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Herausgeber Jürgen Kaube erklärt, warum die FAZ die Solidaritätsanzeige „Freiheit für Deniz“ nicht druckte

Zahlreiche Medienmacher unterschrieben die Soli-Anzeige für Deniz Yücel, nun gibt es Zoff um die Nutzung eines Namens
Zahlreiche Medienmacher unterschrieben die Soli-Anzeige für Deniz Yücel, nun gibt es Zoff um die Nutzung eines Namens

Am Dienstag erschienen in der Süddeutschen Zeitung und der Welt großformatige Anzeigen, in denen Medienmacher die Freiheit des in der Türkei inhaftierten Springer-Korrespondenten Deniz Yücel forderten – eine Solidaritätsaktion, der sich zahlreiche Top-Journalisten angeschlossen hatten. Die FAZ verweigerte den Abdruck. Herausgeber Jürgen Kaube erklärt nun warum und übt Kritik an den Organisatoren.

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„Wer ihn befreien will, spielt keine Spielchen.“ So ist der Kommentar Kaubes überschrieben. Der FAZ-Herausgeber wirft darin den Urhebern der Kampagne, der sich 300 Journalisten angeschlossen haben, unseriöse Methoden vor: „Am Montagnachmittag war unser Verlag mit der Bitte angeschrieben worden, den Platz für die Anzeige gratis oder stark vergünstigt zur Verfügung zu stellen. Zu den Unterzeichnern des Aufrufs, so hieß in der E-Mail einer Redakteurin der Süddeutschen Zeitung an unsere Anzeigenabteilung, gehöre auch ein Herausgeber der FAZ. Der aber hatte gar nicht unterzeichnet. Niemand hatte ihn gefragt. Auch kein anderes Mitglied des Herausgebergremiums war dazu aufgefordert worden, seine Solidarität mit Yücel zu beweisen. Die allermeisten Redakteure der FAZ erfuhren von der Aktion erst, als sie die erschienene Anzeige sahen.“

Laut Kaube hätten die Initiatoren die Panne mit einem „Fehler des Organisationsteams“ erklärt – eine Entschuldigung, die der FAZ-Mächtige nicht gelten lässt. Er vermutet dahinter vielmehr eine Absicht, denn: „Wer ernsthaft gewollt hätte, dass Journalisten dieser Zeitung per Unterschrift das Selbstverständliche bekräftigen, Angriffe auf die Meinungs- und Pressefreiheit für unerträglich zu halten, wäre anders vorgegangen. Die Mailadressen des Hauses sind gut bekannt. Es gibt sogar Telefone. Man darf darum schließen, dass es gar nicht gewollt war.“ Kaube sieht dadurch sogar die gute Sache beschädigt: „Wer (…) Journalist ist in einer Zeit, in der bürgerliche Medien bezichtigt werden, Fake News in Umlauf zu bringen, könnte einen Moment nachdenken, bevor unter Aufrufe die Namen von Leuten gesetzt werden, die nicht unterschrieben haben.“

Die Erklärung der FAZ ist für die Außenwirkung der Solidaritätsaktion, die presserechtlich von den Spiegel Online-Autorinnen Magarete Stokowski und Sybille Berg sowie von ZDFneo-Moderator Jan Böhmermann verantwortet wird, extrem kontraproduktiv – schon deshalb, weil sie Räume für Spekulationen eröffnet, wonach der FAZ-Herausgeber nicht der Einzige sein könnte, dessen Name ohne Einverständnis für die Kampagne genutzt worden ist.

