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Filterblasen bei der Arbeit: Warum sich viele darüber beschweren, dass die Unruhen von Paris totgeschwiegen würden

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In den sozialen Medien beschweren sich zahlreiche Nutzer, die traditionellen Medien würden bürgerkriegsähnliche Ausschreitungen in Vororten von Paris totschweigen. Dies ist aber nicht der Fall, es wurde und wird durchaus über die Vorgänge in Paris berichtet. Das Phänomen zeigt vielmehr die Macht von Filterblasen.

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Skandal! Die „Lügenpresse“, bzw. „Lückenpresse“ hat angeblich wieder zugeschlagen. Da tobt seit Tagen durch Pariser Vororte ein wilder Mob und zündet Autos an und die deutschen Medien verschweigen das, weil die Gewalt ja von Migranten ausgehe. So in etwa lesen sich die Vorwürfe, wie sie derzeit zahlreich bei Facebook und Twitter erhoben werden. Die Webseite „Tichys Einblick“ ist auch bereits auf den Zug aufgesprungen. „Die meisten deutschen Medien schweigen“, heißt es dort unter der Überschrift „Paris brûle“.

Aber stimmt das? Schweigen die meisten deutschen Medien wirklich zu den Vorfällen von Paris? Anfang Februar wurde ein junger Mann bei der Festnahme durch die Pariser Polizei verletzt. Nach seinen Angaben wurde er mit einem Schlagstock sexuell missbraucht. Die beteiligten Polizisten wurden vom Dienst suspendiert, gegen einen von ihnen wird wegen des Verdachts der Vergewaltigung ermittelt. Frankreichs Staatspräsident Hollande hat den jungen Mann zwischenzeitlich im Krankenhaus besucht.

Der Fall löste in den Pariser Vororten, in denen zahlreiche Migranten leben und die schon sehr lange als soziale Brennpunkte im Fokus stehen, eine Welle von Wut, Demonstrationen und Gewalttätigkeiten aus. All das wurde in internationalen und auch deutschen Medien berichtet, von „Tagesschau“, über „heute“ bis Spiegel Online, die FAZ, die SZ, Tagesspiegel und und und. Trotzdem hagelte es Beschwerden:

Auf Twitter wies u.a. die ARD sich beschwerende Nutzer auf bereits erschienene Berichte und die Suchfunktion hin:

Auch bei „Tichys Einblick“ hatten sie zwischenzeitlich bemerkt, dass doch über das Thema berichtet wurde und einen zweiten Artikel nachgeschoben, der nun „konkurrierende Wirklichkeiten“ erkennen will: „Erfahrbare Realität kollidiert mit produzierten Bildern des Präsidenten-Fernsehens.“ Die Kritik verschob sich also von „die meisten Medien berichten nicht“ hin zu „Obrigkeitsfernsehen gegen Bürger-TV“. Die etablierten Medien hätten mit Berichten über den Besuch des französischen Präsidenten im Krankenhaus „Hofberichterstattung“ betrieben, während das „Bürger-TV“ bei Youtube und in sozialen Medien „das brutale Geschehen aus Sicht der Betroffenen abbilden.“ So lautet der modifizierte Vorwurf. Motto: Hauptsache die klassischen Medien sind an irgendetwas schuld. Wenn halt doch berichtet haben, dann wenigstens nicht so, wie sich das die selbst ernannte Nicht-Mainstreammedien vorstellen. Dabei stimmt das auch nicht. Neben dem Präsidentenbesuch im Krankenhaus wurde durchaus auch in drastischen Bildern und fortgesetzt über die Unruhen berichtet.

Immerhin bietet der Autor dieses zweiten „Einblick“-Stücks als Erklärung für die Diskrepanz zwischen tatsächlicher und wahrgenommener Berichterstattung auch folgende Erklärung an:

Zum einen liegt das daran, dass jene Zeitgenossen, die sich von den klassischen Print- und TV-Medien verabschiedet haben, in „Sozialen Medien“ überrepräsentiert sind.

