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Der alternative Fact-Checker vom Playboy und die Interview-Tricks der Trump-Flüsterin

Kellyanne, Le Chulz, F.Boitin, pinkelnder Rosé
Kellyanne, Le Chulz, F.Boitin, pinkelnder Rosé

Ein Playboy-Chefredakteur ging diese Woche unter die Alternative-Factchecker. Die geheimen Interview-Tricks der Trump-Flüsterin Kellyanne Conway wurden enttarnt. Martin Schulz muss als Kolumnen-Material herhalten und die FAZ hat Probleme mit der Autokorrektur. Der MEEDIA Wochenrückblick.

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Normale Fehler gibt es in der Ära Trump nicht mehr. Es sind immer gleich „Fake News“, bzw. „alternative facts“. Und echte Qualitätsmedien machen sowieso keine Fehler. Auftritt Florian Boitin. Der deutsche Playboy-Chefredakteur ist jener Mann, dessen Vorbild laut Burda-Pressestelle der US-Playboy gefolgt ist als es darum ging, die Weiber im Hasen-Heftchen wieder nackig zu machen. Das sind keine Fake News, sondern das meinen die offenbar tatsächlich ernst. Die entsprechende Pressemitteilung trug folgende (sprachlich ein bisschen wackelige) Überschrift:

US-Playboy folgt deutschem Vorbild/US-Playboy wieder nackt

Ist aber auch egal. Eigentlich soll es hier darum gehen, dass ebenjener Herr Boitin auf Facebook die SZ wegen der Verbreitung „alternativer Fakten“ angepinkelt hat. Die „alternativen Fakten“ waren:

  • Cooper Hefner, Sohn des Playboy-Gründers, ist 25 Jahre alt und nicht 24.
  • Im Text hieß es fälschlicherweise, dass im allerersten Playboy von 1953 auch keine nackten Frauen abgebildet waren.
  • Cooper Hefner habe dann auch 2013 schon einmal Kate Moss „nicht ganz abgebildet. (auf einigen Fotos war sie aber ganz nackt, wie Nackt-Experte Boitin notiert)
  • SZ-Redakteur David Pfeifer schrieb, dass Hugh Hefners Playboy Mansion laut Daily Mail für 200 Mio. Dollar zum Verkauf stehe. Die Villa wurde aber bereits für rund 100 Mio. Dollar längst verkauft.

Bisschen blöd wenn in einem Artikel dann doch relativ viele Fehler gemacht werden und man das dann auch noch auf Facebook unter die Nase gerieben bekommt. Dass die Überhöhung dieser Fehler zu „alternativen Fakten“ total überzogen ist, steht auf einem anderen Blatt. So richtig eingestehen wollte man sich die Fehler bei der SZ aber auch nicht. In Sachen Verkauf des Playboy Mansion sagte Katharina Riel, Leiterin der SZ-Medienseite zu MEEDIA:

„…dass sich da inzwischen etwas getan hat, hätte man noch explizit erwähnen sollen.“

Was heißt „explizit erwähnen sollen“? Das wurde offensichtlich aus einem veralteten Daily Mail Artikel (vermutlich vom Anfang 2016) abgeschrieben. Korrigiert hat man den Fehler mit dem Playboy-Mansion übrigens lieber nicht, sondern bloß die Kleinigkeit mit der falschen Altersangabe. Weiter sagte Frau Riel:

Nicht richtig sind allerdings die Vorwürfe zu den angeblich falsch beschriebenen Cover-Girls des Playboy: Sowohl Marilyn Monroe war auf dem ersten Cover bekleidet als auch Kate Moss auf dem Cover von 2013. Beide Titelbilder lassen sich ohne weiteres googeln. Im Heft ist Monroe nackt gezeigt, der ganze Text handelt aber ja von der Cover-Politik des Playboy.

