Anzeige

Uni-Studie stellt Zukunftsmodell in Frage: „Digitalkioske kannibalisieren Verlagsangebote“

Wissenschaftler der Universität Hamburg haben schlechte Nachrichten für viele Medienhäuser und ihrer Suche nach funktionierenden Online-Bezahlmodellen. Eine neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Digitale Kioske wie Blendle oder Pocketstory, kaum neue Leser überzeugen, sondern eher für einen Abonnentenschwund bei den kostenpflichtigen Verlagsangeboten im Netz sorgen.

Anzeige
Anzeige

In der Studie „Competing with Free: Flatrates in the Publishing Industry“ untersucht Professor Michel Clement vom Institut für Marketing und Medien erstmals, wie Kundinnen und Kunden auf verschiedene Preismodelle wie  Bezahlen pro Artikel reagieren.

Dabei fanden die Wissenschaftler grundsätzlich schon einmal heraus, dass die Mehrzahl der 1.923 befragten Personen Online-Kiosken positiv gegenüber stehen würden. Viele der zahlenden Leser würden bereits ihre kostenpflichtige Bezugsquelle für journalistische Inhalte wechseln. Allerdings: „Apps wie Blendle oder pocketstory kannibalisieren so die traditionellen Bezahlangebote der Verlage, da die Verlage keine neuen Bezahlerinnen und Bezahler gewinnen“, sagt Clement.

Für viele Verlage sind das sehr schlechte Nachrichten. Denn bislang hegte die Branche gewisse Hoffnungen, dass es über den Umweg dieser Online-Plattformen gelingen könne, mehr zahlende Leser von den eigenen Inhalten zu überzeugen. Hätten die Forscher recht, würden die bereits bestehenden Kunden überwiegend umgeschichtet werden. Und das auch noch zu Lasten der Verlage, weil der Umweg über externe Dienstleister natürlich deren Umsätze schmälert.

Anzeige

Clement und sein Team erfuhren zudem, dass die erfolgreichste Preisstrategie für die Digital-Kioske in einem Flatrate-Angebot liege. „Allerdings sind die Konsumentinnen und Konsumenten sehr preissensibel“, so der Professor. Heißt: Mehr als zehn Euro pro Monat sind kaum drin. Damit hätte eine derartige Flatrate allerdings trotzdem nur das Potenzial circa sieben Prozent des Marktes zu binden. „Für Premiumfeatures wie Werbefreiheit, Personalisierungsmöglichkeiten und Offline-Nutzung würde die Zahlungsbereitschaft um circa zwei Euro und die mögliche Nachfrage auf circa 9% im Umsatzoptimum steigern“, schreiben die Hamburger.

Überhaupt machen die Wissenschaftler der Branche wenig Mut: „ Die Studie zeigt, dass es nicht gelingt, Leserinnen und Leser, die umsonst die werbefinanzierten Online-Angebote der Zeitungen nutzen, in Kundinnen und Kunden journalistischer Bezahlmodelle umzuwandeln.“ Dabei sei es unerheblich, welche Preisstrategie die App-Anbieter verfolgen: 99 Prozent des Umsatzes realisierten Leserinnen und Leser, die ohnehin schon für Online-Medien zahlten. Clement sagt klipp und klar: „Nutzerinnen und Nutzer sind im Netz gewöhnt, Zeitungs- und Zeitschriftenartikel gratis zu lesen. Es gibt schlicht zu viele kostenlose Inhalte, um Nicht-Zahler in Zahler zu verwandeln.“

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. „Nutzerinnen und Nutzer sind im Netz gewöhnt, Zeitungs- und Zeitschriftenartikel gratis zu lesen. Es gibt schlicht zu viele kostenlose Inhalte, um Nicht-Zahler in Zahler zu verwandeln.“ Das dürfte doch das eigentliche Problem sein und den Verlagen scheint es egal zu sein, dass sie ihre Inhalte gratis raushauen, in der Hoffnung auf Reichweite. Blendle hat bewiesen, dass es klappt, Nutzer erstmals zum Bezahlen für Online-Journalismus zu bewegen. Wir reden hier im Übrigen von einer komplett neuen, nicht erschlossenen Zielgruppe…

  2. Als Blendle-Nutzer der ersten Stunde mit inzwischen über 400 Käufen kann ich nur sagen: Die Studie ist ausgemachter Mumpitz!

    Blendle erschließt sehr wohl neue Käuferschichten, also neue Leser. Auf dreifache Weise:

    1) Zum einen wären ich und andere wohl nicht bereit, gleich ein Digitalabo mit beispielsweise einem Verlag aus Berlin abzuschließen, nur um etwas über den Raserprozess zu erfahren. Über Blendle haben sich Nutzer aber aus verschiedenen Berliner Medien die relevanten Beiträge zusammenstellen können.

    2) Bevor Blendle auf den Markt kam, habe ich noch nie etwa einen „Kicker“ gekauft. Jetzt aber erwerbe ich immer mal wieder Artikel aus diesem Medium und anderen, die ich noch nie gekauft habe.

    3) Ich habe schon mehrere Male nach der Durchsicht von „SPIEGEL“ oder „WELT am Sonntag“ festgestellt, dass darin so viele interessante Beiträge sind, dass der Kauf am Kiosk lohnt, und habe entsprechend gleich die ganzen Ausgaben gekauft. Die Voransicht über Blendle ist also für die Verlage auch ein äußerst hilfreiches Marketingtool.

  3. Lieber Herr Becker,

    in der Pressemeldung zu der Studie der Uni Hamburg taucht Readly nicht auf, im Text zitieren Sie Prof. Clement mit „Apps wie Blendle oder pocketstory kannibalisieren so die traditionellen Bezahlangebote der Verlage“, weshalb Sie mit der Kombination aus Titel und Bild daher suggerieren Readly kannibalisiere Verlagsangebote ist nicht nachvollziehbar. Aus welchem Aspekt der Studie schlussfolgern Sie, dass Readly Verlagsangebote kannibalisiert?

    Unabhängige Studien anderer Medien wie pv digest, die in Kooperation mit tatsächlichen Verlagspartnern Kannibalisierungseffekte durch Readly untersucht haben, kommen jedenfalls zu gänzlich anderen Ergebnissen als Sie in diesem Text wiedergeben.

    Natürlich freuen wir uns darüber, dass Sie Readly bedacht haben. Meiner Meinung nach wäre ein Bezug zu Readly an dem Punkt zu Flatrates sinnvoller gewesen als bei den Digitalkiosken. Die Studie zeigt Unterschiede zwischen Digitalkiosken und Flatrates auf, daher halte ich es für wichtig, hier klarer zu trennen und die Anbieter nicht zu vermischen.

    Herzliche Grüße
    Johannes Eversmann – Readly DE

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*