Da kommen wir der Sache vielleicht schon näher. Das Problem scheint in diesem Fall doch weniger bei den Absendern der Nachrichten zu liegen als vielmehr bei den Empfängern. Womöglich informieren sich diejenigen, die sich da über die traditionellen Medien beschweren, gar nicht mehr bei den traditionellen Medien. Sie sind dann aber schnell auf Zinne, wenn es darum geht, gegen die angebliche „Lückenpresse“ auszuteilen. Willkommen in der Filterblase von Social Media.

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Alle Kommentare

  1. Bei all dem oberflächlichen Trump-Bashing und dem Gelaber über die Wohltaten der Zuwanderung bleibt eben nur am Rande Platz für die Unruhen. Vom journalistischen Pack traut sich eben keiner in die Ghettos der friedliebenden französischen Kulturbereicherer. Da genügt als Aufhänger der mühsam aufgetriebene syrische Arzt, der in deutschen Flüchtlingsunterkünften Bonbons und Pflaster verteilt, worauf der Schwenk folgt und die Pariser Unruhen in den muslimischen Ghettos mit dem französischen Imperialismus der 50er erklärt wird. Natürlich darf auch nicht die Weisheit fehlen, dass dem französischen Untermenschen eben die den Deutschen eigene Gründlichkeit und Überlegenheit bei der Integration von bildungsfernen Proletariern aus dem arabisch-muslimischen Raum fehlt. Und dann bleibt ja noch der Putin, der irgendwie vermutlich hinter Allem stecken könnte. Da hat man noch nicht mal Zeit über die größten Kapitalabflüsse aus griechischen Banken in den letzten zwei Jahren zu berichten. Man will eben den Pöbel nicht zu sehr verwirren. Hat er doch immer öfter die Vermutung, dass hinter den täglichen Gewalttaten in den deutschen Fußgängerzonen etwas anderes stecken muss, als die omnipräsenten „Männer“ der deutscher Qualitätsmedien.

  2. Ja es wird vereinzelt berichtet, aber längst nicht in dem Ausmass wie diese Ereignisse es verdient hätten und das ist in meinen Augen erst recht ein Mittel zur Verharmlosung.

  3. Google News aggregiert Presseartikel d.h. es reflektiert die Bedeutung, die einem bestimmten Ereigniss z.B. in deutschen Medien zugeordnet wird.

    Ich musste die französische Version von Google News bemühen um überhaupt einigermaßen qualifizierte Informationen über die Ereignisse in Frankreich zu erhalten. Normalerweise werden wichtige internationale Ereignisse in der deutschen Google-News-International-Kategorie dargestellt. Habe jedoch nichts dazu dort gefunden. Auch heute nicht. Soeben wieder getestet.

  4. Also in den Öffentlich-Rechtlichen wurde das Thema nur am Rande erwähnt. Klar, es gab einen sehr kurzen Artikel auf tagesschau.de heute Morgen, aber der hat wahrscheinlich deutlich weniger Klicks als die tagesschau und tagesthemen Zuschauer. Außerdem sind die Öffentlich-Rechtlichen Wiederholungstäter. Die Demonstrationen gegen Hollandes Arbeitsmarktreformen wurden auch nur am Rande erwähnt. Einzig beim Thema Terrorismus kann man den Öffentlich-Rechtlichen nicht vorwerfen zu wenig über Frankreich berichtet zu haben.

  5. Gerade auf „Die Welt“ online – die gesamte Startseite erwähnt Paris mit keinem einzigen Artikel. Aber mehrfach Trump und unter Ausland irgendetwas mit chinesischen Reisebeschränkungen bei Schulden. Spiegelonline dito – nichts.

    Das ist doch Augenwischerei wenn man einmal in X Tagen was zu anhalten gewalttätigen Ausschreitung schreibt aber jeder Furz von Trump 3 kritische und mahnende Kommentare erzeugt.

    Das hat nichts mit Filterblase zu tun, sondern mit den Medienpräferenzen. Es ist halt gerade angesagt gegen den bösen Trump zu hetzen und Migrantengewalt thematisieren ist stimmungstechnisch blöd. Also schreib ich meine Trump-Hetzartikel oder irgendeinen unauffälligen Nonsens.