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Der Zwist um die Anzeige kommt womöglich nicht von ungefähr. Seit einem Springer-kritischen Beitrag von FAZ-Autor Michael Martens in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung („Für immer Türke“) gilt das Verhältnis zwischen Yücels Arbeitgeber und den Frankfurtern als belastet. Die Welt hatte den FAS-Artikel als „intellektuellen und moralischen Auffahrunfall“ gegeißelt. Herausgeber Kaube will seine ablehnende Haltung gegenüber den Initiatoren der Medien-Kampagne indes nicht mit dem Engagement in der Sache Yücel verwechselt sehen. So verweist er darauf, dass die FAZ  einen Essays des inhaftierten Reporters über den Aufstieg Erdogans nachgedruckt habe, stellt aber klar: „Journalisten sind Schreiber, nicht Unterschreiber. Wenn darüber hinaus Solidarität bewiesen werden soll, sind ehrliche Absichten wünschenswert. Sie waren uns gegenüber im konkreten Fall nicht zu erkennen.“

Update: Die Organisatoren der Solidaritäts-Kampagne zur Freilassung von Deniz Yücel haben zur Kritik Kaubes inzwischen in einem offenen Brief Stellung genommen und der Darstellung des FAZ-Herausgebers widersprochen.

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Alle Kommentare

  1. Ich bin froh, dass dieser unsägliche Schreiberling da sitzt, wo er schon vor Jahren hingehört hätte!
    Wer damals den Deutschen das Aussterben an den Hals gewünscht hat, darf – zumindest von mir – keinerlei Unterstützung erwarten.
    Und wenn dann auch noch zwei Seelen in seiner Brust schlagen (deutsch UND türkisch), darf er sich nicht wundern, wenn nun der Arm der Türkei auf ihn niederschlägt…

  2. tja, das sind jetzt unumstössliche Fakten:
    SPON, SZ und Böhmermann verbreiten Fake News.
    Als nichts anderes kann man die Veröffentlichung falscher Unterzeichner bezeichnen.
    Bravo FAZ. Und Pfui den verlogenen Organisateuren der Kampagne!

  3. Da schau sich einer das populistische und korrupte Medienpack an.
    Erdogan marodiert seit Monaten mit Verhaftungswellen durch sein Land und die Presse will der AfD dazu nicht in die Hand arbeiten und berichtet stattdessen über grenzdebiele Lesben mit Vaginamützen in den USA.
    Erdogans Einpeitscher und Aufhetzer touren durch Deutschlands Sportarenen und der Medienpöbel schweigt bescheiden. Man will die in den Hauptstädten dieses Landes regierenden Schauspielern nicht unter Druck setzen. Erdogans staatlich gelenkten Priesteroffiziere in den Muslimverbänden spitzeln gegen Doppelpassinhaber in Deutschland und man spart sich kritische Fragen dazu warum die Politik noch immer dabei so dämlich dreinschaut und vehement ihreHandlungsunwilligkeit unter Beweis stellt.
    Und hier will man das dicke Geschütz auffahren zugunsten irgendeines zweifelhaften Tintenkleksers, der in die Türkei gefahren ist um zu provozieren?

    1. Lieber Brutus (Nomen est omen), es mag ja sein, dass Ihnen grenzdebile Lesben und Tintenkleckser nicht gefallen, aber wenn Sie Ihren Hass schon so unverschämt verbreiten müssen, sollten Sie wenigstens der deutschen Sprache nicht so weh tun und Ihre Rechtschreibung kontrollieren, bevor Sie Gift spritzen.

      Mit freundlichen Grüßen, Ihr Korrektor

      1. Lieber Korrektor, oder soll ich besser Dorfschulmeister sagen.
        du hast ja recht mit der Rechtschreibung, aber alles, was Brutus gesagt hat, stimmt. Ganz besonders die Aussage zu Free Deniz. Sieh auch Jupp Schmitz.

    2. Guter Kommentar! Es ist wirklich traurig, was aus dem deutschen Journalismus geworden ist. Sie könnten Erdogans Regime, dessen Tentakel bis nach Deutschland reichen, mit den Waffen des Journalismus bekämpfen. Aber nein, sie schalten hirnrissige Anzeigen… Ist ja auch bequemer und man kann Merkel und Co. schön raus halten.

    3. Ein Mensch ist unschuldig in Gefangenschaft und Sie betiteln ihn als zweifelhaften Tintenkleckser.
      Sind das die christlich/jüdischen Werte die in Deutschland immer so verzweifelt beschützt werden müssen?

