WamS: Deniz Yücel berichtet über Haftbedingungen in Türkei, Gabriel fordert Freilassung des Welt-Reporters

Welt-Korrespondent Deniz Yücel sitzt in türkischer Untersuchungshaft
Welt-Korrespondent Deniz Yücel sitzt in türkischer Untersuchungshaft

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat die Dauer des Ermittlungsverfahrens gegen den in der Türkei festgehaltenen Journalisten Deniz Yücel kritisiert. "Es ist weder nötig noch fair, Deniz Yücel bis zu einer staatsanwaltschaftlichen Vernehmung so lange seine Freiheit zu nehmen", sagte Gabriel der Welt am Sonntag. Das Blatt brachte auch einen Bericht über die Haftbedingungen Yücels. Er selbst hatte ihn seinen Anwälten diktiert.

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Yücel befindet sich seit dem 14. Februar im Istanbuler Polizeipräsidium in Gewahrsam. Nach Angaben der Polizei wird gegen ihn wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation, Terrorpropaganda und Datenmissbrauchs ermittelt. Unter dem Ausnahmezustand in der Türkei können Verdächtige bis zu 14 Tage in Gewahrsam gehalten werden. Demnach muss der 43-Jährige spätestens Dienstag einem Haftrichter vorgeführt oder freigelassen werden.

„Jetzt ist der Moment für die türkische Justiz zu entscheiden, und das im Lichte der herausragenden Bedeutung unbehinderter Arbeit freier Medien“, forderte Gabriel. „Wir tun weiter alles, was wir können, damit es eine gute Lösung gibt.“

Grünen-Chef Cem Özdemir warf dem Minister dagegen Zögerlichkeit vor: „Gabriel hat viel zu lange geschwiegen. Ein Skandal“, sagte er der Bild am Sonntag. „Er müsste alle Hebel in Bewegung setzen, um den Journalisten zu befreien.“

Yücel selbst beschrieb in der Welt am Sonntag – vermittelt über seinen Anwalt – seine Haftbedingungen als schwierig, aber: „Mir geht es ganz gut.“ Er teilt sich demnach mit meist ein bis zwei Mitgefangenen eine 7-Quadratmeter-Zelle. Gewalt habe er nicht erfahren oder mitbekommen. Die Polizisten seien manchmal grob im Ton, aber nicht ausfallend und im Rahmen der Vorschriften meistens auch hilfsbereit.

In Flörsheim, seiner hessischen Heimatstadt, demonstrierten am Samstag rund 150 Fahrer mit einem Autokorso für Yücels Freilassung. Mit dem Korso solle ein Zeichen für Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei gesetzt werden, hieß es in einem Flugblatt, das die Teilnehmer verteilten. Vor dem Start der Rundfahrt versammelten sich Hunderte Angehörige, Freunde und Unterstützer Yücels und hielten Plakate und Schilder mit der Aufschrift „Free Deniz“ in die Höhe.

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