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„Handlanger“ oder „Auftragsmörder“ der PKK? Verwirrung um Yücel-Schlagzeile der türkischen Zeitung Star

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Zahlreiche deutsche Medien überschlagen sich: "Kein Journalist – PKK-Auftragsmörder" soll die türkische Zeitung Star über den inhaftierten Welt-Korrespondenten Deniz Yücel getitelt haben. Dabei ist die Übersetzung der türkischen Formulierung ins Deutsche nicht einfach und womöglich irreführend – vor allem, wenn man die Schlagzeile im Kontext betrachtet: Es könnte auch "Handlanger" gemeint sein.

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„PKK Tetikcisi“ – so lautet die Schlagzeile auf der Titelseite der türkischen Zeitung Star, die am Donnerstag erschienen ist. Neben ihr ist ein Foto des inhaftierten Welt-Korrespondenten Deniz Yücel abgedruckt. Ins deutsche übersetzt bedeutet die Zeile: „PKK-Auftragsmörder“ – so zumindest schreibt es die Deutsche Presseagentur (dpa) in einem Bericht, den zahlreiche Medien, darunter die FAZn-tv und auch Yücels Arbeitgeber Welt, übernommen haben. Die Zeitung Star ist ein bissiges Boulevardblatt, das der Regierungspartei AKP nahe steht. Die Übersetzung der dpa ist umstritten.

Der Begriff „Tetikcisi“ lässt sich nur schwer ins Deutsche transkribieren und bedeutet frei übersetzt: „Jemand, der einen Abzug betätigt“, „der, der etwas ermöglicht oder auslöst“, „Handlanger“ oder „Erfüllungsgehilfe“. „Auftragsmörder“ eher nicht. Im Text der dpa heißt es dazu:

Nach der Definition der Gesellschaft für türkische Sprache bezeichnet das Wort „tetikici“ einen Auftragsmörder, es kann sinngemäß aber auch als Marionette verstanden werden.

Von Auftragsmörder bis Marionette – das ist kein schmaler Grat. Der Vorspann sowie zwei Absätze des Star-Artikels liefern etwas mehr Kontext: „Deniz Yücel, Korrespondent von Die Welt, das Symbol der Anti-Türkei-Propaganda in Deutschland, hat 54 Berichte im Jahr geschrieben. In allen Berichten ist die Türkei Mörder und die PKKler sind zivil“ (frei übersetzt). Darunter finden sich zwei Absätze. Der erste trägt die Überschrift: „Jedes Wort ein Dienst am Terror“. Der zweite: „Er hat den Staatspräsidenten beleidigt“.

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Worte, die zu den Anschuldigungen gegenüber Yücel passen. Ihm werden „Propaganda für eine terroristische Vereinigung und Aufwiegelung der Bevölkerung“ vorgeworfen. Die Reaktionen deutscher Medien auf die Schlagzeile waren dementsprechend laut – zumal die Berichterstattung des Star von mehreren regierungsnahen Medien (u.a. Yeni Akit und Sabah) in ihren Online-Auftritten wortgleich übernommen wurde.

Ein Blick ins Blatt lässt noch mehr darauf schließen, dass Yücel vom Star in erster Linie als Instrument, Strippenzieher  oder eben als „Handlanger“ der PKK dargestellt wird. So druckt die Zeitung auch ein Foto Yücels, das ihn angeblich als Redner auf einer PKK-Veranstaltung in Deutschland zeige.

Allerdings: Wie Hasnain Kazim, ehemaliger Türkei-Korrespondent der Spiegel-Medien klarstellt, stammt das Bild von keiner Parteiveranstaltung, sondern von einem „Hate Poetry“-Event – eine nach eigenen Angaben „antirassistische“ Veranstaltung , bei der deutsche Journalisten mit Migrationshintergrund erhaltene Hetzbriefe vorlesen. Auf dem Bild zu sehen ist Yücel mit einer Flagge, die Abdullah Ocalan zeigt. Dies sei Teil der satirischen Inszenierung, so Kazim. Yücel hat die Reihe Hate Poetry mitgegründet.

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