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Zeitungsverleger geben AdBlockern eine Mitschuld an Brexit und Trump-Wahl

Christian DuMont Schütte, Vorsitzender des Zeitungsverlegerverbands NRW: Sind AdBlocker Mit-Schuld an der Wahl Donald Trumps?
Christian DuMont Schütte, Vorsitzender des Zeitungsverlegerverbands NRW: Sind AdBlocker Mit-Schuld an der Wahl Donald Trumps?

Die Piratenpartei im Landtag von Nordrhein-Westfalen will ein gesetzliches Verbot von Ad Blocker Software verhindern. Hierzu fand am gestrigen Dienstag im Landtag von von NRW eine Anhörung statt, zu der auch der Zeitungsverleger Verband eine Stellungnahme vorbereitet hatte. In dem Papier drängen die Verleger auf ein Verbot der AdBlocker-Software, der sie eine Mitschuld an Brexit und Trump-Wahl geben.

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Wenn AdBlocker wie bisher eingesetzt werden, würden „kleinere, für die Meinungsvielfalt wesentliche Anbieter mittelfristig vom Markt verdrängt und nur wenige meinungsbildende Qualitätsmedien können mittels einer hohen Bezahlschranke überleben“, heißt es im Positionspapier der Zeitungsverleger. Die Meinungsbildung für die breite Masse erfolge dann „durch Blogger ohne journalistische Standards und soziale Netzwerke.“ Erste Auswirkungen eines solchen Trends würden sich sich in den letzten Wahlen in Großbritannien und den USA besichtigen lassen. Gemeint sind damit offenkundig die Volksabstimmung in Großbritannien für den Brexit und die US-Präsidentschaftswahl, die von Donald Trump gewonnen wurde.

Bei Golem.de weist man zurecht auf die Widersprüchlichkeit einer solchen Argumentation hin. So wurde der Brexit in Großbritannien gerade auch von traditionellen Massenmedien wie der Sun oder der Daily Mail unterstützt, die ihre Online-Auftritte durch Werbung finanzieren. Und in der US-Präsidentschaftswahl sorgten Fake-News-Seiten aus dem Ausland für Aufsehen, die ausschließlich gegründet wurden, um Online-Werbegelder abzugreifen. Dass es zumindest in Deutschland auch noch einen breit finanzierten öffentlichen Rundfunk gibt, der werbefreie Online-Nachrichtenangebote vorhält, wird bei der Argumentation der Verleger ebenfalls außer Acht gelassen.

Schlüssiger ist da schon das Argument, dass Werbung per Definition integraler Bestandteil eines Medienangebots ist: „Anzeigen sind aber auch als genuin kommunikativer Inhalt von der Pressefreiheit umfasst. Seit der Südkurier-Entscheidung des BVerfG (Urteil v. 04.04.1967, Az. 1 BvR 414/64) steht fest, dass Werbung Informationen über die kulturellen, politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse transportiert.“ Mit anderen Worten: Anzeigen sind auch Inhalte.

Zum „Schutz der Integrität redaktionell-journalistischer Telemedienangeboten“ fordern die Zeitungsverleger darum ein gesetzliches Verbot von Ad Blockern. Hierzu könnte nach Meinung des Verbands auf Länderebene der Rundfunkstaatsvertrag oder auf Bundesebene das Telemedien- oder Urhebergesetz ergänzt werden. Dass ein solches Anti-AdBlocker-Gesetz kurzfristig kommt, ist freilich nicht zu erwarten. Vor dem BGH ist noch ein Streit zwischen Axel Springer und dem AdBlocker Plus-Hersteller Eyeo anhängig, bei dem frühestens Ende 2017 eine Entscheidung erwartet wird. Mindestens dieses BGH-Urteil wird wohl noch abgewartet werden, bevor Gesetzesänderungen überhaupt erwogen werden.

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Alle Kommentare

  1. Es geht wohl um die Wahlwerbe-Budgets für die Landeswahlen in einigen Wochen(?). Meedia macht doch die Statistiken. Wenn Zeitungen seit den letzten Bundes/Landes-Wahlen vor 4-5 Jahren also 4-5*2%pro Jahr Leser-Verlust hatten, zahlen die Werbe-Bucher der Parteien auch nur noch entsprechend weniger. Der übliche Geldsegen in Wahl-Jahren wird kleiner.

