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Solidarität mit dem Spiegel: Charlie Hebdo lässt Angela Merkel Martin Schulz köpfen

„Spiegel-Leser außer Rand und Band“: Die aktuelle Ausgabe der deutschen Charlie Hebdo
"Spiegel-Leser außer Rand und Band": Die aktuelle Ausgabe der deutschen Charlie Hebdo

Das französische Satiremagazin Charlie Hebdo solidarisiert sich in seiner deutschen Ausgabe mit dem Spiegel. Die Satiriker nehmen die Kritik an dem Cover des Hamburger Nachrichtenmagazins aufs Korn. In Anlehnung an den Spiegel zeigen die Franzosen auf ihrer Titelseite Angela Merkel mit blutigem Messer in der einen und dem abgeschnittenen Kopf von Martin Schulz in der anderen Hand. Die Titelzeile dazu lautet: „Spiegel-Leser außer Rand und Band“.

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Damit auch jedem klar ist, worauf sich der Start-Cartoon bezieht, haben die Franzosen noch den aktuellen Spiegel-Titel mit eingeklinkt.

Sich an den Spiegel-Titel anzulehnen, sei eine Geste des Respekts gegenüber den Kollegen in Hamburg, sagte die Chefredakteurin der deutschen Charlie Hebdo-Ausgabe, die unter dem Pseudonym Minka Schneider auftritt, am Mittwoch.

„Was uns am meisten schockiert hat, war das negative Echo darauf“, sagte Schneider. „Wir finden diese Titelseite ziemlich gut.“ In ihrer Zeitschrift erklärt die Charlie Hebdo-Redaktion in einer Kolumne ihre Motive: „Den Vorwurf, gegen gute journalistische Sitten zu verstoßen, kennen wir in- und auswendig“, heißt es dort. „So sitzen wir im gleichen Boot, denn im Zentrum der Polemik, bei Euch wie bei uns, steht die Debatte um Meinungsfreiheit und die Art und Weise, wie man sie nutzt. Oder nicht nutzt.“

In ihrer Einschätzung liegen die Franzosen insofern schon richtig, dass hierzulande tatsächlich eine lebhafte Debatte um die Titelseite des Nachrichtenmagazins herrscht. Die Einschätzungen reichen dabei von „Weltklasse“ (Christoph Schwennicke), über „das Cover ist ein Erfolg“ (Ulf Poschardt) und „der Titel trifft den Punkt“ (Philipp Jessen) bis „der Titel schürt Hass“ (Helmut Markwort). Ob die Titelseite darüber hinaus gegen den deutschen Pressekodex verstößt, wird nun spätestens Ende März feststehen.

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Der Deutsche Presserat muss sich nämlich mit der Titelseite beschäftigen, auf der eine Karikatur des kubanischen Künstlers Edel Rodriguez zu sehen ist, die US-Präsident Donald Trump zeigt, der mit einer Machete die Freiheitsstatue geköpft hat. Insgesamt 16 Beschwerden gingen bis zum gestrigen Mittwoch bei den Medienwächtern ein. Diese richten sich gleich gegen mehrere Ziffern des Pressekodexes.

So sehen einige Leser die Opfer von Terroranschlägen verhöhnt, andere sehen die Menschenwürde nach Ziffer eins des Pressekodexes verletzt. Andere meinen wiederum, dass die Ziffer neun des Regelwerkes missachtet wurde. Darin heißt es unter der Überschrift „Schutz der Ehre“: „Es widerspricht journalistischer Ethik, mit unangemessenen Darstellungen in Wort und Bild Menschen in ihrer Ehre zu verletzen.“

Auf das für seine provokanten Darstellungen bekannte französische Satiremagazin Charlie Hebdo in Paris verübten islamistische Terroristen im Januar 2015 einen Anschlag. Bei dem Attentat starben zwölf Menschen. Die deutsche Ausgabe von Charlie Hebdo erscheint seit Dezember 2016. Seitdem wurde kaum über das Magazin berichtet. Die Anlehnung an den aktuellen Spiegel ist seit der Markteinführung hierzulande nun ein erstes Ausrufezeichen.

