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Online Marketing Rockstars 2017: Gary Vaynerchuk warnt vor dem nächsten Internet-Crash – und ungenutzten Chancen

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Headliner der OMR17: Seriengründer Gary Vaynerchuk

Wahrer Rockstar-Auftritt: Seriengründer Gary Vaynerchuk, der für seine klaren Ansagen bekannt ist, verpasste den 25.000 Zuschauern auf der Internet-Konferenz Online Marketing Rockstars in Hamburg einen Weckruf. Die schöne Zeit, in der Internet-Firmen scheinbar von alleine wachsen und die Facebook-Ökonomie Wohlstand per Autopilot schafft, könnte bald vorbei sein. "Es geht keine weiteren sieben oder acht Jahre gut", prognostizierte Vaynerchuk und rief alle Internet-Unternehmer auf, die Gunst der Stunde zu nutzen.

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Es sind wieder einmal historische Zeiten. Ein fünfeinhalb Jahre altes Internet-Unternehmen, das aktuell höhere Verluste einfährt als es überhaupt umsetzt, ist aus dem Stand 34 Milliarden Dollar wert – genau das passierte nämlich gestern, als Snap an der Wall Street debütierte.

Es war keine Eintagsfliege: Heute geht Snaps ausgelassene Börsenparty mit Kursgewinnen von in der Spitze nochmals 20 Prozent weiter. Es fühlt sich an wie 1999, nur dass das Internet knapp zwei Jahrzehnte später tatsächlich die Weltwirtschaft bestimmt. Mit Apple, Alphabet. Microsoft, Amazon und Facebook kommen fünf der sechs wertvollsten Konzerne der Welt inzwischen aus dem Internet- bzw. Techsektor.

Online Marketing Rockstars: Von 800 auf 25.000 Teilnehmer

Die vom Seriengründer Philipp Westermeyer initiierte Internet-Konferenz Online Marketing Rockstars reflektiert den Goldrausch der Branche so exemplarisch wie kaum ein zweites Event in Deutschland. 2011 mit 800 Teilnehmern als Testballon in der Hamburg Media School  gestartet, strömten sechs Jahre später bereits 25.000 Besucher in die Hamburger Messehallen – das ist mehr, als in der Hamburger O2-Arena Rihanna, Jay-Z oder Drake anlock(t)en, die eigentlichen Rockstars unserer Zeit.

Das Publikum besteht längst nicht mehr aus den Marketing-Entscheidern, sondern inzwischen eher aus Social Media-Managerinnen und  (Junior-)Beraterinnen, denen die Facebook-Ökonomie ein völlig neues Berufsbild geschaffen hat, das noch zu Anfang des Jahrzehnts undenkbar schien. Es ist heute problemlos möglich, den ganzen Tag mit seinem Smartphone zu spielen, in die Kamera zu grinsen und ein paar Hashtags zu recherchieren, um damit ein anständiges Auskommen zu erzielen – der Siegeszug von Facebook, Instagram und Snapchat macht das möglich.

Gary Vaynerchuk mit Weckruf: „Der Boom wird keine weiteren sieben Jahre anhalten“

Nie war das Irgendwas-mit-Internet-Arbeitsleben leichter als in diesen Tagen. Ist es inzwischen zu leicht geworden? Davor warnt eines der bekanntesten Aushängeschilder der Onlinebranche in seinem viel beachteten halbstündigen Auftritt bei der Online Marketing Rockstars-Konferenz – der Seriengründer Gary Vaynerchuk.

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Der 41-Jährige, der dafür bekannt ist, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, rüttelte das Publikum mit einem Weckruf auf: „Der Boom wird keine weiteren sieben bis acht Jahre anhalten“, erinnerte der gebürtige Weißrusse, der im Alter von drei Jahren in die USA immigrierte, an den letzten brutalen Absturz im Zuge der globalen Finanzkrise 2008/09, an den sich viele Teilnehmer der Konferenz gar nicht erinnern, weil sie ihn noch nicht miterlebt haben.

„Wir leben in der großartigsten Ära aller Zeiten“

Seit tatsächlich acht Jahren wächst die Weltwirtschaft nunmehr – acht goldene Jahre, in denen sich Facebook vom Hoffnungsträger zu einem der fünf wertvollsten Konzerne entwickelt hat und Instagram, WhatsApp und Snapchat aus dem Nichts kamen und heute selbst mittelhohe zweistellige Milliarden-Bewertungen ausrufen. In anderen Worten: „Dies ist die beste aller Zeiten“, erklärte der CEO von VaynerMedia.

„Wir leben in der großartigsten Ära aller Zeiten. Unsere Großeltern konnten davon nur träumen. Heute kann man einen 9-to-5-Job machen und danach zu Hause sein eigenes Internet-Business aufbauen. Man muss es nur machen!“ trichterte Vaynerchuk den Zuhörern ein.

Große Möchtegern-Kultur in der Internet-Branche:  „Jeder will ein Architekt sein, niemand ein Klempner“

Genau an dieser Stelle sieht der omnipräsente Seriengründer, der auch in der Jury von Apples Reality TV-Show „Planet of the Apps“ sitzt,  das Problem der Stunde: Er gibt zu viele Möchtegerns statt Unternehmertypen, die bereit sind, 15 Stunden am  Tag für ihre Idee zu brennen. „Es gibt eine gigantische Trennung zwischen Ambitionen und Taten, eine Loslösung von der Wirklichkeit“, setzte Vaynerchuk zu einer seiner berüchtigten Rants ab.

„Werdet praktisch! Weniger Gerede, mehr Action!“, fordert Vaynerchuk. Dank gezielter (Werbe-) Ansprache über Facebook und Instagram sei es so einfach wie nie ein Publikum aufzubauen. Nur dürfe dafür die handwerkliche Arbeit nicht vernachlässigt werden. „Jeder will ein Architekt sein, niemand ein Klempner“, kritisiert Vaynerchuk.

Wie bei jedem Goldrausch wird das am Ende zum Katzenjammer führen, wie vor allem in langen Dürreperioden nach dem Platzen der Internetblase Anfang 2000 zu beobachten. Der nächste Crash kommt bestimmt – auch wenn das in der Partystimmung der Online Marketing Rockstars-Konferenz kaum jemand glauben will.

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