    Ähnliches bei TV-Bundes-Wahl-Werbung weil man im Sommer vor der Bundeswahl überwiegend Leute per TV erreicht, welche zu Hause sitzen und TV gucken und sich keinen Urlaub leisten können. Daher haben die Sender ja ein Sommer- und Winter-Zeit-Programm. Das verschleiert vorerst auch die Verluste durch Pay-T2 weil man das womöglich erst bei der nächsten Winterzeit an den absoluten Zuschauer-Minuten und Prozent-Anteilen (Mehr ÖR, weniger WerbeTV, mehr Sky/Premiere) im November deutlich merken wird.

    Und in der Rezession werden die kleinen Anbieter eh aufgekauft. Es gab immer eine Rezession. Praktisch keiner ist vorbereitet…
    Das ist alles vielleicht Ablenkung und Durchhalteparolen an die Klein-Verlage obwohl die Wahrheit wohl „Ihr gehört eh bald den drei(?) Groß-Verlagen und werdet von Zentralredaktionen ersetzt“ lauten dürfte.
    Wenn bald vielleicht vorwiegend fast nur noch Tesla3 (oder sehr günstige Gebraucht-Verbrenner weil Verbrenner dann den Gebrauchtmarkt überschwemmen so wie damals vielleicht die Trabbis) gekauft wird, entfallen die seitenlangen Neuwagen-Auto-Werbungen in Lokal-Zeitungen und Zeitschriften und TV. Das soll Nielsen oder Meedia mal durch-rechnen. Luxus-Auto-Werbung bleibt natürlich stabil.

    Viele (auch ältere) Bekannte lesen News(Lokalnews, Weltweit, Bundesthemen) am 700-Euro-55″-UHD-1-4k-TV im Web-Browser oder per App (eher dann nur in FullHD). Wer alt genug ist, wählt womöglich eher Protest weil das Establishment eher nicht liefert aber selber ganz gut lebt.

    Und wer gesagt bekommt bzw. geschrieben liest, das AdBlocker schlecht sind und er die Partei-Werbung – womöglich per Gesetz – angucken muss, glaubt dann womöglich auch der eigenen Abo-Zeitung nicht mehr.

  2. Wer bereit ist einen solchen Unsinn zu veröffentlichen, weiß nicht mehr was Wahrheit ist, und fühlt sich auch nicht mehr an diese gebunden. Wie gestört muss der Sinn für Wahrheit bei diesen Leuten sein.

    Sind Meldungen von solchen Leuten eigentlich als „Fake News“ oder als „Hate Speech“ zu kennzeichnen.

    1. Die Lobbyisten bringen Sprüche, absolut unfassbar:

      „Durch die gerade im Wahlkampf notwendige argumentative Auseinandersetzung auch durch politische Anzeigen und die damit verbundene Erläuterung des parteipolitischen Programms wird die Entwicklung zu einem aktiven politischen Bewusstsein des Bürgers begünstigt. “

      Danke an Herrn Winterbauer, ein weiterer mutiger Artikel.

  3. selten so gelacht … und den Klimawandel kann man doch auch AdBlock zuschieben? Adblock und Co garantieren heutzutage schnelles, effizientes und sicheres Surfen – ohne geht es einfach nicht mehr.

  4. Hmmm … Zeitungsverleger NRW. Sind die eigentlich noch selbstständig, oder hat da die SPD schon die Mehrheit der Anteile erworben?

    So,so – Adblocker sind Schuld an Trump und am Brexit? Was muss man eigentlich geraucht oder gesoffen haben, um auf so einen Quatsch zu kommen – und den dann auch noch auszusprechen?

    „würden „kleinere, für die Meinungsvielfalt wesentliche Anbieter mittelfristig vom Markt verdrängt und nur wenige meinungsbildende Qualitätsmedien können mittels einer hohen Bezahlschranke überleben“
    Häh – wie viele kleine meinungsbildende Anbieter gibt es denn wirklich noch? Wenn man sich die Zeitungslandschaft ansieht, gibt es doch nur noch die großen mit ihren kleinen, unterbezahlten Lokalredaktionen, die jeweils 4 Seiten Lokalnachrichten und Lokalsport bearbeiten dürfen, während die restlichen 16 Seiten Zeitung von der Zentrale kommen.

    Und 4 von den 16 Seiten bestehen aus dem unkommentierten, unbearbeiteten Übernehmen von Texten der großen Nachrichtenverbreiter.

    „in gesetzliches Verbot von Ad Blockern.“
    So,so – kommt mir dann am Wochenende auch ein offizieller Beilagen-Beachtungs-Prüfer ins Haus, der darauf achtet, dass ich die Werbebeilagen nicht ungelesen ins Altpapier werfe?

    Ne,ne ihr Baummörder – ihr habt die Entwicklung verschlafen und könnt das Rad nicht mehr zurückdrehen. Überzeugen könnt ihr nur durch Qualität, denn dafür zahl ich gern.

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