als vielversprechend stuft das Team aus München-Ismaning aktuell vor allem eine Sportart ein: Rugby. Warum? Ein Grund dafür ist auch die deutsche Nationalmannschaft, die in der WM-Qualifikation eine überraschend gute Figur macht – und die Sportart bei zunehmenden Erfolg womöglich auch dem Mainstream schmackhaft machen könnte. Die allumfassenden Rechte der NRL, der australischen Spitzenliga, hat man sich bereits gesichert. Geht es für die Deutsche Nationalmannschaft weiter bergauf, will man auch hier Partien übertragen.

Ein Pioniergeist, der sich bereits bei Darts als voller Erfolg entpuppt hat. Das WM-Herzschlagfinale zwischen Michael van Gerwen und Gary Anderson hat auch hierzulande rund 1,5 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme gelockt – der überraschende Triumph von „Mighty Mike“ war Thema in den Abendnachrichten von ARD und ZDF. Zu sehen war das Match bei Sport 1 und DAZN, die sich im Darts zahlreiche Rechte teilen. Denn auch als Partner will der Sport-Streamingdienst sein Angebot einer breiteren Masse zugänglich machen. Die Formel ist simpel: Eine höhere Reichweite schafft automatisch eine höhere Relevanz und im besten Fall ein Bedürfnis bei Sportfans, dass ihnen bis dahin vielleicht gar nicht bekannt gewesen ist. Immerhin konnten sie jene Sportart bisher nirgends sehen. Im Idealfall lockt DAZN neue Abonnenten auf die Plattform – und sorgt schlussendlich für frisches Kapital.

Ob Sportstreaming im Allgemeinen und DAZN im Besonderen jene „Transformation der Branche“ anstoßen können? „Entscheiden werden am Ende die Sportfans“, sagt Benjamin Reininger, Marketing Director DACH, gegenüber MEEDIA. Die Antwort liegt vielleicht in der Buchstabenfolge DAZN, eine Anlehnung an den englischen Ausdruck „in da Zone“: Wenn der Sport-Streamingdienst seine Fans noch weiter in die Zone führen kann, dürfte einem Erfolg nichts im Wege stehen.

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