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Der langsame Abschied des Kai Diekmann von Axel Springer

Weißblau, Kai Diekmann, nicht Ryan Gosling, Amazons Witze-Apparat
Weißblau, Kai Diekmann, nicht Ryan Gosling, Amazons Witze-Apparat

Ex-Bild-Herausgeber Kai Diekmann steht seit Ende Januar nicht mehr in Diensten des Axel Springer Verlags. So haben es Medienhaus und dessen langjähriger Alphajournalist zum Jahreswechsel publik gemacht. Ganz hundertprozentig stimmt das aber nicht. Joko & Klaas schafften mit #GoslingGate einen echten Mediencoup. Gruner + Jahr nutzt die Marke Geo für Tourismus Marketing. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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Ende Januar ist Kai Diekmann als Herausgeber von Bild bei Axel Springer ausgeschieden. Oder doch nicht? Oder nur ein bisschen? Auf Diekmann trifft vielleicht der Spruch zu „niemals geht man so ganz“. Jedenfalls geht er nicht so schnell und Knall auf Fall, wie es zunächst den Eindruck machte. So hat Diekmann nach wie vor sein Büro und wie bei Springer zu erfahren ist, auch Sekretariat und Dienstwagen plus Fahrer stehen ihm weiterhin zur Verfügung. Es sei eine „Übergangsphase“ vereinbart worden, sagt er auf Nachfrage. Wie lange diese dauern wird, und ob die Großzügigkeit des ehemaligen Dienstherrn, wie gemunkelt wird, durch einen umfangreichen und länger währenden Konkurrenzausschluss erkauft wurde – darüber schweigen auf Nachfrage beide Seiten. Laut Diekmann sind noch einige Projekte abzuschließen. Welche das sind? Auch das wird sich zeigen. Das große Interview mit US-Präsident Donald Trump war dann womöglich doch noch nicht Diekmanns letzter Coup für die Bild. Wobei sowohl Diekmann als auch dem Verlag vermutlich daran gelegen sein dürfte, dass die Ermittlungen wegen des Vorwurfs sexueller Belästigung gegen ihn abgeschlossen sind, bevor Diekmann für Springer noch einmal öffentlich in Erscheinung tritt.

Der Mediencoup der Woche – mindestens – war die Verlade der „Goldenen Kamera“ durch das Team von „Circus Halligalli“ rund um Joko & Klaas. Der Streich machte auch für das breite Publikum offensichtlich, was für eine Farce diese Preisverleihungen hierzulande fast alle sind (seriöse Preise wie Grimme natürlich ausgenommen). Da werden Kategorien nach Belieben erfunden, die Preise werden nach Verfügbarkeit freigiebig verteilt. Eine wirkliche „Jury“ gibt es in den seltensten Fällen. Auch wenn das in der Branche niemanden überraschen dürfte, war es doch verdienstvoll, das derartig offensichtlich zu machen. Der Prank war auch ein Beleg für die völlig unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen bei solchen Shows. Das zeigte auch der etwas ältere, ganz ähnlich angelegte, Streich des tschechischen Fernsehens, bei dem ein falscher Jim Carrey auf die Bühne einer Galashow geschmuggelt wurde. Der falsche Carrey feuerte auf der Bühne live im TV eine Konfetti-Kanone ab. Die Macher solcher Shows sollten wirklich an ihren Sicherheitsvorkehrungen arbeiten. Peinlichkeit am Rande war, dass der Showleiter der „Goldenen Kamera“, Thomas Hermanns, hinter der Bühne direkt neben dem falschen Ryan Gosling hockte und diesen keines Blickes würdigte. Er konnte ja nicht wissen, dass es ein Fake-Gosling war. Ignoranz? Die Angespanntheit einer Live-Show? Oder war Hermanns bewusst geworden, dass das mit dem hochnotpeinlichen Stampf-Tanz von Annette Frier und Matthias Matschke doch keine so supergute Idee gewesen war und er wollte eigentlich in einem Erdloch versinken? Letzteres wäre zumindest verständlich.

Schon schön dieses Bayern. Weißblau der Himmel und die Fahnen der CSU. Weiß die Wurst und blau der See. Und für fünf Euro gibt es diese Herrlichkeiten nun auch am Kiosk in dem Magazin „Weißblau“, dem „Urlaubsmagazin für Bayern“ von Geo Saison. Die Gruner + Jahr-Zeitschrift bringt das Hefterl zusammen mit der Bayern Tourismus Marketing GmbH heraus. Aber – keine Sorgen – alles natürlich total redaktionell unabhängig, wie die Pressemitteilung treuherzig versichert. Das wirft ein paar Fragen auf: Warum macht Gruner so ein Werbe-Heft nicht gleich in der hauseigenen Content Marketing Firma Territory, wozu hat man die schließlich? Wieso will man für Tourismus-Marketing noch Geld vom Leser? Und hat jemand darüber nachgedacht, was das auf Dauer mit der Marke Geo macht? Teile der Antworten könnten Sie eventuell verunsichern. Schönen Gruß an dieser Stelle auch an die einstmals große Zeitschriftenmarke Merian.

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Haben Sie sich auch in manch einer stillen Stunde mal gefragt, womit die Heerscharen der arbeitslos gewordenen Gagschreiber der eingestellten „Harald Schmidt Show“ heute ihr Geld verdienen? Die werden ja wohl kaum alle bei der „heute show“ untergekommen sein. Diese Woche fand ich die ebenso erschütternde wie erheiternde Antwort in einem Tweet:

Als Gag-Autor einer Amazon-Software das Witze-Erzählen beibringen. Die schöne neue Medienwelt schafft Berufsbilder, von denen unsere Mütter und Väter nicht zu träumen wagten.

Ihnen ein wunderbares Wochenende!

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