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Große Verlags-Koalition: Burda, Funke, Springer, Bauer & Co. schließen Allianz für Grosso-Verhandlungen

Neue Grosso-Allianz: Burda-Vorstand Philipp Welte, Springers Vertriebschef Christian Nienhaus und Funke-Geschäftsführer Manfred Braun (von li.)
Neue Grosso-Allianz: Burda-Vorstand Philipp Welte, Springers Vertriebschef Christian Nienhaus und Funke-Geschäftsführer Manfred Braun (von li.)

Der große Grosso-Streit scheint abgewendet. Vor Tagen hieß es, dass sich Axel Springer mit Blick auf die anstehenden Handelsspannenverhandlungen von der „Gemeinsamen Erklärung“ der Verlage distanziert habe. Nun sind die Berliner wieder im Boot: Gemeinsam mit Burda, Bauer, Funke, Klambt, der Spiegel hat man sich zu einer strategischen Koalition zusammengeschlossen. Die will das Pressevertriebssystem "im Interesse der ganzen Verlagsbranche" weiterentwickeln.

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In einer ersten gemeinsamen Kommunikation heißt es, dass es das Ziel der Koalitionspartner sei, „die weltweit einzigartige Pressevielfalt und die damit verbundene Presse- und Meinungsfreiheit über den flächendeckenden und diskriminierungsfreien Vertrieb von Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland abzusichern. Die Koalition bekennt sich dabei ausdrücklich zu der solidarischen Ausrichtung sowie zu den Grundwerten des Grosso-Systems.“

Mit reichlich verlegerischem Pathos gespickt heißt es in der ersten Absichtserklärung:

 

Verlage stehen angesichts der sich verändernden Mediennutzung und des damit verbundenen Auflagen- und Umsatzrückgangs vor wirtschaftlichen Herausforderungen. Eine Modernisierung des Pressevertriebssystems soll aus Sicht der Koalition daher ermöglichen, dass die Verlagsbranche ihren verlegerischen Auftrag der Pressevielfalt über qualitativ hochwertigen Journalismus sicherstellt, dabei aber wirtschaftlich so profitabel arbeiten kann, dass auch in Zukunft ihre Innovationskraft aufrechterhalten bleibt.

Bislang sah es so aus, als ob die Interessen von Springer und den großen Zeitschriften-Verlagen zu weit auseinander liegen würden. So fordert Burda seit Jahren, die Zahl der Verkaufsstellen deutlich zu verringern. Im Raum stand hier zuletzt eine Zahl von rund 20.000 Vertriebsstellen. Dadurch erhofft sich Burda, dass die Grosso-Spannen sinken und das Unternehmen Kosten spart. Allerdings soll Publishing-Vorstand Philipp Welte, der als eine der treibenden Kräfte hinter dem Zukunftsdeal gilt, zugleich vehement für Geschlossenheit der Branche und eine breite Verlags-Allianzplädiert haben. Auch die Bauer Media Group drängt auf geringere Grosso-Spannen – allerdings plädiert das Unternehmen dafür, die Zahl der Auslieferungstage deutlich zu verringern. Die Rede ist in Branchenkreisen um drei Tage.

Dies kann allerdings Springer nicht Recht sein. Das börsennotierte Unternehmen verlegt die täglich erscheinende Bild-Zeitung und seit neuestem die Fußball-Bild – beide Produkte sind überregional. Vertriebschef Christian Nienhaus ist deshalb massiv darin interessiert, dass die Bild-Zeitung sowie die neue Fußball-Bild flächendeckend in einer größeren Zahl von Verkaufsstellen ausliegt. Verheerend wäre es zudem für den Verkauf der Titel, wenn die Zahl der Auslieferungstage sinken würden. Vor allem die Auflage des Flaggschiffs Bild könnte weiter darunter leiden.

Durch die neue Koalition scheint es nun doch möglich zu sein, in den Verhandlungen mit dem Verband Presse-Grosso über eine neue Handelsspannenvereinbarung gemeinsame Lösung zu finden, die „effizienter in Bezug auf Kostenverursachung und Wertschöpfung“ sei.

 

 

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Alle Kommentare

  1. Der Vorsatz ist ja der Erinnerung Knecht: stark von Geburt – doch bald durch Zeit geschwächt ! (Hamlet)
    Diese „edlen Herren“ wollen also diskreminierungsfrei die Spannenverhandlungen mit dem Grosso führen…
    Welte will die Verkaufsstellen verringern (Burda braucht für seine Verluste bei den Glamour-Prozessen Kohle)
    Nienhaus will für die Bild-Gruppe als mögliche Verkaufsstelle noch die letzte Bauarbeiter-Pinkelbude.
    Die Bandbreite für Klambt und Spiegel ist also recht groß.
    Manfred Braun hat ja frühe Bauer-Erfahrungen und wird für Funke schon die oder eine Lücke finden…Grosso-Feind Bauer träumt immer noch von „besseren Zeiten“, als die vier Großverlage (plus Spiegel) kurzfristig als Kartell auftraten, um in der seinerzeitigen DDR reine Verlagsgrossi zu gründen…

    Christian G. Christiansen, Berlin

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