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„Deutlich über ARD-Kosten“: Rechnungshof moniert zu teure Til Schweiger-„Tatort“-Produktionen des NDR

Im Interview mit Bild schießt „Tatort“-Kommissar Til Schweiger (Foto) gegen die Kritik des Hamburger Rechnungshofes zurück
Im Interview mit Bild schießt "Tatort"-Kommissar Til Schweiger (Foto) gegen die Kritik des Hamburger Rechnungshofes zurück

Der Hamburger Rechnungshof geht in seinem Jahresbericht 2017 mit dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) hart ins Gericht. Demnach sind die "Tatort"-Produktionen des NDR mit einem durchschnittlichen Budget von 1,7 Millionen Euro spürbar kostspieliger als der ARD-Schnitt. Das scheint nicht zuletzt an den Event-Krimis mit TV-Kommissar Til Schweiger alias Nick Tschiller zu liegen.

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Der „Tatort“ lockt regelmäßig bis zu neun Millionen Zuschauer vor die Bildschirme – jedes Jahr zeigen die ARD-Anstalten 43 bis 48 neue Folgen der beliebten Krimi-Reihe. Und das kostet natürlich Geld. Vor allem, wenn die Produktionen aus dem Norden kommen – wie nun der Hamburger Rechnungshof in seinem Jahresbericht für 2017 moniert:

Die Produktionskosten des NDR übersteigen die veranschlagten Beiträge regelmäßig, teilweise bis zu 20%. Sie lagen damit deutlich über den durchschnittlichen ARD-Kosten.

Dieser hat mit den Kontrollstellen aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein die Ausgaben für neun der 18 „Tatort“-Produktionen zwischen 2012 und 2014 vom NDR in Auftrag gegebenen Krimis geprüft. Das Ergebnis: Die „Tatort“-Produktionskosten des NDR schlagen mit durchschnittlich 1,7 Millionen Euro Budget deutlich teurer zu Buche, als bei den anderen ARD-Anstalten – die rund 1,5 Millionen Euro für eine Folge der Krimi-Reihe ausgeben.

Besonders bei einer Folge seien die Kosten explodiert. Demnach übertraf die teuerste „Tatort“-Produktion mit 2,1 Millionen Euro den Durchschnitt der ARD um 40 Prozent. „Der NDR begründet die über dem Durchschnitt liegenden Kosten mit der Verpflichtung besonders bekannter und deshalb kostenintensiver Schauspieler, Drehbuchautoren und Regisseure, die zur Reichweitensteigerung der NDR Tatortproduktionen beitragen sollen“, heißt es in dem Bericht. Nach Informationen des Hamburger Abendblatts handelt es sich hierbei um den „Tatort: Der große Schmerz“, dem dritten Haudrauf-„Tatort“ mit Hamburger Kommissar Nick Tschiller (Til Schweiger) und Schlager-Star Helene Fischer.

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„Der NDR hat nicht den Anspruch, alle seine ‚Tatort‘-Produktionen mit dem gleichen Budget auszustatten“, rechtfertigt sich NDR-Sprecher Martin Gartzke gegenüber der Zeitung. Zudem setze der NDR bewusst auf herausragende Besetzungen seiner „Tatort“-Produktionen, was „für die Schauspielerinnen und Schauspieler, ebenso wie für Buch und Regie“ gelte.

Argumente, die der Hamburger Rechnungshof nicht gelten lässt: „Die Rechnungshöfe weisen darauf hin, dass auch die Tatortproduktionen anderer Sendeanstalten mit hochkarätigen Darstellern besetzt sind, und halten darüber hinaus den Anteil der Regie- und Drehbuchhonorare in Relation zu den Gesamtaufwendungen der Produktionen von regelhaft unter 5% für vernachlässigenswert.“

Auch die hohe Reichweite der NDR-„Tatort“-Produktionen  – „Insgesamt haben in den Jahren 2012 bis 2015 zehn ‚Tatorte‘ die Zehn-Millionen-Marke übertroffen – ein in dieser Breite herausragender Wert“, so Gartzke – sieht der Rechnungshof nicht gerechtfertigt. „Die vom NDR erhoffte Reichweitensteigerung durch kostenintensivere Produktionen wird im Übrigen nicht durchgängig durch die Reichweitenmessung bestätigt.“ Und da ist, zumindest im Fall von Til Schweiger, durchaus was dran – sackten die Zuschauerzahlen innerhalb von vier Filmen doch von 12,74 Mio. auf 7,69 Mio. ab.

Des weiteren hat der Hamburger Rechnungshof mangelnde Transparenz bei den Kosten der Produktionsfirmen moniert: „Pauschale Abschläge, die der NDR im Rahmen seiner Prüfungen vornimmt, werden von ihm nicht begründet dokumentiert. (…) Die Rechnungshöfe halten dieses Verfahren für inhaltlich unzureichend, nicht ausreichend transparent und nicht hinreichend gegen Korruption gesichert.“ Gerade vor diesem Hintergrund der hohen Produktionskosten, habe der Rechnungshof den NDR daher aufgefordert, „nachvollziehbare Kriterien für die Überprüfung der Kalkulation zu entwickeln, durchgeführte Preisvergleiche zu dokumentieren und angemessene Vorsorge gegen Korruption zu treffen.“ Dazu NDR-Sprecher Martin Gartzke gegenüber MEEDIA: „Der NDR hat die Rechnungshöfe ferner darauf hingewiesen, dass bei der Prüfung der Kalkulationsunterlagen ein striktes Vier-Augen-Prinzip gilt und direktionsübergreifend durch Produktion und Redaktion erfolgt.“

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