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UX-Expertin Rein über neues junges Bild-Portal: „Noizz debütiert überzeugend“

UX-Expertin Raffaela-Rein über Noizz
UX-Expertin Raffaela-Rein über Noizz

Nach dem Misserfolg von Celepedia ist seit wenigen Tagen mit Noizz ein neues Angebot von Bild.de online. Im Kampf um die Aufmerksamkeit junger Zielgruppen soll es der Neuling mit Vice oder auch Bento aufnehmen. Für MEEDIA hat sich die UX-Expertin Raffaela Rein, Gründerin und Geschäftsführerin von CareerFoundry, einmal Aufbau und Design von Noizz angesehen.

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Von Raffaela Rein

Das Layout fällt nicht besonders auf: Der “Stil”, die Navigationsleiste, das Logo und die Menü-Items sind übersichtlich, aber sie sind nicht so außergewöhnlich, dass sie per se auffallen. Das muss nicht zwangsläufig schlecht sein. Noizz wirkt dadurch sofort vertraut und nicht aufdringlich. Auffällig ist, dass in der oberen Navigationsleiste zwei Facebook-Buttons auftauchen. Nicht weil das ungewöhnlich ist, sondern weil – anders als Bento oder Vice – Noizz hier mit Call to Action-Buttons und nicht, wie es eigentlich üblich ist, mit Logos der Social Media-Angebote arbeitet. Eins kann man Noizz nicht vorwerfen: Die Seiten-Macher machen sich keine große Mühe, Werbung zu verstecken. Banner für die verschiedensten Angebote sind schnell sichtbar. Ob das bei der jungen Zielgruppe, die Native Advertising gewohnt sein sollte, wirklich erfolgsversprechend ist?

Bleiben wir beim Medien-Verhalten von Jugendlichen: Die Aufmerksamkeitsspanne ist niedrig. Visuelle Inhalte sind daher enorm wichtig. Vice lenkt in der Artikelansicht nicht vom eigentlichen Thema durch Banner, die auf andere Artikel verweisen ab, sondern zieht durch große Bilder tiefer ins Thema rein und teasert auch textlich im knapp Stil. Noizz hingegen widmet ein Drittel der Seite für andere Themen und schafft so eine sehr gelungene Cross-Verlinkung, überfordert aber auch seine jungen Nutzer. Der Teaser ist, anders als bei Vice, sehr kurz und knapp und verrät wenig, macht aber neugierig. Man stellt sich vor allem durch die Social-Buttons gleich zu Beginn aus UX-Perspektive die Frage: Was soll der User nun machen? Den Artikel lesen? Oder ihn auf Facebook und Twitter teilen? Überhaupt: Twitter. Als ob deutsche Jugendliche Twitter nutzen würden. Bentos nutzt an dieser Stelle eine übersichtlichere Typografie, um Überschrift und Text klar zu trennen. Am Ende der Seite erwartet den User ein großer “Mehr” Button. Klickt man auf den den Button, lädt er genau die richtige Anzahl neuer Beiträge; nicht zu viele, nicht zu wenige. Genau richtig gemacht, Noizz!

Beim weiteren Durchklicken fällt vor allem die gut funktionierende Suchfunktion auf. Die minimalistischen Icons, die hier benutzt werden sowie die Animation beim Klicken, sind sehr gut gelungen. Hilfreich ist die Sitemap, die alle Kategorien auf einmal zeigt. Das ist sehr hilfreich und bietet nicht nur eine gute Orientierung, sondern ist auch einer der am stärksten aufgeräumten Seiten bei Noizz und somit sehr clean.

Alles in allem kein schlechter Start für Noizz. Die Seite wirkt um einiges älter als gerade gelauncht. Alles, was man als User braucht, ist da und funktioniert. Noizz braucht einen guten UI-Designer, der die Seite aufpoliert und fortlaufend anpasst. Wie Steve Krug, Autor von “Don’t Make Me Think” bereits sagte: “Designing, building, and maintaining a great Website or app isn’t easy. It’s like golf: a handful of ways to get the ball in the hole, a million ways not to. Anyone who gets it even half right has my admiration.” Noizz is mit Sicherheit mehr als nur “half right”.

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Zusammenfassung:

Die Pros:
Noizz debütiert überzeugend. Besonders die Masse an Content macht den Eindruck, als wäre es bereits ein etabliertes Portal. Die Informationsarchitektur ist schlicht und sorgt für einfaches Zurechtfinden. Die Titel auf der Startseite sind leicht zu lesen; Information und Tags machen klar, was sich hinter den Inhalten verbirgt. Bilder, die beim Drüberscrollen aufhellen, erzeugen starke Klickbarkeit. Die schwebende Navigationsleiste macht es sehr einfach, sich auf der Seite zu bewegen und es gibt einige kleine, aber feine Design-Details: Die Suchfunktion zeigt eine gute Animation. Wenn man mehr Beiträge am Seitenende anzeigen lässt, lädt sich genau die richtige Menge.

Die Cons:
Das Layout geht kaum ein Risiko ein und hebt sich daher auch nicht wirklich ab. Es gibt einen auffallenden Mangel an “White Space”. Das erschlägt und überfordert gerade die junge Zielgruppe. So ziemlich jeder Pixel schreit förmlich: “Klick mich!” – was schnell wie Spam aussieht. Die Navigationsleiste gibt die ganze Informationsarchitektur der Seite wider und versäumt dadurch ihre Inhalte einfacher zu strukturieren. Ganz allgemein fehlen der Seite die Art von Feinheiten, die Vice und auch Bento bereits besitzen. Vor allem der übermäßige Gebrauch von Social Media-Buttons und das Fehlen einer durchdachten, charakteristischen Typografie sowie eine unübersichtliche Beitragsgestaltung, gepaart mit einer mäßig intuitiven Organisation der Navigationsleiste, lassen Noizz nicht so elegant und durchdacht wie die Konkurrenz erscheinen.

 

Raffaela Rein ist die Gründerin und Geschäftsführerin von CareerFoundry, einer der weltweit größten und wichtigsten Lern-Plattformen für Menschen, die Programmieren, App-Entwicklung und UX-Design erlernen wollen. Bevor Raffaela 2013 CareerFoundry gründete, war sie unter anderem für Rocket Internet und Axel Springer tätig.

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