Fusion von Berliner Zeitung und Kurier: DuMont plant Kündigung von 94 Mitarbeitern im Berliner Verlag

Massiver Umbau im Berliner Verlag: Zukünftig sollen Berliner Zeitung und Kurier aus einem gemeinsamen Newsroom heraus produziert werden
Massiver Umbau im Berliner Verlag: Zukünftig sollen Berliner Zeitung und Kurier aus einem gemeinsamen Newsroom heraus produziert werden

Der Berliner Verlag fusioniert die Redaktionen von Berliner Kurier und Berliner Zeitung in einer neuen Gesellschaft und erleichtert sich in diesem Zuge um 50 Stellen. Nun soll es zu betriebsbedingten Kündigungen kommen, wie der Betriebsrat mitteilt. Dabei geht es um 94 Mitarbeiter, die DuMont offenbar nicht übernehmen will. Es hagelt Kritik, für den Verlag jedoch geht es ums "nackte Überleben".

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Der Arbeitskampf im Berliner Verlag erhält eine neue Dimension. Seit Wochen warnen die Betriebsräte davor, dass ihr Arbeitgeber den Verlagsumbau dazu nutzen wird, um sich von vielen langjährigen (und teuren) Mitarbeitern zu trennen. Nun informierten sie in einem Schreiben über die Anzahl der betriebsbedingten Kündigungen, die DuMont offenbar aussprechen will. Der Betriebsrat sei zu 94 Mitarbeitern angehört worden, heißt es. Der Vorgang, den Betriebsrat vor Kündigungen um Stellungnahme zu bitten, gilt als Formalie. Nach Betriebsratsangaben beschäftigen Kurier und Berliner Zeitung bislang gemeinsam rund 160 Mitarbeiter. Hinzu kommen Angestellte aus der außertariflichen Berlin Digital 24 GmbH, in die überwiegend Online-Redakteure und ehemalige freie Mitarbeiter und so genannte Pauschalisten eingestellt wurden.

Die Kölner Mediengruppe will die Medien des Berliner Verlages wieder zukunftsfähig machen. Die DuMont-Tochter ist seit Jahren defizitär, die Blätter stehen im harten Wettbewerb des Berliner Zeitungsmarktes. Es geht ums „nackte Überleben“, wie CEO Christoph Bauer im Herbst vergangenen Jahres sagte. Mit der redaktionellen Fusion beider Zeitungen will Bauer den Laden über die Kostenschiene sanieren. Boulevard- und Abo-Titel sollen zukünftig aus einem Newsroom heraus produziert werden, für den DuMont eine neue Gesellschaft, die Berliner Newsroom GmbH, gegründet hat. Das neue Team, das sich noch im Aufbau befindet, soll zukünftig mit 50 Stellen weniger auskommen als bisher. In der Newsroom GmbH selbst sollen 110 Stellen geschaffen werden, auch hier kommen die Angestellten aus der Berlin Digital 24 GmbH dazu. In der Summe sollen 140 Stellen stehen.

Die Art und Weise, wie DuMont vorgeht, wird massiv kritisiert. Wer weiter für Kurier und Zeitung arbeiten will, muss sich neu bewerben. DuMont wolle einen Betriebsübergang vermeiden, werfen Kritiker dem Management vor. Dass der Konzern einen „Neuanfang“ nutzt, um sich auch von alten und teuren Mitarbeitern zu entlasten, erscheint offensichtlich, angesichts der Herausforderungen durch die Digitalisierung vielleicht – die soziale Verantwortung ausgeklammert – auch notwendig. Die nun im Raum stehende Anzahl von 94 Kündigungen wirkt überraschend hoch. Der Betriebsrat stellt damit den Abbau von 60 Prozent der alten Belegschaft in den Raum, relativiert aber zugleich, dass von den 94 Leuten eine bislang unbekannte Anzahl in die neue Belegschaft wechseln wird.

Dass auch diese gekündigt werden, wirft Fragen auf. DuMont wollte sich auf Anfrage zu den Hintergründen nicht äußern. Die Kündigung jener Mitarbeiter, die nicht in der neuen Gesellschaft arbeiten werden – auch weil sie nicht wollen und stattdessen Abfindungen annehmen – sei notwendig, damit diese nicht vom Arbeitsamt gesperrt werden, heißt es aus Unternehmenskreisen. Der Sozialplan sieht zudem eine Transfergesellschaft für ausscheidende Angestellte vor.

 

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