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Nach Vorwürfen im FAZ-Leitartikel: „Freiheit für Deniz“-Organisatoren verwahren sich gegen „Spielchen“

„Freiheit für Deniz!“: In einer Zeitungsanzeige solidarisiert sich die Medienwelt mit dem inhaftierten Welt-Korrespondenten – die FAZ verweigerte den Abdruck
"Freiheit für Deniz!": In einer Zeitungsanzeige solidarisiert sich die Medienwelt mit dem inhaftierten Welt-Korrespondenten – die FAZ verweigerte den Abdruck

Mit seinem Leitartikel hat FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube das Organisations-Komitee von "Freiheit für Deniz" hart kritisiert und den Initiatoren "Spielchen" vorgeworfen. Die Verantwortlichen reagieren mit einem offenen Brief und wehren sich gegen die Unterstellung, die FAZ vor der Schaltung einer Anzeige nicht kontaktiert zu haben. Den Artikel habe man "mit einiger Bedrückung zur Kenntnis genommen".

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FAZ-Herausgeber Kaube werfen die Organisatoren vor, in seinem Text den Sachverhalt „unvollständig und fehlerhaft wiedergegeben“ zu haben. Wörtlich heißt es: „Entgegen der Darstellung von Jürgen Kaube haben wir die FAZ (wie alle anderen Zeitungen, in denen wir die Anzeige für Deniz Yücel schalten wollten) am Montag morgen (10.40 Uhr) schriftlich kontaktiert. Nach ausbleibender Rückmeldung haben wir eine weitere Mail um 14.33 Uhr geschickt.“ Das sei aber noch nicht alles gewesen: „Über den erweiterten Organisatorenkreis und unter Mithilfe anderer Unterzeichner aus Herausgeber und Redaktionsleiterkreisen haben wir außerdem von Sonntagabend bis Montagnachmittag auf mehreren Ebenen versucht, telefonisch Kontakt zur FAZ aufzunehmen, um die Anzeigenschaltung (dem erhöhten Zeitdruck geschuldet) möglichst unkompliziert realisieren zu können.“

Kaube hatte behauptet, dass kein FAZ-Herausgeber von den Organisatoren über die Unterstützer-Aktion informiert worden sei. Auch habe es keine Anfrage gegeben, dass die FAZ-Oberen den Aufruf in der Anzeige mit unterzeichnen. Der Herausgeber: „Die allermeisten Redakteure der FAZ erfuhren von der Aktion erst, als sie die erschienene Anzeige sahen.“ Dem widersprechen die Initatoren: „Auf der Solidaritätsliste für Deniz Yücel finden sich viele Journalistinnen und Journalisten, die z.B. auch für die FAS tätig sind.“ Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung beschäftigt allerdings viele freie Autoren, die nicht bei der FAZ angestellt sind.

Zum Vorwurf Kaubes, dass ein Herausgeber ohne sein Wissen in die Unterschriftenliste der 300 Medienmacher geraten sei, heißt es in dem Brief: „Wahr hingegen ist, dass am Sonntagabend in einer überarbeiteten Version der Unterzeichnerliste ein Herausgeber der FAZ. fälschlicherweise in die Unterstützerliste geraten ist.“ Die Initiative erklärt das mit der Hektik der Aktion: „In den letzten 72 Stunden haben wir circa 1200 E-Mails empfangen und versendet. Eine unzureichend gekennzeichnete, eingehende E-Mail eines Unterstützers enthielt die Kontaktdaten des FAZ-Herausgebers, damit wir mit diesem persönlich und unkompliziert zwecks Anfrage der Anzeigenschaltung Kontakt aufnehmen konnten. Diese E-Mail wurde falsch zugeordnet und der Herausgeber wurde in die Liste der 305 Unterzeichner aufgenommen.“

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Von der ungefragten Aufnahme des Herausgebers sei man von der FAZ „am Montag um 16.40 Uhr schriftlich in Kenntnis“ gesetzt und um die „Entfernung des Namens aus der Unterzeichnerliste“ ersucht worden: „Dies haben wir am Montag um 16.55 Uhr schriftlich bestätigt. Die Druckvorlagen wurden daraufhin entsprechend geändert.“ Die Organisatoren sprechen von einem „bedauerlichen Fehler“. Und: „Bedauerlicherweise wollte die FAZ die ganzseitige Anzeige nicht veröffentlichen.“

Abschließend heißt es: „Wir stellen uns mit aller Entschiedenheit dem im FAZ-Leitartikel von Jürgen Kaube erweckten Eindruck entgegen, wir hätten bei der Organisation der Anzeige ‚Spielchen‘ gespielt und etwas anderes im Sinn gehabt als einen möglichst breiten, lagerübergreifenden Solidaritätsausdruck für Deniz Yücel und alle in der Türkei inhaftierten Kolleginnen und Kollegen.“

Eine Reaktion Kaubes auf die Replik des Organisations-Komitees um die Spiegel Online-Autorinnen Magarete Stokowski und Sybille Berg sowie Moderator Jan Böhmermann ist bislang nicht bekannt.

