Rückläufige Abos, schwieriges Werbegeschäft: Wie der Weser Kurier weiter Kurs im Norden halten will

Moritz Döbler, Chefredakteur des Weser Kurier
Moritz Döbler, Chefredakteur des Weser Kurier

Hohe Arbeitslosenquote, viele Single-Haushafte, ein hoher Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund - für den Verkauf des Weser-Kuriers in Bremen sind die Rahmenbedingungen schlecht. Die Abo-Auflage des Regionaltitels ist seit Jahren rückläufig, das Werbegeschäft weiter unter Druck. Um den Ertrag zu verbessern, lotet der norddeutsche Verlag nun neue Magazine und Digitalbeteiligungen aus.

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In Bremen ist der Weser-Kurier einer der wichtigsten Lokalzeitungen. Wie alle Regionaltitel leidet auch das zur Bremer Tageszeitungen AG (BTAG) gehörende Produkt unter Auflagenrückgängen. Waren es im 4. Quartal 2014 noch 154.693 verkaufte Exemplare, sind es im vergleichbaren Vorjahresquartal nur noch 144.158 Stück. Von dem Rückgang ist auch die wichtige Abo-Auflage betroffen. Sie sank von 137.465 Exemplaren (4. Quartal 2014) auf 127.366 (4. Quartal 2016).

Und die Aussichten, dass sich dieser Trend umkehrt, scheinen nicht gegeben – dies zumindest erwartet der BTAG-Vorstand. „Für das Jahr 2016 und 2017 wird mit einem Rückgang der gedruckten abonnierten Auflage von etwa 4 Prozent ausgegangen“, schreibt das Management des norddeutschen Zeitungshauses in seinem Prognosebericht für 2016, der sich im vor Kurzem veröffentlichten Jahresabschluss für 2015 wiederfindet. Grund für diese Entwicklung seien die Rahmenbedingungen, unter denen der Weser-Kurier leidet. „Die Stadt Bremen weist eine überdurchschnittliche Arbeitslosenquote aus, der Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund und die Anzahl von Singlehaushalten liegen in Bremen über dem Bundesdurchschnitt“, bemerkt der Vorstand.

WESER-KURIER Gesamtausgabe Mo-Sa

Dennoch rechnet die Führungsspitze für 2016 mit „einem ausgeglichenen bis leicht positivem Ergebnis.“ Belastet wird dies durch die zweite Stufe des gesetzlichen Mindestlohns. „Die Kostenbelastung für 2016 wird etwa 300.000 Euro betragen und soll in den Folgejahren durch Bezirksoptimierungen und Synergien aus der gemeinsamen Zustellung verschiedener Tageszeitungstitel und Magazinen in Teilen ausgeglichen werden“, so der Vorstand. Einen leichten Zuwachs erwartet das Management bei den Werbeerlösen in 2016 auf 29,9 Millionen Euro. Mittelfristig rechnet der Vorstand jedoch damit, dass die „Werbeerlöse im klassischen Anzeigengeschäft der Tageszeitung in den kommenden Jahren weiterhin leicht rückläufig sein werden“.

Der Verlag will deshalb gegensteuern. Geplant ist unter anderem den Kurier der Woche weiter zu entwickeln oder „neue Journale“ auf den Markt zu bringen. Stark ausgebaut werden soll zudem das digitale Geschäft. So wolle man das Thema Paid Content im Fokus behalten, heißt es. Zudem sucht die Führungsspitze im Digitalbereich nach geeigneten Beteiligungen und Kooperationen.

In 2015 hatte die Bremer Tageszeitungen AG ein Vorsteuerergebnis von mehr als 235.000 Euro erzielt, nachdem das Unternehmen 2014 mit mehr als 3 Millionen Euro tief in die Verlustzone steckte. Wie sich das Ergebnis in 2016 endgültig entwickelt, will der Vorstand nicht mitteilen. Das Unternehmen sei „gerade dabei den Jahresabschluss aufzustellen und das Recht, die Ergebnisse und Entwicklungen als Erstes übermittelt und erläutert zu bekommen, haben unser Aufsichtsrat und unsere Aktionäre“, heißt es. „Im Übrigen ist es bei uns als familiengeführten Verlag nicht üblich ist, sich öffentlich über die Finanzzahlen des Unternehmens zu äußern. Wenn wir etwas mitzuteilen haben, tun wir dies über entsprechende Pressemitteilungen“, bemerkt der Vorstand auf MEEDIA-Anfrage.

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