„Schulz & Böhmermann“ melden sich bei ZDFneo zurück: Was Äpfel und Birnen mit Sexismus zu tun haben

Die Runde bei „Schulz & Böhmermann“: Schorsch Kamerun, Olli Schulz, Ben Tewaag, Laura Himmelreich, Jan Böhmermann, Ralf Pohl (v. l.)
Die Runde bei "Schulz & Böhmermann": Schorsch Kamerun, Olli Schulz, Ben Tewaag, Laura Himmelreich, Jan Böhmermann, Ralf Pohl (v. l.)

Man soll Äpfel nicht mit Birnen vergleichen – ein geflügeltes Wort und offenbar eine Mahnung, der eine ungeahnte Sprengkraft innewohnt. Der Staffelauftakt von "Schulz & Böhmermann" (ZDFneo) ist ins Chaos abgedriftet, als jener Vergleich angestellt wurde. Und hat damit einmal mehr den Fluch und Segen des Sendungskonzeptes unterstrichen: als genialischer Talk, der jederzeit scheitern kann.

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Das Konzept von „Schulz & Böhmermann“ (es gibt eigentlich kein Konzept) erlaubt nur zwei Szenarien: Entweder die Sendung gelingt und wird zu einem zwanglosen wie unterhaltsamen Hintergrundgespräch in aller Öffentlichkeit. Oder sie scheitert und wird im besten Fall zu einem willkürlichen Streitgespräch – so geschehen am Sonntag, als die etwas andere Talkshow mit Olli Schulz und Jan Böhmermann ins Jahr 2017 gestartet ist.

Die Gäste: Ben Tewaag (Beruf: Sohn von Uschi Glas, aber auch Schauspieler), Laura Himmelreich (Chefredakteurin Vice Deutschland), Schorsch Kamerun (Gründungsmitglied der Punkband Die goldenen Zitronen, Autor und Clubbetreiber) und Rolf Pohl (Sozialpsychologe). Das Thema: hat sich nach einem Backstagegespräch zwischen Schulz und Tewaag ergeben. Der Aufreger: Äpfel und Birnen, für Schulz’ zwei „unterschätzte Früchte“ und im Ernährungsplan unabdingbar – ein Gespräch, an dem Tewaag die Verweichlichung des Mannes festmacht.

Es sind Momente wie diese, die den Talk bei „Schulz & Böhmermann“ so unberechenbar und unbedingt sehenswert machen. Vorausgesetzt, sie driften nicht in Willkür ab: Von Äpfel und Birnen und der Verweichlichung des Mannes und alltäglichen Sexismus und abgehangenen Geschlechterbilder und einem kurzen Schwenk zur neuen Rechten, namentlich AfD und Donald Trump, und wieder zurück – an diesem Abend wurden viele Themen angerissen, bis auf die „diffuse“ (so Himmelreich) Sexismus-Debatte aber keines „ernsthaft“ (so Kamerun) besprochen.

Warum? Das Problem lag vielleicht derart auf der Hand, dass man erst einmal darauf kommen musste: Vier Männer und nur eine Frau sprechen über Sexismus. Die Konstellation war also mindestens unausgewogen; aus „logistischen Gründen“, wie Böhmermann sagt. „Ich finde es generell gut, wenn eine gebührenfinanzierte Sendung auf die Geschlechtergerechtigkeit achtet“, winkt Himmelreich vielleicht demonstrativ gelassen ab.

Kamerun verortet den Gesprächs-Wirrwarr ohnehin am reißerischen Zugang zu der Thematik. Ein ernsthaftes Gespräch über Sexismus anhand der Attraktivität erfolgreicher Frauen (Ben Tewaag) und „Pimmelwitzen“ (Olli Schulz) – kurz: Oberflächlichkeiten – sei da nahezu unmöglich. Der Zuschauer brauche jedoch „Pointen und spitze Thesen“, um einen Einstieg in die Sendung zu finden, meint Böhmermann. Ohne Sozialpsychologe Pohl, der die Diskussion mit einer Mixtur aus kühler Distanz zur Sache und leidenschaftlichen Appellen immer wieder erdet, wäre die Diskussion womöglich noch früher aus den Fugen geraten. Die Thematik sei ein „Multiproblemkonstrukt“, erklärt Himmelreich, und der Fingerzeig auf Missstände an und für sich schon „konfus und unterkomplex“.

Die spannendste Frage des Abends wurde also: Sieht das Konzept von „Schulz & Böhmermann“ auch Gespräche über „Multiproblemkonstrukte“ wie dieses vor – und wenn ja, ist es überhaupt ihre Aufgabe? Nach der Comeback-Sendung müsste die Antwort ein klares „Nein“ sein – wobei es gerade der Fluch und Segen von „Schulz & Böhmermann“ ist, dass auch eher semi-unterhaltsame Themen wie diese einen Platz in der Sendung finden können.

„Es war eine sehr… es war eine Runde“, witzelt Böhmermann nach sechzig Minuten. Insgesamt haben nur 160.000 Leute eingeschaltet, der Marktanteil von 1,1% lag klar unter dem Sender-Normnalniveau. Vielleicht wäre das Multiproblemkonstrukt bei „Anne Will“ oder „maybrit illner“ ja besser aufgehoben gewesen. Aber man soll Äpfel ja nicht mit Birnen vergleichen.

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Alle Kommentare

  1. Das „Chaos“ der Sendung war vor allem dem Dampf-Schwätzer Olli Schulz geschuldet, der nicht einen einzigen Gedanken geradeaus zu formulieren in der Lage ist. Es mag ja das „Konzept“ der Sendung sein, dass „zwangslos“ über bestimmte topics gesprochen wird, aber wirr und geradezu mit Schnappatmung einfach sprachlich drauf los zu ejakulieren ist nicht zwanglos sondern einfach nur dumm.

  2. „Insgesamt haben nur 160.000 Leute eingeschaltet, der Marktanteil von 1,1% lag klar unter dem Sender-Normnalniveau.“

    Könnten Sie das bitte in den Kontext einordnen? Im linearen Fernsehn lief die Sendung um 23:15 (Sonntags!). Im Internet war sie bereits um 20:15 zu sehen. Da gerade junge Leute die Zielgruppe von Böhmermann und Schulz sind und diese mit dem Internet vertraut sind, ist wohl davon auszugehen, dass insgesamt wohl wesentlich mehr Leute die Sendung gesehen haben.

    1. Freiwillig wird sich auch die Jugend um 20 Uhr den Müll nicht ansehen irgendwo zwischen dämlich dumm und primitiv

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