TV-Spot „The Truth is hard“ zur Oscar-Night: die eindringliche Anti-Trump-Kampagne der NY Times

Auf der Suche nach der Wahrheit – und im Dauer-Clinch mit Donald Trump: die New York Times
Auf der Suche nach der Wahrheit – und im Dauer-Clinch mit Donald Trump: die New York Times

Was ist die Wahrheit – und was ist sie noch wert? Diese Fragen stellen sich im postfaktischen Zeitalter immer mehr Menschen. Die New York hat das Aufkommen von Fake News und Alternative Facts in der Trump-Ära zum Anlass für eine kraftvolle Kampagne genommen. Der 30-sekündige TV-Spot "The Truth is hard", der am Sonntag erstmals bei der Oscar-Verleihung gezeigt wird, nimmt den Kampf um den Deutungshoheit über die Wahrheit auf.

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Donald Trump und die New York Times (NYT) – es ist eine ganz besondere Beziehung. Immer wieder arbeitet sich der neue US-Präsident an der 165 Jahre US-Traditionszeitung ab, der Trump abwechselnd bescheinigt, „gescheitert“ zu sein und eine unehrliche Berichterstattung zu betreiben.

„Die scheiternde New York Times lag von Anfang an bei mir falsch. Sie haben vorausgesagt, dass ich in den Vorwahlen und bei der Präsidentschaftswahl verlieren würde. FAKE NEWS!“, wetterte Trump etwa Ende Januar via Twitter. In der vergangenen Woche wurde die New York Times vom neuen US-Präsidenten gar zum „Volksfeind“ stilisiert.

Den Vorwurf, „Fake News“ zu produzieren, will sich die „Gray Lady“ nun jedoch offenbar nicht länger gefallen lassen und geht selbst in die Offensive. Erstmals seit 2010 schaltet die New York Times nämlich wieder einen Fernseh-Werbespot, der am Sonntag bei der Oscar-Verleihung zu sehen sein wird.

Wie die AdWeek berichtet, kostet der 30-Sekunden-Spot bei der prestigeträchtigen TV-Übertragung, bei der die New York Times das erste Mal überhaupt wirbt, stolze 2,5 Millionen Dollar – doch das Geld scheint angesichts Botschaft, die die vielleicht beste Zeitung der Welt verbreitet, gut angelegt.

Es geht schließlich um die Suche nach der Wahrheit: „The Truth is hard“, heißt die Kampagne, die mit prägnanten Wortfetzen der noch jungen Trump-Ära spielt.

„Die Wahrheit ist, dass unser Land mehr gespalten als je zuvor ist“, ist etwa aus dem Off zu hören. „Die Wahrheit ist, dass alternative Fakten Lügen sind“, lautet ein anderer geflügelter Satz, den NBC-Moderator Chuck Todd im Gespräch mit Trump-Beraterin Kellyanne Conway gesagt hatte.

NYT-Kampagne: „Die Wahrheit ist schwierig“

„Die Wahrheit ist, dass Umkleidengerede harmlos ist“, ist an anderer Stelle in Anspielung an Donald Trumps skandalöses Bus-Video mit NBC-Moderator Billy Bush zu hören. Und so weiter, und so fort, bis die Stimmen, die sich für sich die Wahrheit reklamieren, in einem Wirrwarr verschwimmen.

„Die Wahrheit ist schwierig“, folgert die New York Times dann schließlich. Schwer herauszufinden. Schwer zu wissen. Vor allem aber: wichtiger denn je, so die Botschaft der NYT-Kampagne, die nach den Oscars weiter im US-Fernsehen und auch in Online-Medien laufen soll.

Wirtschaftlich betrachtet hat der New York Times die inzwischen fast tägliche Auseinandersetzung mit dem neuen US-Präsidenten übrigens nicht geschadet.  So konnte die „Gray Lady“ zuletzt im vierten Geschäftsquartal einen massiven Anstieg der Web-Abonnenten verzeichnen –  den sogenannten „Trump Bump“.

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