    DAS ist es, was die „besorgten Bürger“ erst nervt und schlussendlich massiv erzürnt, weil man das Gefühl hat, das einem nur die genehmen Geschehnisse der Welt erzählt werden sollen und anderes, dass gerade nicht in die politische Agenda passt, einfach nur unter ferner liefen kurz erwähnt wird, am Besten noch mit Hinweis, da jetzt nicht zu extrapolieren.

    Doch genau das, wird bei jeder Trump-Bewegung o.ä. eben auch gemacht: Extrapoliert.

    Und mit dieser Haltung gewinnen die Medien auch niemanden mehr zurück sondern verlieren immer mehr, vorallem Leser, die evtl mit dem einen oder anderen Artikel der Vergangenheit nicht übereinstimmten aber trotzdem beide Seiten einer Situation beleuchtet bekamen (z.B. mit Kommentar-Battles Pro/Contra in der Welt). Aber die Ausgewogenheit ist einfach nicht mehr da.

    Den Höhepunkt markierte dann ein Bericht über den „Selbstversuch Breitbart“. Da wurde der Webseite doch vorgeworfen, dass die einfach Fakten schreiben und gar keine moralisierende Wertung (nicht mal in ihrem „rechten“ oder „konservativen“ Spektrum) dabeischreiben würden. Aber dafür wären ja dann die ganzen „Naziuser“ zuständig in den Kommentaren.
    Ich frage mich ernsthaft, wie man eine Berichterstattung mit Fakten, original-Videoschnipseln etc als „Rechtsradikal o.ä.“ bezeichnen kann. Natürlich ist die Themenauswahl mehr konservativ ausgerichtet, aber das Gegenteil gibts doch ebenso. Kann mich aber kaum erinnern, dass es Medien in den letzten Jahren bei einfachen Tatsachenberichten beliessen. Da war immer eine wertende Meinung dabei.

    Es wird in jeder Erwähnung der AFD „rechtpopulistisch“ erwähnt. Ich habe allerdings noch kein „linkspopulistisch“ im Zusammenhang mit so Gummibegriffen wie „soziale Gerechtigkeit“ gehört, dabei ist es genau das.

    So lange die Medien immer noch versuchen, die Missetaten der Linken kleinzureden (z.b. zum Tod von Fidel Castro) und alles rechte als aufzublasen, („Hassrede“ aber ACAB ist Meinungsfreiheit) wird man sie nicht ernst nehmen als ernsthafte Aufklärer, sondern als Kollaborateure der Linken.

  6. Die Berichte über die Unruhen in Frankreich werden in keiner Weise der Bedeutung gerecht. Frankreich ist uns in mancher Entwicklung voraus, wahrscheinlich irreversibel. Dieses Bild wird in den Medien durch quantitative Einschränkungen und „einordnende“ Begründungen der Krawalle ähem „Proteste“ relativiert. Ach ja, da ist doch einer vergewaltigt worden… In D. übrigens von „lokaler“ Bedeutung und jüngst mit Bewährungsstrafe geahndet. Die heftigsten Bilder werden nicht gezeigt, obwohl es genug gibt – könnte den dt. Wähler verunsichern und man würde den „Falschen“ helfen. Wenn in Posemuckel jemand mit Muschihut rumläuft, oder in den USA gegen eine Pipeline demonstriert wird, dann gerne 5 Minuten in der Tagesschau. Wenn in Freiburg eine Frau abgemurkst wird und die „Falschen“ eine Mahnwache abhalten, zeigen die genannten Medien die Demo der „Richtigen“ gegen die „Falschen“,die ja die Tat eines „Traumatisierten“ nur instrumentalisieren wollen. Und Sie machen bei diesem Spiel fleißig mit.

