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Zoff für Freenet-Tochter: Bundesnetzagentur untersagt Media Broadcast vorläufig neue Preise

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Ärger für die Freenet-Tochter Media Broadcast: Die Bundesnetzagentur hat dem Kölner Bild- und Hörfunk-Dienstleister vorerst untersagt, ab April neue Preise für die Übertragung von UKW-Signalen an Radiostationen einzuführen. Die Bundesnetzagentur hatte jüngst die Preisgestaltung des Kölner Anbieters unter die Lupe genommen. Grund für die jetzige Maßnahme der Regulierungsbehörde sind Fälle unter anderem von Preis-Höhen-Missbrauch.

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Es war ein Mega-Coup für Freenet: der Mobilfunkbetreiber kaufte im vergangenen Jahr für 295 Millionen Euro die Kölner Media Broadcast Gruppe. Freenet verschaffte sich hierdurch auf einen Schlag ein Standbein ins Fernsehgeschäft, da die Gesellschaft TV-Programme überträgt. Doch die Media Broadcast verfügt noch über einen weiteren Firmenzweig: das Hörfunkgeschäft. So verdient das in der Branche als Quasi-Monopolist geltende Unternehmen Geld damit, dass es die Hörfunksignale von den UKW-Stationen überträgt. Einzige Crux: Die Höhe des Entgeltes, die die Kölner und andere Branchenteilnehmer hierfür erheben können, muss von der Bundesnetzagentur abgenickt werden.

Jetzt macht die Bundesnetzagentur dem nordrhein-westfälischen Unternehmen bei ihrer Preisgestaltung an ihre Kunden einen Strich durch die Rechnung. Wie die Bundesnetzagentur vor wenigen Minuten bekannt gibt, verstößt die Gesellschaft in 14 Fällen „gegen das Verbot eines Preishöhenmissbrauchs zu Lasten der betroffenen Programmanbieter“. In weiteren 40 Fällen verstößt das Unternehmen gegen das Verbot sogenannter Preis-Kosten-Scheren. „In diesen Fällen reicht die Spanne zwischen dem Entgelt für die Antennen(mit)benutzung und den Entgelten für die Ausstrahlung der UKW-Rundfunksignale offenkundig nicht aus, um einem effizienten Unternehmen die Erzielung einer angemessenen Verzinsung des eingesetzten Kapitals zu ermöglichen“, teilt die Bundesnetzagentur mit. Die Regulierungsbehörde hatte erst vor Kurzem die Preise von 67 von 102 Radiosendern unter die Lupe genommen, die die Kölner unter Vertrag haben. Zum Hintergrund: Media Broadcast hatte angekündigt, ab April von den Stationen neue „Entgelte“ für ihre Leistungen zu erheben.

In Branche kursierten bereits seit Längerem Gerüchte, dass die Regulierungsbehörde Fälle von Preis-Höhen-Missbrauch sowie Dumpingpreisen oder im Regulierungsdeutsch einer „Preis-Kosten-Schere“ untersucht. Im ersten Fall geht es darum, dass die Kölnern möglicherweise von Radiosendern in einigen Regionen deutlich überhöhte Endkundenpreise verlangen könnten, weil es dort kaum Wettbewerber gibt. Im Fall der Preis-Kosten-Schere kontrolliert die Bundesnetzagentur, ob der Dienstleister in bestimmten Regionen Dumpingpreise anwendet, um neue aufstrebende Wettbewerber wie der Düsseldorfer Uplink einen Markteintritt zu erschweren. Dies wäre möglich, wenn die Kölner die Schere zwischen den Kosten für Vorleistungen – wie die Nutzung von Antenne an die Deutsche Funkturm – und dem Endkundenpreis für die Radiostationen so klein halten, dass ihnen hierdurch kein neuer Wettbewerber ins Geschäft grätscht.

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Marktgerüchte, dass die Media Broadcast in Bayern die Preise für Radiostationen erhöhen will, weist der Übertragungsdienstleister allerdigs zurück. „Weder in Bayern noch bundesweit will Media Broadcast die Entgelte für Radioanbieter erhöhen. Das Gegenteil ist der Fall und drückt sich auch in den gegenüber der Bundesnetzagentur angezeigten gleichbleibenden Entgelten für Radioveranstalter aus“, so ein Unternehmenssprecher. Media Broadcast sei „an einer Preisstabilität im Markt gelegen.“ Ansonsten macht die Gesellschaft keine Angaben zu ihrer Preisgestaltung.

Inzwischen nehmen immer mehr Radiostationen den Sendebetrieb in die eigenen Hände. Dazu gehören nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk Radiostationen aus Hamburg, Cuxhaven, Kiel und Konstanz: „Es handelt sich um Maßnahmen, um jeweils die (Mit)Benutzung bei der Media Broadcast zu beenden, so dass nicht mehr die Vorleistungspreise zur Anwendung kommen. Vielmehr wurden die notwendigen Flächen beim Standortbetreiber angemietet und die Antennen selbst erworben und montiert, erklärt der Verband.

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