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Wenn Chefredakteure sauer werden: Playboy-Chef wirft Süddeutscher Zeitung die Verbreitung „alternativer Fakten“ vor

Wirft der SZ die Verwendung „alternativer Fakten“ vor: Playboy-Chefredakteur Florian Boitin
Wirft der SZ die Verwendung "alternativer Fakten" vor: Playboy-Chefredakteur Florian Boitin

Die Süddeutsche Zeitung hat sich offenbar einen falschen Hasen gebacken – zumindest wenn es nach Florian Boitin geht. Der Chefredakteur der deutschen Playboy-Ausgabe wirft der Tageszeitung vor, in einem Artikel über die US-Ausgabe unsauber recherchiert zu haben und geht sogar so weit, die Verwendung "alternativer Fakten" anzuprangern.

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Der Playboy, der in den USA vor einem Jahr nackte Models aus dem Heft verbannt hatte, macht die Rolle rückwärts und kehrt zu alter Offenherzigkeit zurück. Die Rückbesinnung auf, naja, alte Werte oder – wie der deutsche Chefredakteur gerne sagt – „Enthüllungsjournalismus von seiner schönsten Seite“ machte erneut weltweit Schlagzeilen. So widmete auch die Süddeutsche Zeitung dem Männermagazin ihren Aufmacher im Medienressort und schrieb unter der Überschrift „Ein Hauch von nichts“ über die Kehrtwende des US-Playboy, seine Geschichte und die aktuellen Entwicklungen im hart umkämpften Zeitschriftenmarkt – die angesichts der Erotik-Konkurrenz im Netz alles andere als rosig aussieht.

So schrieb die SZ, dass es dem „modernen Männermagazin“ eben auch nicht anders gehe „als dem modernen Mann“. Einem dieser Männer gefiel der Artikel gar nicht: Deutschlands Playboy-Chefredakteur Florian Boitin. Der Artikel sei „leider Quatsch“, wetterte er am Mittwoch bei Facebook. „Schon die These, der US-Playboy kehre zur Barbusigkeit zurück, da er am Zeitgeist gescheitert sei, oder gar an der Unentschlossenheit des ‚modernen Mannes‘ ist nonens.“ Insgesamt sei der Text voller „Ungenauigkeiten“ und sogar – Hasenohren gespitzt – „alternativer Fakten“. Eine harsche Kritik: Der Terminus hat sich mittlerweile als Synonym für bewusst falsche Informationen etabliert und stammt von Kellyanne Conway, Beraterin des US-Präsidenten Trump. Sie sprach von „alternative Facts“ als die US-Regierung die in den Medien kursierenden Zuschauerzahlen der Amtsvereidigung von Präsident Trump bestritt und wiederum den Medien bewusste Lügen vorgeworfen hatte.

Nachdem in den Kommentaren zu seinem Facebook-Post die Verwendung des Begriffes kritisiert wurde, verweist Boitin darauf, ihn „bewusst pointiert eingesetzt“ zu haben. Und fragt: „Wo verläuft aber die Grenze zwischen bewusst verbreiteter Unwahrheit und dem bewussten Verzicht auf journalistische Standards wie Recherche und Wahrheitsfindung?“

Die erste Ausgabe erschien 1953: Marylin Monroe war das Cover-Girl

Weiter wirft er der Süddeutschen Zeitung vor, falsch über historische Ausgaben des Magazins recherchiert zu haben. So hat die SZ unter anderem behauptet, dass in der ersten Playboy-Ausgabe von 1953 Frauen keine nackten Frauen zu sehen gewesen seien. „Richtig ist, dass schon die allererste Playboy-Ausgabe im Jahre 1953 die DNA des Magazins trug“, schreibt Boitin. Cover-Girl der ersten Ausgabe war damals niemand geringeres als Marylin Monroe, die sich auf der Titelseite tatsächlich vergleichsweise zugeknöpft gezeigt hatte. Im Heftinnern aber zeigte sich Monroe offener: „Auf den inzwischen zu Ikonen gewordenen Fotos trägt die junge Schauspielerin und Titellady Marilyn Monroe nichts außer ihrem guten Namen“, so Boitin. Gleiches wirft der Chefredakteur im Fall des Cover-Models Kate Moss vor, die sich – wie viele andere Models – 2013 ebenfalls angezogen auf dem Titel präsentierte.

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Der SZ-Journalist mache sich „völlig frei“ von der Wahrheit, so Boitin. „Auch beim Thema ‚Zahlen‘ hat der SZ-Kollege seine Hausaufgaben nicht gemacht (oder gehört beim Traditionsblatt die Recherche nicht mehr zum beruflichen Standard?)“. Gemeint ist der Absatz über Hugh Hefners ehemalige Playboy-Villa, die vergangenes Jahr für 100 Millionen US-Dollar verkauft wurde.  In der SZ-Version ist Playboy-Erfinder Hefner noch immer in Besitz der Immobilie und wolle sie für 200 Millionen US-Dollar an einen neuen Eigentümer geben. „Einfach ärgerlich, wenn einem die Wahrheit die schönere Geschichte kaputt macht, gell, lieber David Pfeifer, …“, schließt Boitin seine Kritik, die bislang unbeantwortet blieb.

Update: Katharina Riehl, Leiterin der Medien-Seite der SZ, nimmt zu den Vorwürfen von Playboy-Chefredakteur Boitin wie folgt Stellung:

„Richtig ist, dass wir uns beim Alter von Coopner Hefner um ein Jahr vertan haben, das habe ich online mittlerweile korrigieren lassen. Auch richtig ist, dass aus dem Text nicht hervorgeht, dass die Playboy-Mansion inzwischen verkauft ist. Der Autor zitierte aus einem Artikel Daily Mail, der über die Situation des Playboy referierte – dass sich da inzwischen etwas getan hat, hätte man noch explizit erwähnen sollen.

Nicht richtig sind allerdings die Vorwürfe zu den angeblich falsch beschriebenen Cover-Girls des Playboy: Sowohl Marilyn Monroe war auf dem ersten Cover bekleidet als auch Kate Moss auf dem Cover von 2013. Beide Titelbilder lassen sich ohne weiteres googeln. Im Heft ist Monroe nackt gezeigt, der ganze Text handelt aber ja von der Cover-Politik des Playboy.

Es ist natürlich immer misslich, wenn Texte kleine Fehler enthalten, darüber ärgern sich auch David Pfeifer und ich. Dass aufgrund einer falschen Altersangabe aber von ‚alternativen Fakten‘ oder ‚Fake News‘ gesprochen wird, finde ich ehrlich gesagt in der wichtigen Debatte zu diesem Thema nicht zielführend.“

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