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Große Mehrheit der Deutschen ist überzeugt: Fake News könnten Wahlen beeinflussen

Uwe Hasebrink, Leiter des Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung in Hamburg, analysiert die YouGov-Ergebnisse
Uwe Hasebrink, Leiter des Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung in Hamburg, analysiert die YouGov-Ergebnisse

Seit Wochen beschäftigen sich die Medien mit dem Thema Fake News. Mit weitreichenden Folgen für die Meinungsbildung der meisten Deutschen, wie eine neue Studie von YouGov zeigt. So ist eigentlich unklar, was alles unter den Begriff fällt. Man scheint sich aber einig, dass sich gezielte Falschmeldungen in sozialen Netzwerken blitzschnell verbreiten und damit weitreichende Folgen haben könnten.

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Von Andreas Heimann, dpa

Eine große Mehrheit der Menschen in Deutschland ist überzeugt, durch Fake News könnten Wahlen beeinflusst werden. So stimmten bei einer aktuellen repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov 44 Prozent dieser Aussage „voll und ganz“ und 40 Prozent „eher“ zu (9 Prozent „eher nicht“, 2 Prozent „ganz und gar nicht“). Dass Populisten aufgrund von Fake News an Zustimmung gewinnen, glauben 40 Prozent „voll und ganz“, 37 Prozent „eher“ (10 Prozent „eher nicht“, 4 Prozent „ganz und gar nicht“).

Und ein noch größerer Anteil geht davon aus, dass Fake News dazu beitragen, dass sich Verschwörungstheorien verbreiten: 43 Prozent stimmten dieser Aussage „voll und ganz“, 40 „eher“ zu (8 Prozent „eher nicht“, 2 Prozent „ganz und gar nicht“).

Eine deutliche Mehrzahl geht davon aus, dass Fake News auch in anderer Hinsicht schlimme Folgen haben können: Dass sie zur Diskriminierung einzelner Personen führen können, sehen 58 Prozent „voll und ganz“ so, 32 Prozent stimmen dem „eher“ zu (5 Prozent „eher nicht“, 1 Prozent „ganz und gar nicht“). Dass Gruppen dadurch diskriminiert werden könnten, sehen 54 Prozent „voll und ganz“ so. 35 Prozent sind „eher“ dieser Meinung, 5 Prozent „eher nicht“ und 1 Prozent „ganz und gar nicht“.

Grundsätzlich sind Fake News, absichtlich veröffentlichte Falschinformationen, den meisten ein vertrauter Begriff: So gaben 87 Prozent der Befragten an zu wissen, was er bedeute. Prof. Uwe Hasebrink, Leiter des Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung in Hamburg, mahnt allerdings, mit solchen Daten vorsichtig umzugehen: „Dieser hohe Wert spiegelt wider, dass wir alle eine Vorstellung von Fake News haben, aber es ist hochwahrscheinlich, dass wir ganz Unterschiedliches darunter verstehen.“

Mittlerweile sei in dem Topf „Fake News“ vieles drin. „Sowohl die berechtigte Skepsis gegenüber Medien, komplexe Realität angemessen darzustellen, als auch die gezielte Falschmeldung und der Spaß-Fake, der in Social Media eine große Rolle spielt.“

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Von Zeitungen, Radio und Fernsehen glaubt nur eine Minderheit der Befragten, dass diese gezielt falsche Nachrichten veröffentlichen. So stimmten 13 Prozent dieser Aussage „voll und ganz“ und 26 Prozent „eher“ zu. 36 Prozent antworteten „eher nicht“, 16 Prozent „ganz und gar nicht“.

Deutlich anders sieht es mit dem Vertrauen in soziale Netzwerke aus: Der Aussage, dort würden Fake News verbreitet, stimmten 50 Prozent der Befragten „voll und ganz“ und 37 Prozent „eher“ zu.

„Wenn man sich vorstellt, dass es ein Hauptanliegen von Journalismus ist zu verhindern, dass sich Fake News verbreiten, dann ist das schon  eine ziemliche Watsche, wenn 13 Prozent ‚voll und ganz‘ zustimmen, dass traditionelle Medien daran beteiligt sind“, sagte Prof. Hasebrink. „Aber es stimmt, dass es da schon noch einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden Kategorien gibt. Ein Großteil der Menschen in Deutschland weiß Journalismus zu schätzen.“

Daran änderten auch die jüngsten Entwicklungen nichts, sagte Hasebrink. „Man mag sich ärgern über als tendenziös oder einseitig empfundene Beiträge, die meisten Menschen haben aber mindestens ein journalistisches Medium, dem sie vertrauen und das sie entsprechend nutzen – und von dem sei andere Leistungen erwarten als von sozialen Medien.“

