1,3 Milliarden Umsatz, 5,6 Millionen Fehlbetrag: So lief Funkes erstes Jahr nach dem Springer-Deal

Funke-Topmanager Manfred Braun (li.), Michael Müller: „Erwartungen insgesamt übertroffen“
Funke-Topmanager Manfred Braun (li.), Michael Müller: "Erwartungen insgesamt übertroffen"

2015 konnte die Funke Mediengruppe die von Axel Springer übernommenen Zeitungs- und Zeitschriften-Titel erstmals vollständig in der Bilanz berücksichtigen. Aus dem nun veröffentlichten Geschäftsbericht geht hervor: Die Übernahmen haben großes Umsatzwachstum gebracht, auch das EBITDA legte zu. Unterm Strich schrieb der Essener Konzern aber ein Minus von 5,6 Millionen Euro.

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„Die Erwartungen aus der Prognose sind insgesamt übertroffen worden, so dass die Funke Mediengruppe mit dem Geschäftsverlauf 2015 sehr zufrieden sein kann“, heißt es im Konzernbericht für das vorvergangene Geschäftsjahr, den der Essener Verlagskonzern in dieser Woche im Bundesanzeiger veröffentlicht hat.

2015 war das erste Jahr, in dem die Funke-Gruppe die Mitte 2014 von Axel Springer übernommenen Zeitungen (u.a. Hamburger Abendblatt, Berliner Morgenpost) und Zeitschriften (u.a. Hörzu) vollständig in ihrer Bilanz berücksichtigen konnte. Niedergeschlagen hat sich das vor allem im Umsatzwachstum sowie dem Ebitda. Der Gesamtumsatz des Verlagshauses kletterte im Vergleich zum Vorjahr noch einmal erheblich um 139 Millionen Euro auf insgesamt 1,322 Milliarden Euro – ein Plus von 11,8 Prozent. Als Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) blieben 196,6 Millionen Euro stehen (plus 19,1 Prozent). Seine Erwartungen habe man nicht nur erfüllt, sondern übertroffen, lobt sich der Konzern selbst.

Die Übernahme brachte in der Bilanz vor allem erhebliche Umsatzzuwächse in den Regionen Hamburg und Berlin. In den Geschäftsgebieten sind die Erlöse um 40,2 Prozent gestiegen. Wie sich die Umsätze in den Märkten entwickelt haben, weist Funke nicht aus und wollte das Unternehmen auf Nachfrage auch nicht erläutern.

Mit 617,4 Millionen Euro ist das Zeitungsgeschäft weiterhin wichtigste Erlössäule des Konzerns (61 Prozent des Gesamtumsatzes). Wenig verwunderlich steht es aber weiter unter Druck. Im Heimatmarkt Nordrhein-Westfalen, wo die WAZ erscheint, ist der Umsatz um 3,6 Prozent zurückgegangen. Weitere Umsatzverluste habe man durch niedrigere Herstellungskosten teilweise kompensieren können heißt es.

Mit dem Springer-Deal hat sich die Funke Mediengruppe auch eine neue Relevanz im Zeitschriftenmarkt erkauft. Mit der Erweiterung des Portfolios um Titel wie Hörzu oder Bild der Frau wies Funke einen Umsatz von 389,3 Millionen Euro aus. Die Anzeigenblätter brachten 172,2 Millionen Euro ein

2015 kaum verändert hat sich der Geschäftsbereich Digitales. Mit einem Umsatz von 39,3 Millionen Euro ist dieser nahezu stabil geblieben. Funke begann erst im vergangenen Jahr mit einer Digitaloffensive im publizistischen Bereich, gründete beispielsweise neue Portale oder akquirierte die als Viralschleuder bekannte Plattform Heftig.co. Darüber hinaus schlug Funke den Springer-Weg ein und investierte 2014 in Rubrikenmärkte wie beispielsweise Job-Plattformen.

Personal- und Konsolidierungskosten massiv gestiegen

Auf das Ergebnis mit einem Konzernergebnis von noch 16,6 Millionen Euro, das mach Gewinnabführungen ins negative, nämlich auf einen Konzernfehlbetrag von 5,6 Millionen und anschließend auf einen Konzernverlust von 8,6 Millionen Euro, rutscht, haben vor allem Konsolidierungskosten gedrückt, die auch aus dem Deal mit dem Axel Springer Verlag entstanden sind. Darüber hinaus stiegen Kosten für Personalaufwendungen, was zum einen an der Einführung des Mindestlohns wie auch an Kosten für Personalabwicklungen gelegen hat. Insgesamt stiegen die Kosten des ohnehin größten Aufwand-Postens um knapp 40 Millionen Euro auf 454 Millionen Euro (plus 10 Prozent). Massiv, um 65 Millionen Euro, gestiegen sind auch die sonstigen betrieblichen Aufwendungen, die sich 2015 auf 400,9 Millionen Euro beliefen (plus 19,4 Prozent). Dazu heißt es: „Das in 2015 eingeleitete Harmonisierungs- und Neuausrichtungsprojekt, welches die Neuausrichtung von standortorientierten zu funktionsorientierten Strukturen und Prozessen bewirken soll, wird in 2016 umgesetzt. Der daraus resultierende Restrukturierungsaufwand wurde bereits im Geschäftsjahr 2015 überwiegend berücksichtigt.“

Prognose: Funke rechnet 2016 mit geringeren Erlösen

In seinem Geschäftsbericht geht der Konzern auch auf Risiken und Chancen für das Operativ-Geschäft ein. So werden als Risiken unter anderem der Mindestlohn für Zusteller genannt wie auch die Entwicklung des Papierkreises. Tendenziell weniger Sorgen machen dürfte man sich über politische Unwägbarkeiten. Aus dem Geschäftsgebiet in Ungarn, wo die Regierung medienpolitisch gegen ausländische Konzerne vorgeht, zieht sich Funke immer weiter zurück.

Chancen sieht man zum einen in der Arbeit an einem Leistungsschutzrecht für Verlage sowie in weiteren Synergieeffekten, beispielsweise durch die Funke Zentralredaktion in Berlin. Diese führe „zu Kosteneinsparungen bei gleichzeitiger Erhöhung der redaktionellen Qualität“, heißt es.

Für das Geschäftsjahr 2016, das bereits abgeschlossen ist, dessen Bericht aber erst im kommenden Jahr erscheint, prognostiziert der Essener Konzern bei den Zeitschriften einen konstanten Umsatz, der allerdings auf Kompensation durch neue Zeitschriftentitel beruht, sprich: eine Erweiterung des Portfolios durch Line Extensions oder neue Printmarken erforderlich macht. Beitragen sollen auch neue digitale Projekte. Im Digital-Bereich rechnet man mit einer Verdoppelung der Erlöse. Insgesamt aber erwartet man einen Umsatzrückgang „im unteren einstelligen Prozentbereich“. Die Verschlechterung resultiere „im Wesentlichen aus verringerten Vertriebs- und Werbeumsätzen der deutschen Tageszeitungen“.

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