Aus dem SZ-Text geht eben gerade nicht hervor, dass es nur um die Cover soll. Pfeifer schrieb: „Der erste Playboy, von Vater Hugh 1953 auf den Markt gebracht, zeigte ja auch keine nackten Frauen, sondern eben solche im Bikini oder Badeanzug – neben den guten Interviews natürlich.“ Spätestens der Hinweis auf die Interviews macht klar, dass es um das gesamte Heft geht, und nicht nur um das Titelbild. Klar sind das Kleinigkeiten. Aber im Kleinen erkennt man auch manchmal die größeren Malaisen an denen unsere geliebte Branche bisweilen krankt. Zum Beispiel das Aufblasen von banalen Fehlern und Schlampereien zu „alternativen Fakten“. Oder dass man es als Qualitätsmedium nicht eingestehen will oder kann, dass einfach mal geschlampt wurde.

Die Schöpferin des Begriffs „alternative facts“ ist die Donald-Trump-Beraterin Kellyanne Conway. Die Großmeisterin in Ausweichen und Fragen-Verdrehen. Das US-Medium Vox hat der schwarzen Interview-Kunst der Kellyanne Conway ein erhellendes Video gewidmet, in dem ein Debattier-Profi die Interview-Tricks der Trump-Sprecherin erklärt. Kurz gesagt: Sie greift sich immer ein Wort oder einen Ausdruck aus der Frage, wiederholt dies und sagt dann etwas komplett anderes. Weil sie einen Teil der Frage wiederholt, entsteht beim Zuhörer der Eindruck, sie würde auf die Frage eingehen. Ein sehenswertes Video, auch aus handwerklicher Sicht:

Mittlerweile verzichten einige politische Talkshows in den USA darauf, Kellyanne Conway überhaupt noch einzuladen.

Die Amerikaner haben ihren Donald Trump und wen haben wir? Den Martin Schulz! Jetzt nicht, weil die beiden im Schäuble’schen Sinne irgendwie vergleichbar wären, sondern nur weil Martin Schulz hierzulande auch ein dankbares Medienthema abgibt. Natürlich in viel kleineren und harmloseren Dimensionen als The Donald. Immerhin hat es bei Le Chulz dafür gereicht, das Bild-Briefe-Onkel Franz Josef Wagner ihm im Abstand von nur einer Woche gleich zweimal geschrieben hat. Einmal an „den lieben Umfrage-König Martin Schulz“, in den FJW „quasi verliebt“ war. Eine Woche später war die Quasi-Liebe schon wieder schal geworden:

Das „Spinnennetz“, bzw. „der ausgefranste Teppich“ im Gesicht des Kandidaten Schulz lieferte der lieben Kollegin Ulrike Simon dann wiederum Stoff für eine ganze Medienkolumne bei diesem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Aus nur einer einzigen Vorlage aus einem Wagner-Brief eine ganze Kolumne vollzutexten, da ziehe ich meinen imaginären Hut. Was viele nicht ahnen: Dieses Kolumnieren ist ein echter Knochenjob. Frau Simon schreibt:

Sich jede Woche zu überlegen, worum es in der nächsten Kolumne gehen soll, bedeutet, jede Woche mit sich zu ringen, welches Thema sich besser eignet.

Da sehen Sie, wie schwer wir Medienfuzzis es haben. Dieses ständige mit sich ringen ist auf Dauer ganz schön anstrengend! Es ist nämlich gar nicht so, dass für Ihre Lieblings-Medienkolumne (gemeint ist diese hier!) immer nur das Internet hastig nach den ganz billigen Aufregern und schalen Gags durchkämmt wird. Nein, da wird mit sich gerungen bis der Arzt kommt.

Zum Schluss jetzt noch schnell ein witziges Vertipperli aus einer Werbemail der Klugen-Köpfe-Zeitung FAZ:

Zeigen Sie das aber bloß nicht dem Playboy-Chef!

Entspanntes Wochenende!

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