Bei der Frage, inwieweit Vertrauen in Medien verloren gehe, seien die Ergebnisse verschiedener Erhebungen widersprüchlich. „Wir hatten gerade die Studie der Uni Mainz, die zu dem Ergebnis kommt, dass die Zahl derer zunimmt, die Medien misstrauen, aber auch die Zahl derer, die Vertrauen haben“, sagte Hasebrink. „Die Einstellungen werden also extremer. Es gibt die, die sagen, die Medien schreibe ich ab. Während die anderen sagen, gemessen an dem, was in sozialen Medien rumgeistert, ist das, was in journalistischen Medien steht, das einzige, woran ich mich noch orientieren kann.“

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Alle Kommentare

  1. Auf ähnliche Zahlen könnte man womöglich kommen ob man den Teilen vom Privaten Automarkt vertraut oder glaubt, das teure Teile von der Vertrags-Werkstatt absichtlich nach der Gewährleistungszeit (6 Monate, 24 Monate) kaputt gehen.
    Kurzum: Die Leute wissen, das bei Facebook jeder schreiben kann und erwarten von Bezahlpresse/Berufspresse Überprüfung, glaubwürdige Quellen und angemessene Qualität.

    Und bei knappen Wahlergebnissen entscheidet halt die Tagesform wie beim Fußball.
    Und wer sich an leere Politiker-Versprechen erinnert und heute die Zeche bezahlen muss, dem sind Fake-News oft wohl auch egal. Wenn man den Politikern nicht glaubt, sollten die mal auflisten, welchen Vorteil sie dem Volk erbracht haben… Wir warten…: Asbest, Waldsterben, neuer Markt, „Die Rente ist Sicher“, Schrott-Immobilien, Ost-Immobilien, Landesbanken, Banking-Krise, Autofirmen-Rettung, Krise des angeblich sicheren Euro…, Mietpreisbindung klappt wohl nicht bei möblierten Wohnungen, Flughafen Berlin, Schürmann-Bau, Großklinikum Aachen,… usw.

    Das die Leute älter werden hat den Nachteil, das sie sich an die lebenslangen Lügen und falschen Versprechen erinnern können und wissen, inwieweit man Medien, Managern und Politikern trauen kann. Leider lehren sie das ihre eigenen Kinder und Enkel nicht wirksam.

    Fakenews haben also die Schill-Partei in die Landes-Regierung gebracht oder auch schon die Mauer gestürzt oder die FDP aus dem letzten Bundestag gewählt ? Na also. Das ist oft wohl eher Ablenkung vom eigenen Leistungs-Defizit so wie der Brexit von manchen Boni-Mis-Managern als Ausrede für schlechte Geschäftszahlen benutzt wird. Arabischer Frühling (also Abwahl bzw. Sturz des Establishments) setzte sich in Ukraine, Trump und Brexit fort und kommt in der Rezession dann auch hier her. Abwahl tut man sich verdienen… Man könnte ja auch einfach wirksam fürs Volk arbeiten oder bei der DVB-T2-Umstellung aktiv helfen und sich nützlich machen und aus Dank gewählt werden. Wer macht mehr fürs Volk: Die freiwillige Jugendfeuerwehr wenn sie die Weihnachtsbäume einsammelt oder Politiker ?

    Das Worte wie Echtzeit, Zensur, Ertrag, Erlös, Referenzen, Spam… oder auch Fake-News häufig oder manche sogar fast immer falsch genutzt werden ist ganz üblich und liegt wohl mit auch an der Presse und dem – diesbezüglich womöglich gescheiterten – Bildungsauftrag oder Desinteresse an Verbesserung und funktionierender Demokratie.

    Seit den 70ern gehts uns wohl nicht besser und Protest-Wahl ist nahe-liegend. Auch ohne Fake-News: „Ich habe meinen Dr.Titel nicht plagiiert“ „Ich habe meinen Dr.Titel auch nicht plagiiert“ „Ich habe meinen Dr.Titel auch auch nicht plagiiert“ … „Die Mietpreisbremse wird garantiert funktionieren“…

    Cui bono ? Wem nutzt diese – eigentlich sinnvolle – Diskussion ? Lenkt das Politiker nicht vom Thema ab und bindet Medien-Ressourcen an der falschen Stelle ? Wer seitenweise Fakenews diskutiert, kritisiert auf diesen Zeitungs/Zeitschriften-Seiten natürlich nicht die Fehl-Leistungen der Parteien und Politiker. Aber die Politiker glauben ja wohl auch an Fake-News. Wirksame Wahlthemen und das Volk sind womöglich nicht so wichtig…
    „Danke“.

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