Schon 10 Milliarden Dollar Börsenwert vernichtet: Der Snapchat-Crash gewinnt weiter an Dynamik

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Der Tag, als Snap an die Börse ging. Seitdem geht es nur noch bergab. © NYSE / Facebook

Die Dämme brechen: Nach einem bemerkenswerten Börsenstart ist Snap schneller als erwartet in der Realität der Wall Street angekommen. Auch am vierten Handelstag kam die hoch gewettete Snapchat-Muttergesellschaft zweistellig unter die Räder und gab weitere 10 Prozent an Wert ab. Vom Rekordhoch am vergangenen Freitag hat Snap beim Kurssturz von in der Spitze 27 Prozent nun bereits 10 Milliarden Dollar an Börsenwert eingebüßt. Analysten rechnen damit, dass weitere Kurseinbrüche folgen.

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Der Wind dreht. Für 24 Stunden konnten sich Evan Spiegel und Bobby Murphy wie die Könige der Wall Street fühlen. Zu Kursen von 17 Dollar hatte Snap am vergangenen Donnerstag seine Aktien bei zeichnungswilligen Anlegern platziert und zum Handelsstart dann doch weitaus höhere Notierungen aufrufen können.

Bis auf in der Spitze 29,44 Dollar zogen die Anteilsscheine der Snapchat-Mutter in den ersten zwei Handelstagen ab – ein spektakuläres Plus von 73 Prozent gegenüber dem Ausgabekurs, das Snap zeitweise mit enormen 40 Milliarden Dollar bewertete.

10 Milliarden Dollar Börsenwert sind so mirakulös verschwunden wie ein Snap vom Vortag

Das war Freitagabend. Nur zwei Handelstage später sind exakt 8 Dollar je Aktie abhandengekommen: Plötzlich ist der App-Anbieter mit dem Geisterlogo „nur“ noch 30 Milliarden Dollar wert. 10 Milliarden Dollar Börsenwert sind so mirakulös verschwunden wie ein Snap vom Vortag.

Nach einem Kurssturz von  12 Prozent gestern kamen heute Verluste von weiteren 10 Prozent dazu: Bei 21,44 Dollar schloss  die Snap-Aktie nicht nur auf dem tiefsten Stand seit dem Börsenlisting, sondern unterbot damit nun auch bereits deutlich die Erstnotiz vom vergangenen Donnerstag, als die Anteilsscheine des selbst ernannten „Kamera-Unternehmens“ noch bei  bei 23,77 Dollar debütierten.

Aktionäre haben sich bereits gehörig die Finger verbrannt

In anderen Worten: Wer in der Euphorie um den IPO Snap-Aktien in den ersten Tagen an der Börse einsammelte, hat sich bereits gehörig die Finger verbrannt.  „In einem Jahr wird die Aktie tiefer stehen als heute“, machte TheStreet.com-Gründer James Cramer Anlegern wegen des schwachen Nutzerwachstums bereits gestern wenig Hoffnung.

Genau deshalb hatte Konzernchef Evan Spiegel hatte mit niedrigeren Bookbuildingspanne zuvor den zuletzt stärker werdenden Bedenken vor einer zu ambitionierten Bewertung Rechnung getragen. Wie aus dem aktualisierten Börsenprospekt Anfang Februar hervorging, konnte die beliebte Stories-App per Ende vergangenen Jahres 161 Millionen täglich aktive Nutzer verbuchen und die Mitgliederzahlen binnen eines Jahres um immerhin 46 Prozent steigern. Allerdings hat Rivale Instagram mit seinem Stories-Klon nach Nutzerzahlen inzwischen damit aufgeschlossen.

Zudem sorgen sich Analysten und Investoren über die explodierenden Kosten. Die Erlöse des beliebten Messenger-App-Anbieters schossen im vergangenen Geschäftsjahr um 590 Prozent auf 405 Millionen Dollar empor und übertrafen damit die letzten Schätzungen. Ebenfalls vergrößert haben sich jedoch die Verluste, die in ungesundem Maße von 373 auf 514 Millionen Dollar angestiegen sind – Snap verbrennt also aktuell mehr Geld als es umsetzt.

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