Poker um Vertriebsspannen: Der Spiegel und Gruner + Jahr gehen getrennte Wege

DPV-Chef Nils Oberschelp: Der Deutsche Pressevertrieb soll für Gruner + Jahr mit dem Grosso-Verband verhandeln
DPV-Chef Nils Oberschelp: Der Deutsche Pressevertrieb soll für Gruner + Jahr mit dem Grosso-Verband verhandeln

Das Gerangel um neue Grosso-Spannen im deutschen Vertriebswesen geht weiter. Bauer, Hubert Burda Media, die Funke Mediengruppe, die Mediengruppe Klambt, der Spiegel-Verlag und Axel Springer schließen sich zu einer Allianz zusammen, um neue Vertriebsmargen auszuhandeln. Nicht mit dabei: Gruner + Jahr. Der Zeitschriften-Verlag will mit dem Grossoverband alleine über neue Konditionen sprechen. Damit gehen G+J und der Spiegel-Verlag getrennte Wege.

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In die Verhandlungen um neue Grosso-Spannen kommt Bewegung. Nach dem das Berliner Zeitungshaus Axel Springer jüngst einen Zusatz zur Gemeinsamen Erklärung gekündigt hatte, unternimmt das Medienunternehmen jetzt den großen Schulterschluss mit dem Bauer Media Group, Hubert Burda Media, die Funke Mediengruppe, der Mediengruppe Klambt sowie dem Spiegel-Verlag. Nicht mit von der Partie ist das Hamburger Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr: „Wir haben uns – auch nach Gesprächen mit den an der Allianz beteiligten Verlagen – dazu entschieden, weiterhin direkt mit dem Grosso zu verhandeln. Diese Verhandlungen führt der DPV Deutscher Pressevertrieb für Gruner + Jahr insgesamt. Dabei diskutieren wir die konkreten Details ausschließlich mit dem Grosso-Verband“, erklärt eine G+ J-Sprecherin auf MEEDIA-Anfrage. Damit hat Gruner + Jahr allerdings eine deutlich geringere Verhandlungsmacht gegenüber der frisch gebildeten Verlags-Allianz. Sie hat gegenüber dem Grossoverband deutlich bessere Chancen, ihre Interessen in den anstehenden Gesprächen durchzusetzen. Dass der dpv die Verhandlungen für G + J „insgesamt“ führt, zeigt, dass es bei den Gesprächen des Unternehmens mit dem Grosso um neue Vertriebskonditionen für alle G+J-Marken handelt und nicht nur um kleinere Titel aus dem Mandatengeschäft.

Allerdings ist noch unklar, wie die Verlags-Allianz auf einen Nenner kommen will. Denn Springer und die Magazin-Unternehmen verfolgen bislang gegensätzliche Ziele. Springer-Vertriebschef Christian Nienhaus plädiert dafür, das Netz an Vertriebsstellen weiter auszubauen und die Auslieferungstage beizubehalten. Damit will der ehemalige Funke-Manager erreichen, dass die Bild-Familie möglichst problemlos flächendeckend verkauft werden kann. Die Magazin-Häuser Burda und Bauer haben hingegen andere Vorstellungen. Burda will die Zahl der Vertriebsstellen um rund 20.000 kappen, Bauer die Auslieferungstage um drei verringern. Davon erhoffen sich die Zeitschriften-Profis, die Grossokosten zu senken. In diesem Spannungsfeld führt nun Gruner + Jahr alleine Verhandlungen mit dem Verband. Die deutschen Verlage müssen sich bis Februar 2018 auf neue Vertriebskonditionen verständigen. Denn dann läuft die bisher gültige Vereinbarung über die Handelsspannen aus.

Verwundert ist die Branche, dass sich der Spiegel der neuen Allianz angeschlossen hat, Gruner + Jahr als Minderheitsgesellschafter des Printhauses an der Ericusspitze hingegen nicht. Denn im vergangenen Jahr hatten sich Spiegel und Gruner + Jahr sowie der Zeit-Verlag und die Mediengruppe Medweth noch gemeinsam dazu entschlossen, dem Arbeitskreis Publikumszeitschriften beim Verband Deutscher Zeitschriftenverlag (VDZ) Mitte diesen Jahres den Rücken zu kehren. Grund hierfür waren Querelen um die Wahl von Stephan Holthoff-Pförtner zum neuen VDZ-Präsidenten. Von „Hinterzimmer-Bünden“ war hier die Rede, weil sich Gruner + Jahr übergangen fühlte.

Die vier Verlage wollten sich deshalb zusammentun, um ihre Interessen zu verfolgen. Kurz nach der Ankündigung hatten die vier Medienunternehmen dazu auch ihre Arbeit im Arbeitskreis PMV – zuständig für den Vertriebsmarkt – beim VDZ ruhen lassen. Jetzt gehen der Spiegel und Gruner + Jahr getrennte Wege in den aktuellen Verhandlungen mit dem Grosso. In Kreisen von Gruner + Jahr heißt es, dass die jetzige Entscheidung des Verlags mit den Grosso-Verband alleine zu verhandeln, nicht in Zusammenhang mit dem angekündigten Rückzug aus dem Arbeitskreis Publikumszeitschriften beim VDZ stünde.

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