Erste öffentlich-rechtliche Anti-Fake-News-Einheit: Bayerischer Rundfunk testet „BR-Verifikation“

„Eine immer unübersichtlichere Flut an ‚Fake News‘ stellt uns alle vor neue Herausforderungen“, so BR-Informationsdirektor Thomas Hinrichs (Foto)
"Eine immer unübersichtlichere Flut an 'Fake News' stellt uns alle vor neue Herausforderungen", so BR-Informationsdirektor Thomas Hinrichs (Foto)

Im Kampf gegen gefälschte Nachrichten rüstet der erste öffentlich-rechtliche Sender so richtig auf. Eine "immer unübersichtlichere Flut an Fake News", Bildmanipulationen und Bots, die im Web gezielt Lügen verbreiten – "diese aktuellen Phänomene verlangen uns zusätzliche Anstrengungen ab", meint BR-Informationsdirektor Thomas Hinrichs gegenüber MEEDIA. Daher stellt der Bayerische Rundfunk nun gerade das "BR-Verifikation"-Team zusammen, das der bewussten Desinformation mit Faktenchecks und ausgeklügelter Software trotzen soll.

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„Fakten zu recherchieren, zu verifizieren und fehlerfrei darzustellen, gehört selbstverständlich traditionell zur Kernaufgabe eines jeden Journalisten, das ist unser Tagesgeschäft“, so BR-Informationsdirektor Thomas Hinrichs weiter. Allerdings: Die unübersichtlicher Flut an Fake News – „oft mit dem Ziel, einzelne Menschen oder Bevölkerungsgruppen zu diffamieren und die politische Meinungsbildung zu beeinflussen“ – stelle auch den BR vor neue Herausforderungen. Daher will der Bayerische Rundfunk nun das „BR-Verifikation“-Team, wie auch das Medienmagazin Zapp berichtet, aufbauen – sozusagen eine Anti-Fake-News-Einheit, die sich gezielt mit der systematischen Verbreitung gefälschter Nachrichten beschäftigt.

Trainingsphase bis Ende März

Zunächst wolle man in einem vierwöchigen Intensivtraining, das im Februar starten soll, vorhandene Erfahrungen bündeln: Wo ist der BR gut? Wo ist er ausbaufähig? Und welche Software ist bereits in die Workflows integriert, welche fehlt noch? Das sollen Kernfragen in der Findungsphase sein. Dabei wolle man im aber ebenfalls  herausfinden, wie das Verifikations-Team im Zusammenspiel mit den vorhandenen Redaktionseinheiten zusammenarbeitet. Der Startschuss hängt daher von den Ergebnissen der Trainingsphase ab. „Ende März werden wir es wissen“, so ein BR-Sprecher gegenüber MEEDIA. Man wolle sich die nötige Zeit nehmen, Aktionismus sei nicht die richtige Haltung.

„Ein wichtiger Partner ist für uns ARD-aktuell“

Zwar sollen die Faktenchecks und Verifikationen in die Berichterstattung des BR einfließen – in welcher Form, etwa durch eine eigene Website oder Rubrik, lasse sich allerdings noch nicht sagen. Fakt sei aber: Das „BR-Verifikations“-Team wäre immer da zur Stelle, wo die Berichterstattung des BR diskutiert wird. Und offenbar auch bei den Kollegen: „Ein wichtiger Partner ist für uns ARD-aktuell. Während des Intensivtrainings werden wir herausarbeiten, wie sich der Ansatz von ARD-aktuell und unser Ansatz gegenseitig stärken können“, so ein BR-Sprecher. Auch die ARD überlegt systematisch gegen gefälschte Nachrichten vorzugehen. Mitte Januar sei auf Basis eines Workshops ein Papier entstanden, das den Intendanten vorgelegt werden sollte: „Ob das Ergebnis dann eine ‚Anti-Fake-News-Einheit‘ bei ARD-aktuell ist, bleibt bis dahin offen“, sagte ARD-Chefredakteur Rainald Becker gegenüber MEEDIA. Eine aktuelle Anfrage von MEEDIA bleibt bisher unbeantwortet.

Mit der richtigen Software gegen gefälschte Nachrichten

Im Kampf gegen Fake News soll die neue Browser-Erweiterung „Factfox“ – die an eine agil wachsende Datenbank angebunden ist – zusätzlich eine Stütze sein. Momentan befindet sich das Tool samt Datenbank bei BR24, dem aktuellen News-Angebot des BR, in der Testphase und wird im laufenden Betrieb in Zusammenarbeit mit Fachredaktionen des BR aufgebaut.

Ein möglicher Anwendungsfall laut BR-Sprecher: BR24 berichtet über aktuelle Flüchtlingszahlen, woraufhin sich Kommentare wie „Warum kommen jetzt schon wieder so viele Flüchtlinge?“ ansammeln. Die Browser-Erweiterung würde den Redakteuren dann auf Knopfdruck ermöglichen, die Zahlen „maßgeschneidert und aktuell abzurufen und den Kommentaren entgegen zu halten“.

Noch klingen die Pläne recht vage und vor allem liegen noch immer keinerlei validen Daten vor, wie viele Fake News es gibt und ob diese hierzulande überhaupt ein ernstes Problem sind. Interessant wird es zudem sein zu beobachten, wie die Bayern denn „Fake News“ definieren.

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