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Trump als blutrünstiger Schlächter der Freiheitsstatue: Kontroverses Spiegel-Cover spaltet das Netz

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Cover des Spiegel vom 4. Februar / Der Spiegel (c)

Das Titelbild der neuen Spiegel-Ausgabe schlägt hohe Wellen – bis über den Atlantik. Das vom kubanischen Künstler Edel Rodiguez gestaltete Cover zeigt US-Präsident Donald Trump in martialischer Pose: als Schlächter, der die Freiheitsstatue köpft. Kein Wunder, dass das kontroverse Cover das Web spaltet – ein Überblick über die Reaktionen im Social Web. Neu ist das Enthauptungs-Motiv übrigens nicht.

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So präsentierten die Hamburger Freitagabend pünktlich um 18 Uhr ihren neuen Titel auf Twitter:

Die Idee einer Illustration, die Trump als Schlächter der Freiheitsstatue zeigt, ist indes nicht neu. Bereits im Dezember 2015, also noch vor Beginn des US-Wahlkampfs, brachte die Tageszeitung New York Daily News einen Enthauptungs-Cartoon auf der Titelseite. Der Spiegel-Zeichner hat sich also offenbar „inspirieren“ lassen und die Idee abgekupfert. Die Reaktionen auf das neue Cover des Nachrichtenmagazins ließen nicht lange auf sich warten:

FAZ-Medienredakteur Michael Hanfeld setzt sich kritisch mit dem neuen Trump-Cover des Nachrichtenmagazins auseinander und schreibt: „Die Pose des Henkers ist das Bild des Terrors, darauf hat es der „Spiegel“ abgesehen, das hat die „Bild“-Zeitung gleich erkannt, mit dem berüchtigten IS-Terroristen Dschihadi John in Verbindung gebracht und den FDP-Politiker und Vizepräsidenten des EU-Parlaments, Alexander Graf Lambsdorff, um eine Stellungnahme gebeten. „Geschmacklos“ nennt er das Cover: „Der Titel spielt in ekliger Weise mit dem Leben von Terroropfern. Er sagt mehr über die ,Spiegel‘-Redaktion aus als über Trump.“

Nach Hanfelds Ansicht bedient der Spiegel mit seinem Schlächter-Cover „genau das, was Trump braucht: ein Zerrbild von ihm, mit dem er weiter an seinem Zerrbild der Presse arbeiten kann“. Auch im Text der dazu gehörigen Titelgeschichte fehle es an „einer nüchternen, differenzierten Betrachtung von Trumps Politik“. Das sei aber nicht überraschend, denn: „Von der hat sich das Blatt allerdings nicht erst jetzt verabschiedet. Schon der Titel vom 12. November des vergangenen Jahres, in dem Trump als Komet mit Feuerball erschien, der die Erde verschlingt, war von ähnlicher Machart wie der jetzige. Er verkündete „Das Ende der Welt (wie wir sie kennen).“ Der „Spiegel“ wusste also schon kurz nach Trumps Wahlsieg, dass das Ende der Welt naht. Das war eigentlich nicht mehr zu toppen.“

Welt-Autor Claus Wergin hat zum Thema am Sonnabend ebenfalls einen kritischen Kommentar veröffentlicht. Unter der Überschrift „Dieses Spiegel-Cover entwertet den Journalismus“ heißt es u.a.: „Das Kalkül dieses Covers ist klar: es soll ein Schocker sein und dem „Spiegel“ möglichst viel Aufmerksamkeit bringen. Und das ist auch gelungen. Per Twitter ging das Cover in der Nacht zum Samstag um die ganze Welt. „Washington Post“, „Business Insider“, „Buzzfeed“ und viele andere US-Medien haben umgehend darüber berichtet. Die Rechnung ist aufgegangen, die ebenso plump war wie offensichtlich: Publicity um jeden Preis.“

Und weiter: „Tatsächlich ist in diesem „Spiegel“-Cover beispielhaft kondensiert, was derzeit schiefläuft im hyperventilierenden Anti-Trump-Journalismus. Und nicht nur dort. Unser öffentlicher, von sozialen Medien turboladermäßig aufgeladener Diskurs ist längst in einen dauerhaften Erregungszustand eingetreten. Kein Wort ist zu groß, kein Vergleich zu schief, als dass er nicht angebracht werden würde.“

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