Den Fake-News auf der Spur: Die Zeit zählt mehr als 17.000 Beiträge zu einem Gerücht über den französischen Präsidentschaftskandidaten Macron

Laut Zeit wurde der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron zum Opfer von Cyber-Attacken
Laut Zeit wurde der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron zum Opfer von Cyber-Attacken

Der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron sei schwul – dieses Gerücht hat angesichts von rund 17.000 TV- und Radio-Beiträgen, Zeitungs- und Online-Artikeln sowie Blog-Beiträgen und Social-Media-Postings weltweite Verbreitung erfahren, wie eine Recherche der Zeit nun ergeben hat. Mit der Erkenntnis: Bei dem Fake-News-Angriff deutet vieles auf russische Urheber hin.

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Parteilos, proeuropäisch, linksliberale Positionen – der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron könnte die Stimmung in Europa drehen. Und sei für Russland damit offenbar ein Dorn im Auge: Wie die Wochenzeitung Zeit in ihrer aktuellen Ausgabe, die am Donnerstag erscheint, berichtet, haben russische Hacker womöglich in der Ukraine eine Cyber-Offensive gegen den „Joker“ Europas gestartet.

Demnach sei Macron bei einem Wahlkampfautritt am vergangenen Freitag zum Ziel einer sogenannten DDOS-Attacke geworden, bei der die („prorussischen“) Angreifer den Internet-Stream seines Auftritts in die Knie gezwängt haben. „In diesem Fall kaperten sie mehrere Hunderttausend Computer gleichzeitig, um Macron von seinen Wählern abzuschneiden“, berichtet die Zeit. Neun Minuten sei die Wählerbewegung Macrons, „En Marche!“, offline und stundenlang nur schwer erreichbar gewesen.

Ein weitaus größeres Problem sieht Marcons Internet-Kampagnenchef, Mounir Mahjoubi, allerdings in der Verbreitung von Fake-News über seinen Kandidaten: Demnach würden RT France und Sputnik News France, zwei vom russischen Staat finanzierte Medien, reihenweise gefälschte Nachrichten über Macron verbreiten.

Laut Zeit-Recherchen das hartnäckigste Gerücht: Der Präsidentschaftsanwärter sei schwul. Nach einer exklusiven Auswertung von Unicepta für die Wochenzeitung sind über jenes Gerücht rund 17.000 TV- und Radio-Beiträge, Zeitungs- und Online-Artikel sowie Blog-Einträge und Social-Media-Postings erschienen. Ausgangspunkt für die weltweite Debatte sei ein Artikel auf der prorussischen Internetseite Sputnik gewesen. „Um Gerüchte aufzugreifen und zu verbreiten, beschäftigen RT France und Sputnik News heute professionelle Journalisten“, so Mahjoubi gegenüber der Zeit.

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