Mit Material von dpa

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Alle Kommentare

  1. Hmmm man sitze im gleichen Boot …
    Wusste ich es doch! Der Spiegel ist ne Satirezeitung!

    PS Das Spiegel-Cover auf dem Eulenfurz Blog ist aber um Längen gelungener(in meinen Augen).

  2. Gerade mit der Geschichte sollte dieses Satireblatt vorsichtig sein. Die sind mittlerweile nur noch peinlich…

  3. Charlie Hebdo tut mit seinen menschenverachtenden Karikaturen leider alles, damit sich jetzt jene Deutschen schämen müssen, die sich einst mit dem Blatt solidarisiert haben. Auch Merkel war damals in Paris. Schade um unser aller Engagement, das jetzt von „Charlie“ ad absurdum geführt wird.

  4. Also, dass das Titelbild von Charlie Hebdo eine Unterstützung für den Spiegel sein soll, kann ich nicht nachvollziehen. Ich halte es für eine ätzende Kritik an diesem Blatt.Wer nicht „Ausser (sic!) Rand und Band“ sein möchte, darf dann ja wohl nicht Spiegel-Leser sein, oder? So verstehe ich das jedenfalls. Ich war gerade in Hamburg. Man sollte das Schild „Sagen, was ist“ langsam mal aktualisieren z. B. mittels „Sagen, was sein sollte“.

    1. „Sagen, was sein sollte“

      Wohl eher

      „sagen wir wir die Welt in unserer Filterblase erträumen“

  5. Was tut man nicht alles, um beachtet zu werden. Das gilt für den Spiegel ebenso wie für Charlie Hebdo – wobei man letzterem zugute halten muss, dass es sich um ein Satire-Magazin handelt. Beide haben eines gemeinsam, sie pfeifen auf Menschenwürde und verzichten auf jegliche journalistische Ethik, vermischen internatinonale Politik mit innerdeutschen Wahlkampf und lassen jeglichen Respekt vermissen. Wo bitte schoen unterscheiden sie sich da von Trump?

  6. Zu den Titeln Spiegel, Charlie Hebdo: Mit dem Spiegel Cover muss sich der Presserat nicht zwangsläufig beschäftigen, mit dem von Charlie Hebdo schon. Der eine zeigt die geköpfte Freiheit(statue), der ander die Enthauptung eines politischen Gegners, eines Menschen. Die Macher von Charlie Hebdo verwechseln Satire mit menschenverachtender Häme – nicht zum ersten Mal.

    1. Zur Ergänzung der Beitrag des Lesers Michael Vorwerk im faz.net-Forum vom 4. Februar, also noch vor Erscheinen des neuen Hebdo-Titeks:

      „Der Humor von Charlie Hebdo erschöpft sich in aller Regel in Gemeinheiten, in der Schäbigkeit der billigen Gelegenheit und in feixenden Obszönitäten. Beispiele waren etwa die widerlichen Verhöhnungen der Opfer der Erdbeben in Italien, maßgeblich in Amatrice. Dritt-, nein: viertklassige Zeichnungen stellten eine Verbindung her zwischen den geschundenen Überlebenden, den Toten und den Bezeichnungen italienischer Speisen. (…)
      Der amerikanische Journalist Scott Sayare erläuterte Anf. 2015 in zwei lesenswerten Artikeln in The Atlantic, warum amerikanische Zeitungen bei aller Solidarität mit den Opfern des Anschlages auf Charlie Hebdo auf die Wiedergabe der talentlosen, öfters schlicht widerlichen Elaborate des Magazins und seines Enddarmhumors verzichteten.”

  7. Und am Ende jammert die Journaillie wieder über die rauhen Sitten, die man selbst eingeführt hat.
    Mal abwarten wann fake-news von der Pressefreiheit gedeckt sien sollen.

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