Nach Fahndungserfolg: WDR verpixelt das Foto des Tatverdächtigen im Kindermordfall von Herne wegen Persönlichkeitsrechten

Die „Aktuelle Stunde“ des WDR verpixelt das Foto des Tatverdächtigen von Herne nach dem Fahndungserfolg
Die "Aktuelle Stunde" des WDR verpixelt das Foto des Tatverdächtigen von Herne nach dem Fahndungserfolg

Der mutmaßliche Mörder von Herne, der im Verdacht steht einen neunjährigen Jungen erstochen zu haben, wurde gefasst. Das Gesicht des jungen Mannes wurde von der Polizei zu Fahndungszwecken genutzt und bundesweit verbreitet. Nach der Festnahme, hat sich die Redaktion der "Aktuellen Stunde" des WDR entschieden, das Foto nun wieder zu verpixeln, um die Persönlichkeitsrechte des mutmaßlichen Täters zu schützen. Stoff für eine neue Medienethik-Debatte.

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Bei Facebook begründet die Redaktion der „Aktuellen Stunde“ des WDR die Verpixelung des Fotos des Tatverdächtigen folgendermaßen: „Das Foto von Marcel H. wurde von der Polizei als Fahndungsfoto veröffentlicht. Nachdem die Fahndung jetzt beendet ist, gilt das Bild nicht mehr als Fahndungsfoto. Stattdessen hat wieder das Recht am eigenen Bild Vorrang. (D.h., das Foto einer Person darf nicht ohne Genehmigung verbreitet werden.) Dieses Recht gilt in einem Rechtsstaat für alle, auch für mutmaßliche Täter.“

Das klingt zunächst nachvollziehbar, geht aber gleichzeitig an der Realität vorbei. Das Foto von Marcel H., des Tatverdächtigen, wurde in zig Presse- und Online-Veröffentlichungen und im TV gezeigt. Die Polizei nutzte das Bild, wie auch der WDR schreibt, für Fahndungsaufrufe auch im Internet. Das Bild nun nachträglich wieder zu verpixeln, wirkt ein wenig so wie das berühmte Bild, dass man die Zahnpaste zurück in die Tube quetschen will. Das geht bekanntlich nicht. Auch das Bild ist in der Welt, es lässt sich nicht wieder einfangen.

Theoretisch müsste man ansonsten nun nachträglich alle bereits veröffentlichten Bilder verpixeln oder aus dem Netz nehmen. Aber auch das wäre sinnlos, das Bild würde trotzdem weiter existieren und verbreitet werden. Vermutlich würde eine solche Aktion den Effekt hervorrufen, dass Privatpersonen das Bild selbstständig weiterverbreiten, um einer als Zensur empfundenen Maßnahme der Medien entgegenzuwirken.

Die Praxis, nach einem Fahndungserfolg die Bilder von mutmaßlichen Tätern erneut zu verpixeln ist indes nicht unüblich. Auch in früheren Fällen haben Medien dies schon so gehandhabt. Das Vorgehen ist dabei meist nicht einheitlich, einige Medien verpixeln die Fotos nachträglich, andere nicht.

Dass die Veröffentlichung des Fotos während der Fahndung in Ordnung war, ist unstrittig. Auch im Pressekodex heißt es unter Ziffer 8.1, dass ein Fahndungsersuchen der Ermittlungsbehörden ein öffentliches Interesse begründet, das die  schutzwürdigen Interessen einer betroffenen Person überwiegt. Wie mit den Bild-Veröffentlichungen nach dem Fahndunserfolg umzugehen ist, darüber lässt sich sich der Kodex nicht aus. Hier zeigt aber die Erfahrung, dass die nachträgliches „Heilung“ einer solchen begründeten Verletzung von Persönlichkeitsrechten schlicht nicht möglich ist.

Update: Auch die Ruhr-Nachrichten verpixeln das Foto.

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Alle Kommentare

  1. Wo ist eine „Medienethik-Debatte“? Ich lese nur einen dummen Kommentar hier. Auch z.B. die „Welt“ verpixelt wieder. Und das ist auch vollkommen korrekt so. Es gibt also doch noch Medien, die sich an die Gesetzgebung halten. Auch in Vor-Internet-Zeiten konnte man sich seine BLOED mit einem unverpixelten Fahndungsfoto aufbewahren und sich dann einen drauf runterholen, daß man es noch besitzt. So what?

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