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Angriff im Hörfunkmarkt: Ehemalige dapd-Inhaber Löw und Ende wollen ins Digitalradio einsteigen

Zusammen mit Ulrich Ende bietet Peter Löw (Foto), ehemaliger Inhaber der später in die Insolvenz gegangenen Berliner Nachrichtenagentur dapd, um eine DAB plus Multiplex-Lizenz
Zusammen mit Ulrich Ende bietet Peter Löw (Foto), ehemaliger Inhaber der später in die Insolvenz gegangenen Berliner Nachrichtenagentur dapd, um eine DAB plus Multiplex-Lizenz

Im Rennen um das zweite DAB plus Multiplex bahnt sich ein harter Bieterwettkampf an. Zu den Interessenten gehören die Freenet-Tochter Media Broadcast, der Leipziger Immobilienmanager Steffen Göpel, die Absolut Radio-Gruppe sowie zwei alte Bekannte im deutschen Mediengeschäft: Peter Löw, ehemals Inhaber der später in die Insolvenz gegangenen Berliner Nachrichtenagentur DAPD sowie Ulrich Ende, früherer Geschäftsführer des Nachrichtensenders N 24.

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Einst hatte Peter Löw mit dapd viel vor. Der Geschäftsmann wollte mit der Berliner Nachrichtenagentur den Platzhirschen dpa vom Markt drängen. Doch sein ehrgeiziger Plan ging schief. Der Finanzinvestor zieht sich 2012 aus dem Unternehmen zurück, dapd muss daraufhin Insolvenz anmelden. Kurze Zeit später wagt Ulrich Ende, ehemaliger Geschäftsführer des Nachrichtensenders N24, sein Glück und steigt bei der Nachrichtenagentur ein. Doch auch er scheitert. Seine Co-Investoren und Partner springen ab. dapd, hervorgegangen aus der früheren Nachrichtenagentur Deutscher Depeschendienst und dem deutschen Dienst der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press (AP), gerät erneut in die Insolvenz.

Jetzt wagen Peter Löw und Ulrich Ende gemeinsam einen neuen Anlauf im Mediengeschäft, allerdings auf dem Hörfunkmarkt. Die beiden Geschäftsleute liebäugeln damit, das zweite DAB plus Multiplex zu übernehmen. Dazu haben sie die Radi/o Digital GmbH in München gegründet, die vergangene Woche bei der Sächsischen Landesmedienanstalt einen entsprechende Antrag eingereicht hat. Damit könnten die beiden Unternehmer auf einen Schlag eine bundesweite Radio-Kette mit 15 Hörfunkprogramme aufziehen. Gelingt ihn dies, will Löw die zu ihm gehörenden Nachrichtenagentur Spot on News um das Radiogeschäft bereichern. „spot on news steht für hochaktuellen, unterhaltenden Journalismus. Unsere Redaktion ist exzellent vernetzt und spricht täglich mit wichtigen Prominenten. Da liegt es nahe, diese Struktur für ein Produkt wie Radio zu nutzen“, erklärt Tobias Lobe, Vorstand der spot on news AG, gegenüber Meedia. Die 2012 gegründete Agentur, die Themen rund um Unterhaltung, Lifestyle sowie Gesundheit besetzt, konzentriert sich ganz auf das digitale Nachrichtengeschäft. „Das digitale Radio mit der Möglichkeit, praktisch unbegrenzt Daten an Endgeräte zu übertragen, ist eine faszinierende Technik, mit der wir unsere Online-Aktivitäten inhaltlich und technologisch ausweiten wollen“, unterstreicht Lobe.

Für Löw und Ende wäre der Deal auch aus Vermarktungssicht lukrativ. Ob Handelskonzerne oder Finanzdienstleister – die Radiokette wäre insbesondere für Großunternehmen interessant, die ihre Werbekampagnen bundesweit streuen wollen. „Bei rechtzeitigem Zuschlag können die ersten vier Sender bereits im Juli 2017 an den Start gehen, vier weitere Sender könnten im Herbst dieses Jahres starten“, betont der Spot on News-Vorstand. Dies sei möglich, weil die neu gegründete Gesellschaft auf die Strukturen der Nachrichtenagentur und deren Vermarktungstochter Airmotion Media GmbH aufsetzen soll. Gesteuert und das Wachstum der Radiokette vorantreiben soll Ulrich Ende. Für die Vermarktung soll Tanja Hagen verantwortlich zeichnen. Sie hatte mehr als zehn Jahre in leitender Position bei der Radio Marketing Service (RMS) nationale Key Account-Kunden, Mediaagenturen und internationale Vermarktungspartner betreut.

Doch Löw und Ende sind nicht die einzigen Investoren, die an dem zweiten Multiplex interessiert sind. Mit von der Partie sind der Leipziger Immobilienkönig Steffen Göpel, die Absolut Radio-Gruppe und der Übertragungsdienstleister Media Broadcast. Die Freenet-Tochter will sich strategisch neu aufstellen und sich aus dem UKW-Geschäft zurückziehen. Dazu hat die Geschäftsführung die Antennen-Technik zum Verkauf gestellt. Nicht im Rennen ist die Bauer Media Group. Der Hamburger Großverlag hat überraschenderweise an der Ausschreibung für das zweite Multiplex nicht teilgenommen. Zuvor hatte jedoch Konzerngeschäftsführer Andreas Schoo mehrfach öffentlich großes Interesse an einem Einstieg ins deutsche Digitalradio-Geschäft bekundet.

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