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Demos, Mailings und Print-Anzeigen: Die massive Solidaritätswelle der Medienmacher mit Deniz Yücel

Via Facebook (Free Deniz, li.) oder auch per Print-Anzeigen kämpfen Journalisten für Deniz Yücel
Via Facebook (Free Deniz, li.) oder auch per Print-Anzeigen kämpfen Journalisten für Deniz Yücel

Es hat gut 13 Tage gedauert. Aber spätestens der Entschluss der türkischen Justiz, Deniz Yücel in Untersuchungshaft zu nehmen, sorgte für eine massive Unterstützungswelle innerhalb des deutschen Medienbetriebes. In der Süddeutschen Zeitung schaltete eine Gruppe um Jan Böhmermann eine ganzseitige Anzeige, in mittlerweile zwölf Städten sind für den heutigen Dienstag Protestaktionen geplant und sowohl Der Spiegel, asl auch der Tagesspiel-Chefredakteur rufen zu Protestmailings an die türkische Botschaft auf.

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In seiner Morgen-Mail „Checkpoint“ schrieb der Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt bereits am Montag: „In der Türkei, dessen Präsident Erdogan demnächst in Deutschland Propaganda für seine Präsidialdiktatur machen möchte, sitzen zur Zeit übrigens mehr als 150 Journalisten in Haft. Der Botschafter der Türkei in Berlin, Ali Kemal Aydın, ist sicher daran interessiert, was Sie davon halten – seine Mailadresse lautet botschaft.berlin@mfa.gov.tr.“

Dieser Anregung folgt nun auch Spiegel Online und veröffentlicht noch einmal die E-Mail-Adresse der Landesvertretung. Inklusive des Hinweises, dass in Berlin vor der türkische Botschaft (Tiergartenstraße 19-21) Politiker und Journalisten ab 17.00 Uhr protestieren wollen.

Spätestens Montag schaltete auch das politische Berlin auf die höchste Empörungsstufe. So nannte die Bundeskanzlerin Angela Merkel die Anordnung der Untersuchungshaft „bitter und enttäuschend“ und erklärte: „Diese Maßnahme ist unverhältnismäßig hart, zumal Deniz Yücel sich der türkischen Justiz freiwillig gestellt und für die Ermittlungen zur Verfügung gestellt hat.“ Die Bundesregierung erwarte, dass die türkische Justiz im Fall Yücel „den hohen Wert der Pressefreiheit für jede demokratische Gesellschaft“ berücksichtige. „Wir (…) hoffen, dass er bald seine Freiheit zurückerlangt.“

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel sprach von „schwierigen Zeiten für die deutsch-türkischen Beziehungen“ und fügte hinzu: „Der Fall Deniz Yücel wirft ein grelles Schlaglicht auf die Unterschiede, die unsere beiden Länder offensichtlich bei der Anwendung rechtsstaatlicher Grundsätze und in der Bewertung der Presse- und Meinungsfreiheit haben.“ Zudem äußerte sich noch eine Vielzahl anderer Politiker. Die Grünen gehören gar zu den Mit-Initiatoren des geplanten Protestes in Berlin.

In Hamburg soll es bereits um 16.30 Uhr einen Auto-Korso für den 43-jährigen Welt-Korrespondenten geben. In der Hansestadt trommelt der morgendliche Regional-Newsletter der Zeit (Elbvertiefung) für eine rege Teilnahme unter dem Motto „Hamburg hupt“.

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Währenddessen gehört Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo neben Julian Reichelt (Vorsitzender der Bild-Chefredaktion), Ulf Poschardt (Chefredakteur Die Welt) oder auch Andreas Petzold (Stern-Herausgeber) zu den Unterstützern, die sich in einer ganzseitigen Zeitungsseite für Yücel einsetzen. Die Protestanzeige erscheint heute u.a. in der Süddeutschen Zeitung, der Welt und im Tagesspiegel. Schirmherr der Aktion scheint „Yolocaust“-Künstler und Schriftsteller Shahak Shapira zu sein, der sowohl im Impressum der „Free Deniz!“-Bewegung im Web sowie der „Deniz’e özgürlük! Freiheit für Deniz“-Unterschriftenaktion – die bereits 839 (Stand: 28.2., 8.42 Uhr) Unterstützer hat – als Initiator auftaucht.

Verantwortlich im Sinne des Presserechts zeichnen die Spiegel-Online-Kolumnistinnen Margarete Stokowski und Sibylle Berg sowie Moderator und Satiriker Jan Böhmermann („Neo Magazin Royale“, ZDFneo). Böhmermann selbst musste sich wegen seinem Schmähgedicht an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vor Gericht verantworten.

Ein wichtiger Treffpunkt bzw. Infoknotenpunkt für die Proteste ist die Facebook-Seite FreeDeniz. Auf ihr finden sich unter anderem alle Termine und Startpunkte der mittlerweile zwölf geplanten Autokorsos.

Mit Material von dpa

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