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Alle Kommentare

  1. MOMENTMAL:

    BÖHMERMANN hat das insziniert? Der BÖHMERMANN der Erdogan …. Ich kenne den BÖHMERMANN eher als Blödel oder ich glaube das nennt sich heute Satiriker. Zu Zeiten Otto Waalkes waren das Blödel. Egal …

    Ist denn dieser BÖHMERMANN überhaupt Journalist? Warum ruft gerade dieser BÖHMERMANN eine solche Aktion ins Leben? Ok, mir ist klar das sich heute jeder zum Journalisten ausrufen kann, das ist so wie mit dem Experten.

    WARUM machen das nicht renomierte Journalisten von DIE ZEIT, WELT oder SPIEGEL? Es gibt doch dort in den Redaktionen renomierte Journalisten?

    Ich finde das alles merkwürdig!

  2. Also, das ist ja schon eine recht massive Kampagne: Ganzseitige Anzeigen, diverse Titelgeschichten, auch die FAZ berichtet prominent auf den Seiten 1 und 2.

    Als Medienschaffender würde mich die Reaktion der Bevölkerung sehr nachdenklich stimmen: „An dem Auto-Protest hatten sich in der Hauptstadt – laut dpa – rund 100 Autos und 19 Fahrräder – beteiligt. Für Leipzig nennt die Agentur Teilnehmerzahlen von 50 Autos und rund 30 Radlern.“ (Quelle: Der oben verlinkte Artikel: „Journalismus ist kein Verbrechen“.)

    19 Fahrräder, 50 Radler (die ja nicht hupen, sondern nur klingeln können) – höre ich da leichten Spott heraus?

  3. Sonst voller Hass auf Erdowahn, üben sich die deutschen Dumpfrechten nun im Schulterschluss. Pressefreiheit, ja, aber nur abhängig von der Gesinnung. Vermisst wird wohl die Reichspressekammer. Das sind allesamt lupenreine Demokraten 😉

    1. Eher anders, die meisten Unterzeichner wissen nichtmal…

      „Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“

      (Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen vom 10.12.1948)

      …gilt auch in Deutschland nicht!

      Namen der Unterzeichner sollte man schon deshalb sichern.

  4. Ein weiteres Beispiel dokumentiert den medialen Niedergang in Deutschland. Alexander Becker schreibt auf diesen Seiten:
    » Journalismus ist kein Verbrechen“: Auto-Korsos, Hup-Konzerte sowie aufrüttelnde Titelseiten zum Fall Yücel «
    goo.gl/75vuRB
    Journalismus ist eine Öffentliche Aufgabe, die Orietierungsgrundlagen zu schaffen hat. Die Parteinahme und Meinungsmache schreckt ab, wirkt in allen Richtungen kontraproduktiv. Wie bewusst manipulativ in dieser wenig überzeugenden und populistischen Branche vorgegangen wird, zeigt der erwähnte oben genannte Artikel, der nicht kommentiert werden kann. Die Reaktion der FAZ ist gut und richtig.

  5. Herr Böhmermann sollte sich wirklich mal zurücknehmen – so bedeutend ist er auch wieder nicht. Und klar: Wer ein bisschen politisch denken kann, dem hätte im Vorhinein bewusst sein müssen, dass dieser Name hundertprozentig kontraproduktiv ist für das berechtigte Anliegen. Für Erdogan ist es ein Fingerschnips, Yücel weiter festzuhalten und nicht den Anschin zu erwecken, er würde gerade von Böhmermann sich bewegen lassen.

  6. Wenn Jan Böhmermann mit im Boot ist, muss man nicht mit redlichem Journalismus rechnen sondern mit hämischer „Satire“ – oder was er dafür hält. Ist der Ruf erst ruiniert . . .

    1. Der Zeitpunkt ist interessant, es könnte sogar sein, dass Herr Yücel deshalb nicht freigelassen wurde weil Böhmermann sich involviert hat.

      Der türkische Geheimdienst hat tausende Informanten in Deutschland und hat sicher auch ein Auge auf Böhmermann.

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