  4. Was heißt denn hier, die FAZ „verweigert“ den Abdruck?
    SPON und Böhmermann – mit solchen Hetzern würde man der Sache wohl kaum dienen und sich dabei noch der Lächerlichkeit Preis geben.

  5. Journalistische Kampagnen in eigener Sache sind immer heikel. Verstehe, wenn da wer nicht mitmachen will. Verstehe aber nicht, wenn in Blockwartmanier auf Twitter die Abwesenheit von Kollegen auf der Solidaritätsdemo thematisiert wird.

  6. Props an Meedia, praktisch alle anderen Medien verschweigen diesen handfesten Skandal.

    Herr Kaube weiss genau, dieses Vorgehen ist kein „Fehler“ sondern absolut typisch für die Methoden der „Aktivisten“, die diese #FreeDeniz Kampagne betreiben.

    Ein weiterer Punkt, wie selbstverliebt muss man sein um als Herr Böhmermann zu glauben, eine Involvierung seiner Person wäre nicht maximal schädlich für die Anliegen von Herrn Yücel.

    In der türkischen Justiz und in der AKP Führung kennt praktisch jeder den Namen Böhmermann, …

  7. Die Initiatoren der Anzeige haben ihrem Anliegen und Deniz Yücel einen Bärendienst erwiesen. Die alten Konfliktlinien werden wieder bemüht: hier die Guten: SZ, Spiegel, und in diesem Fall die Welt, dort die Bösen – die FAZ. Ist das nicht graues Altlatein? Kaube hat geschildert, warum die Anzeige für Deniz Yüzil nicht in die FAZ kam – und die wachsweiche Entschulding der Verantwortlichen zeigt an: Kaube hat recht. Übrigens hatte auch Michael Martens neulich recht – die Weltherren hätten den Text nur genauer und unvoreingenommen lesen sollen. Diese beiden Geschichten sind Wasser auf die Mühlen Erdogans. Honecker, etwas abgewandelt: Dümmer gehts nimmer.

  8. Die Reaktion der FAZ ist mehr als berechtigt. Wenn in einer Demokratie Selbstverständlichkeiten betont werden -nicht gelebt werden- müssen, ist es um sie schlecht bestellt.
    Journalismus wird in den Landespressegesetzen als Öffentliche Aufgabe definiert (ein Bundespressegesetz fehlt – wird für nicht notwendig erachtet), die weitgehend nicht erbracht wird.

  9. Diese mimosenhafte Reaktion des FAZ Herausgeber finde ich sehr befremdlich.
    Was muss außer einer Entschuldigung der Organisatoren FREE YÜCEL noch
    geschehen, daß der Herr über seine Eitelkeit hinwegsehen kann.
    Gerade dieser eklatante Verstoß gegen die Pressefreiheit in der Türkei müsste
    doch die gesamte Presse, also auch die gewichtige FAZ, zusammenstehen lassen.
    Schade daß die Dünnhäutigkeit eines Herrn Jürgen Kaube diese Solidarität in den Rücken fällt.
    President Erdogan wird sich dadurch bestätigt fühlen.

    1. Die Wahrscheinlicheit ist gross, dass die #FreeDeniz Kampagne die FAZ dreist angelogen hat und auch mit moralische Erpressung arbeitet.

      Ob Margarete Stokowski, Sibylle Berg oder Jan Böhmermann – alle drei stehen für max. Unseriösität, um es mal vorsichtig auszudrücken.

  10. „Die Verlage schulden den Lesern Journalisten, nicht Türken vom Dienst“, so Michael Martens in dem zitierten Artikel in der FAZ. Was soll daran falsch sein? Natürlich kann man jemanden nicht ungefragt und ohne die Möglichkeit, Einfluss auf den Text zu nehmen, als Unterzeichner aufführen wollen. Aber wer Absicht unterstellt, sollte dann auch die Frage beantworten, was denn das Motiv ist?

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