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Zuschauerfragen zu Donald Trump bei „Hart aber fair“: Ferndiagnosen, aber keine echten Antworten

„Trump und wir – Experten beantworten Zuschauerfragen!“, so das Motto bei „Hart aber fair“
"Trump und wir – Experten beantworten Zuschauerfragen!", so das Motto bei "Hart aber fair"

Seit 16 Tagen ist Donald Trump im Amt; seit 16 Tagen arbeitet sich der Medienbetrieb an dem umstrittenen US-Präsidenten ab. Auch die Diskussionsrunde von "Hart aber fair" (ARD) um Frank Plasberg, die sich zum schlichten Titel "Trump und wir" in Aufklärungsarbeit versuchte: Zuschauer durften ihre Fragen nach der US-Wahl loswerden.

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Das Thema

„Trump und wir – Experten beantworten Zuschauerfragen!“, eine Ansage mit Ausrufezeichen und das eher schlicht gehaltene Motto bei „Hart aber fair“ (ARD) am Montag. Die eingesendeten Zuschauerfragen gaben den Rahmen für die Sendung vor, an dem sich Frank Plasberg und die fünf Experten entlang gehangelt haben.

Die Experten

Ina Ruck, Leiterin des ARD-Studios Washington:
„Ich habe im Moment ein Déjà-vu nach dem anderen – ich erlebe Situationen, die ich so aus Russland kenne. Das gibt mir zu denken.“ 

Jürgen Hardt (CDU), Regierungskoordinator für die transatlantische Zusammenarbeit und außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion:
„Sorgen und Ängste sind glaube ich bis in die höchsten politischen Ämter der USA spürbar.“

Prof. Marcel Fratzscher, „Top-Ökonom“ (so Plasberg) und Präsident des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung (DIW):
„Der Schaden für die deutsche Wirtschaft könnte enorm sein.“

Prof. Borwin Bandelow, Angstforscher:
„Der Angstforscher hat Angst.“

Prof. Christian Hacke, Politikwissenschaftler und USA-Experte:
„Trump testet das System aus.“

Die Zuschauerfragen

…haben offenbar Dank der sorgfältigen Redaktions-Auslese nahezu jedes strittige Trump-Thema (vom Einreiseverbot bis zu drohenden Handelskriegen) abgedeckt.

So hat etwa Renate Heim aus Köln in ihrer Videobotschaft gefragt: „Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn ein Politiker hält, was er verspricht?“ Johann Schell, ein Fabrikarbeiter aus Süddeutschland, dessen Firma viel in die USA exportiert, wollte schlicht wissen: „Muss ich mich um meinen Arbeitsplatz sorgen?“ Eine etwas facettenreichere Frage zum vorerst abgeschmetterten Einreiseverbot für sieben überwiegend muslimische Länder hatte ein deutsch-iranisches Paar: „Wer kann uns garantieren, dass diese Lockerungen auch Bestand haben und Menschen mit Greencard oder doppelter Staatsbürgerschaft in die USA reisen dürfen?“ – das Paar erwartet ein Kind, ihre iranische Mutter mit einer Greencard für die USA will die beiden besuchen.

Der Fächer an Fragen war gelungen; Moderator Frank Plasberg ließ wie gewohnt bei ausweichenden Antworten nicht locker – reichte die Fragen nicht nur zum richtigen Zeitpunkt sondern drehte die Fragen auch weiter. Ernüchternd: Auf die Fragen ließen sich eigentlich nur halbgare Antworten finden.

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Die Antworten

Die „Hart aber fair“-Redaktion hat eigentlich ein gutes Händchen bei der Auswahl ihrer Experten bewiesen, die Antworten auf die Fragen der Zuschauer finden sollten. So waren etwa CDU-Politiker Hardt und Politologe Prof. Hacke für die diplomatischen Geschicke Trumps zuständig, Fratzsche für Wirtschaft und Handel und ARD-Journalistin Ruck für die „menschelnden“ Themen.

Nur leider konnten auch die Experten keine konkreten Antworten auf Trumps Politik-Stil finden – der Umstand, dass Trump launenhaft und ohnehin erst seit 16 Tagen im Amt ist, erlaubt dies auch gar nicht. So steige laut DIW-Präsident Prof. Fratzsche unter Trump zwar das Risiko für eine Finanzkrise, doch „hunderprozentig lässt sich das nicht sagen“. Ob das Urteil eines Gerichts, das das Einreiseverbot Trumps für sieben überwiegend muslimische Länder verhängt hat, weiterhin bestand hat, konnte CDU-Politiker Hardt ebenfalls nicht beantworten. „Ich gehe davon aus“, sagte er. Auch er „habe das Gefühl“, dass der US-Kongress und das US-Ministerium mit Sorge die Twitter-Politk von Donald Trump beobachtet – konkret wurde der außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion auch hier nicht.

Daraufhin stellte Frank Plasberg eine interessante Frage in den Raum: Geht Donald Trump planmäßig vor – oder weiß er selbst nicht so genau, was er da tut? Für die ARD-Journalistin Ruck „eher letzteres“, während sich Politologe Hacke (fast) festlegte: „Trump testet das System aus. Die Schlüsselfrage, die wir aber heute nicht noch beantworten können – aktuell handelt es sich nur um Umrisse: Ist er ein Mann, der das System so austestet, das es seinen demokratischen Charakter bewahrt? Oder überschreitet er diese Linie?“ Fakt sei für ihn lediglich: Es handelt sich definitiv um Kalkül.

Und so legte der Angstforscher Borwin Bandelow – „der Angst hat“, wie er bekannte – den besten und umstrittensten Auftritt hin. Zwar scheute er nicht vor klaren Thesen zurück („Trump hat die Lizenz zum Töten“, weil er den Atomkoffer besitzt), doch sind diese zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich noch viel zu verfrüht. So schreibt etwa Jakob Biazza für die Süddeutsche Zeitung:

Bandelow ist damit auch ein Problem. Ein Problem – oder besser: ein Symptom – der Medien- und Talkshow-Branche an sich, die unbedingt klare und einfache Antworten auf Fragen will, auf die es (noch) keine klaren und einfachen Antworten gibt.

Das Thema lade zu Spekulationen und Ferndiagnosen aller Art ein – wirklich sicher könne man sich bei keiner der Fragen und Antworten sein, so Biazza weiter. „Am Ende landet man doch quasi immer wieder am selben Punkt: in Trumps Kopf. Und da wird es eben schwierig.“

Die Sendung

…war als große Aufklärungsarbeit angelegt. Das ist insofern erfrischend, weil nicht das obligatorische Trump-Bashing im Vordergrund stand,  sondern die Fragen der Zuschauer – ebenfalls eine willkommene Abwechslung, die bereits das „Hart aber fair“-Spezial zum ARD-Abstimmungs-Event „Terror – Ihr Urteil“ maßgeblich aufgewertet hat.

Das Problem: Zwar bemühten sich die Experten redlich, echte Antworten gab es aber nicht. Das ist nicht verwunderlich; der temperamentvolle Haudrauf-Politiker ist kaum zu (er-)fassen – schon gar nicht nach erst 16 Tagen im Amt. Und so spekulierte und orakelte auch die Expertenrunde über die Amtszeit von Donald Trump, hielt vieles für „wahrscheinlich“ oder „schwer zu sagen“.

Eigentlich hat Moderator Frank Plasberg das Problem schon zu Beginn der Sendung auf den Punkt gebracht: „Da sind wir wieder bei dieser Unsicherheit, dass niemand weiß, was passiert.“ Gesendet werden muss freilich trotzdem was.

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