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Paul Ronzheimers „Battle for Mossul“: Bild wagt als erstes deutsches Medium ein Experiment mit Snapchat Discover

In der Snapchat-Story „Battle for Mossul“ berichtet Bild-Mann Paul Ronzheimer mit Kollegen über die zerbombte Stadt im Irak.
In der Snapchat-Story "Battle for Mossul" berichtet Bild-Mann Paul Ronzheimer mit Kollegen über die zerbombte Stadt im Irak.

Mit einem Channel bei Snapchat Discover haben Medien theoretisch einen festen Vertriebskanal zu einer jungen Nutzerschaft. Deutsche Publisher schrecken bislang aber vor einer Zusammenarbeit mit dem US-Unternehmen zurück. Mit Bild hat nun das erste deutsche Medium experimentell eine Story im Discover-Bereich platziert – wofür man eine wichtige Bedingung zurückstellte.

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Kriegs- und Krisenreporter Paul Ronzheimer und sein Kollege Claas Weinmann sind in den Irak gereist, um aus der zerstörten Stadt Mossul zu berichten. Nicht nur aus journalistischer, auch aus Storytelling-Sicht ist der Trip etwas Besonderes. Denn Ronzheimer findet als erster Reporter eines deutschen Mediums auch im Bereich von Snapchat Discover statt.

Discover ist das innerhalb von Snapchat eingerichtete Medienangebot, in dem Medienmarken eigene Channels betreiben können. Nach dem Start mit englischsprachigen Medien sind im vergangenen Jahr französische dazugekommen. Für Medien ist Discover durchaus interessant. Die App ist vor allem in der jungen Nutzerschaft beliebt. Ein Discover-Channel bedeutet aber auch, dass Medien exklusiv für das App-Angebot produzieren müssen. Solcher Distributed Content wird in Medienhäusern viel diskutiert und unterschiedlich bewertet. Auf die eigene Plattform und damit eigene Werbeumsätze zahlt Snapchat nämlich nicht ein. Zudem arbeitet das US-Unternehmen, das kürzlich an die Börse ging, nach allem, was in Medienkreisen bislang bekannt ist, intransparent. Nutzer- und Reichweitenzahlen von Discover sind nahezu unbekannt, zudem erwies sich das US-Unternehmen in Verhandlungen über Konditionen bislang als schwieriger Partner, weshalb interessierte deutsche Medien bislang auf Distanz bleiben. Bild gehört dazu.

Mit der Story „Battle for Mossul“ hat die Boulevardmarke nun trotzdem einen Versuch gewagt. Die Reportage ist im Rahmen einer so genannten Live Story entstanden. Die Initiative dafür ergriff Bild selbst, wie Jakob Wais, Deputy Head of Social Media, erklärt. „Paul Ronzheimers Recherchereise nach Mossul hat sich aus unserer Sicht besonders für ein Storytelling bei Snapchat angeboten, weil er besondere Einblicke liefert.“ So sei man auf Snapchat zugegangen, um eine Live Story zu realisieren. Neben Ronzheimer ist auch die Al-Jazeera-English-Reporterin Stefanie Dekker zu sehen.

Für Live Storys greift Snapchat von Usern geteilte Inhalte auf und kuratiert sie zu einer eigenen Geschichte, die dann im Discover-Bereich ausgespielt wird. Das Format kommt oft bei großen Events wie dem Super Bowl oder politischen Ereignissen zum Einsatz. Unter Medienmachern wird das Treiben des Unternehmens kritisch verfolgt. Denn an dieser Stelle wird Snapchat vom Plattformbetreiber selbst zum Inhalte-Produzenten.

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Wenn nicht nur private Nutzer, sondern auch Medienhäuser – Ronzheimer veröffentlichte seine Reportage über den Snapchat-Account hellobild – als Inhalte-Lieferant dienen, geben sie auch ein Stück weit die redaktionelle Kontrolle ab – für Bild nach eigenen Angaben eigentlich ein No-Go. Digital-Chef Julian Reichelt argumentiert: „Im Fall der Live Story bei Snapchat handelt es sich um ein Experiment, bei dem wir vor allem Erfahrungen sammeln wollen. Für uns ist das wichtig, um herauszufinden, wie wertvoll Snapchat als Plattform für uns sein kann.“

Für weitere Entscheidungen – beispielsweise für einen eigenen Channel bei Discover – relevant sein wird dabei, welche Reichweiten sich mit einer bei Discover publizierten Geschichte erreichen lassen. Genaue Zahlen dazu habe man derzeit noch nicht vorliegen, da die Story ihre Verfallszeit von 24 Stunden (danach wird sie nach Snapchat-Manier gelöscht) noch nicht erreicht hat. Die Erwartungen an die global ausgerollte Geschichte sind aber hoch: „Wir gehen davon aus, dass wir eine deutlich siebenstellige Nutzerschaft erreichen“, so Reichelt.

Um bei Distributed Content als Absender der Inhalte identifiziert zu werden, ist die deutliche Präsenz Marke wichtig. Auf seinem eigenen Snapchat-Account hat Bild das über die vergangenen Monate bereits professionalisiert, beispielsweise durch die markante Boulevard-Typografie oder das regelmäßige Einblenden des Bild-Logos. In der „Battle for Mossul“-Reportage allerdings ging die Markenpräsenz unter. Reichelt: „In der Story wurde Paul Ronzheimer als Bild-Reporter beschrieben. Wir haben aber beispielsweise am Beispiel der UNHCR-Mitarbeiterin erkannt, dass man die Markenpräsenz beispielsweise durch Kleidung oder Ähnliches deutlich steigern kann.“

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