  7. Sehr geehrter Herr Winterbauer,
    Ihr Artikel zeugt leider nicht von Qualitätsjournalismus.
    Schwarz oder weiss?!
    Neben der „qualitativen“ gibt es auch eine „quantitative“ Berichterstattung. Damit meine ich die Beitragslänge und Beitragshäufigkeit einer Berichterstattung über ein Ereignis, die die Reichweite bestimmen.
    Dass „Tagesschau“, „heute“, SPON, FAZ, SZ, Tagesspiegel, vielleicht ein- oder zweimal über die Zustände in Paris berichteten, wird der Tragweite dieser Unruhen in den Pariser Stadtvierteln sicher nicht gerecht.
    Frankreich ist schliesslich unser Nachbarland und Paris die Hauptstadt.
    Die vorgebrachten Beschwerden sind folglich, zumindest meiner Ansicht nach, durchaus angebracht.

  8. Mein Eindruck ist/war auch, dass es im Gegensatz zu den Unruhen vor ein paar Jahren nebenbei erwähnt wurde,
    mit sowenig Output und Häufigkeit, dass man schon auf besagte Idee kommen kann.
    Gab nichtmal die obligatorische Phoenixrunde dazu 🙂

  9. Bravo, Herr Winterbauer! Gute Argumentation, gute Belege, gute Schlussfolgerung.

  10. Das nicht berichtet wurde stimmt nicht. Aber die Berichterstattung wurde gemessen an dem, was da gerade passiert, schon sehr niedrig gehängt. Da wurde ja schon viel ausführlicher über kleinere Ausschreitungen in den USA bercihtet, obwohl Frankreich unser Nachbarland ist und von dem Problemklientel dort mittlerweile auch immer mehr bei uns leben.

  11. Das müssen die eben aushalten! Und wenn es mal Ärger gibt, einfach den Wagen wechseln!

    Bunte Vielfalt, Herzlichkeit und Lebensfreude bis der Arzt kommt

  12. Dieser peinliche „Propaganda Artikel“ wird ihnen jetzt aber von 95% aller Leser argumentatorisch um die Ohren geschlagen… Wetten Das?

    Einen Reisebus voller koreanischer Touristen zu überfallen, diese auszurauben und zu misshandeln, hat nichts mit „Protest gegen Polizeigewalt“ zu tun…

    Die ganzen Unruhen und Gewalttaten schwarzer, arabischer muslimischer Männer hat nichts mit „Protest“ zu tun… und das wissen sie auch!

    1. Wischen Sie sich bitte den Schaum vom Mund. Im Text steht was von einer Welle von Wut, Demonstrationen und Gewalttätigkeiten. Es geht hier um den Vorwurf, dass nicht berichtet wurde.

      1. Respekt Herr Hinterbauer, das sie zumindest den Mut haben, sich ab und zu der Kritik ihrer Leser zu stellen… das zumindest zeichnet sie aus…
        …und auch der eine oder andere kritische Artikel in der Vergangenheit.
        Aber das reicht nicht. Ein Schwalbe macht noch keinen Sommer, einzelne kritische Artikel, keinen System-Change.
        Das sind dann leider nur „Einzelfälle“!

        Wer sich wirklich informieren will, über die rassistischen, fremdenfeindlichen Ausschreitungen muslimischer schwarzer Invasoren, der muss andere Seiten lesen:
        -Junge Freiheit
        -Epoch Times
        -Freie Welt
        Selbst bei rt-deutsch phantasieren sie von „Proteste gegen Polizeigewalt“!
        Leider fragt niemand, warum die französische Regierung nichts gegen die Verbrecher unternimmt, den Ausnahmezustand haben sie doch längst.

        (gekürzt. Unterlassen Sie direkte oder indirekte Aufrufe zu Gewalt.)

    2. Ich finde die Argumentation im Artikel schlüssig. Wenn jeder dritte Artikel in meinem Facebook oder Twitter Feed sich mit den Ausschreitungen in Paris beschäftigt die Tagesschau aber nur 2 Minuten darauf verwendet, dann ist da natürlich eine Diskrepanz. Daher haben Menschen das Gefühl, dass in dem einen Medium zu wenig berichtet wird.

      Meistens hilft es ja doch einen Artikel zu lesen, bevor man seinen Empörungskommentar einfügt. Erspart Peinlichkeiten wie Ihren Erguss oben.

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