Kein plumpes Trump-Bashing: Matthias Fornoffs souveräner Vertretungs-Auftritt für die kranke Maybrit Illner

Machte als Vertreter der erkrankten Maybrit Illner einen guten Job: ZDF-Mann Matthias Fornoff (r.)
Machte als Vertreter der erkrankten Maybrit Illner einen guten Job: ZDF-Mann Matthias Fornoff (r.)

Eigentlich war es eine denkbar undankbare Aufgabe für den "Politbarometer"-Moderator Matthias Fornoff, am gestrigen Donnerstag für die kurzfristig erkrankte Maybrit Illner einzuspringen. Thema: "Trumps Egotrip – Mauern gegen den Rest der Welt?" Aber wie das manchmal so ist: Wenn sich eine Chance bietet, kann man sie auch nutzen. Fornoff nutzte seine Chance und moderierte die Sendung souverän und hellwach. Der Lohn waren Top-Quoten.

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3,33 Mio. Zuschauer schalteten ein, was einem sehr guten Marktanteil von 15,6% entspricht. Im gesamten Jahr 2016 gab es nur zwei „Maybrit Illner“-Ausgaben mit besseren Quoten, im gesamten Jahr 2015 nur eine. Das ist natürlich in erster Linie ein Beleg dafür, wie sehr das Thema Trump das Publikum interessiert. „Sie sind beim richtigen Sender und bei der richtigen Sendung“, versicherte Fornoff zu Beginn und verwies auf die kurzfristig erkrankte Moderatorin, die überhaupt zum ersten mal nicht zu ihrer Sendung antreten konnte.

Dem routinierten ZDF-Journalist Fornoff, der auch schon mal die „heute“-Sendung präsentierte und die Hauptredaktion „Politik und Zeitgeschehen“ leitet, kam dann natürlich auch die offensichtlich sorgfältige Vorbereitung der Redaktion und eine stimmigen Gäste-Auswahl zugute. Dabei waren CDU-Politiker und „Merkel-Voice“ Peter Altmaier, Ford-Aufsichtsrat Bernhard Mattes, Mareike Nieberding, die die Jugendbewegung für Demokratie „DEMO“ gegründet hat, der Grünen-Politiker Jürgen Trittin und Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart. Besonders erfreulich war – nicht zum ersten Mal bei einer „Maybrit Illner“-Sendung – die Abwesenheit von Krawall und dass mit Mareike Nieberding ein frisches Gesicht am Talk-Tisch war.

Fornoff war während er gesamten Diskussion hellwach und navigierte souverän zwischen Wirtschaft, Außenpolitik, Europa und Wahlkampf, als hätte er noch nie etwas anderes gemacht. Nachfragen waren sinnvoll platziert, etwa als Altmaier zu Beginn drohte, etwas allzu sehr ins Phrasenland abzudriften. Da wies der Moderator auf die scharfen Attacken Trumps gegen Merkel hin und holte den Politiker damit zurück ins Thema.

Man muss es Fornoff auch anrechnen, dass er kein plumpes Trump-Bashing betrieb oder zuließ. Als das Thema auf den Visa-Stopp für Leute aus sieben muslimisch geprägten Ländern, u.a. Syrien, kam, wies er darauf hin, dass exakt diese Länder bereits unter der Obama-Regierung als besonders gefährlich eingestuft wurden und fragte, ob Trump hier nicht etwas exekutiert, das von Obama schon vorbereitet worden war. Solche Einwürfe erweiterten die Perspektive und hielten die Diskussion am Laufen. Wobei es freilich auch einfacher sein mag, eine geordnete Diskussion zum Thema Trump zu leiten als zu einem innenpolitischen Reizthema wie etwa der AfD.

So waren die guten Quoten vielleicht auch ein Indiz dafür, dass recht viele Zuschauer einfach drangeblieben sind bei dieser Diskussion, die viel besser war, als der Ruf, den Talkshows bisweilen genießen. „Am nächsten Donnerstag wird Sie hier wieder hoffentlich und wahrscheinlich fast sicher wieder Maybrit Illner begrüßen“, verabschiedete Fornoff sein Publikum. Beim ZDF können sie froh sein, einen stillen Hochkaräter wie ihn der Reserve zu haben.

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Alle Kommentare

  1. Wieso müssen alle gleich in Jubelorgien ausbrechen, wenn eine TV-Sendung mal nicht total einseitig ist?

    Es gibt seit Jahren ein Einreiseverbot für Israelis, sowie Touristen die Israel besucht haben. 16 muslimische Länder verhalten sich so.
    DAS ist aber kein Thema gewesen…

    Diese Staaten gehören auf die Einreise-Verbotsliste. Nicht nur in den USA, sondern auch in der EU!

    Fornoff wäre natürlich ein guter Ersatz für den „weinenden Lügenclaus“. Da könnte das ZDF direkt mal 540.000€ sparen. Der macht´s nämlich bestimmt auch für 5.000€ im Monat und fühlt sich nicht unterbezahlt…

    Sowieso eine bodenlose Unverschämtheit. Wie viele Menschen in Deutschland arbeiten täglich hart für 8,50€/h und der Bilderberger-Claus will noch mehr… kein Verständnis.

    Die Kommentarfunktion wird bei meedia.de wohl jetzt gewürfelt. Da, wo wenig Widerspruch vom Leser zu erwarten ist, wird frei geschaltet. Ansonsten wird zensiert und gesperrt!

    Feigheit vor dem Leser ist auf Dauer immer tödlich, SIE sollten das eigentlich wissen…

  2. Selten habe ich so eine Kindergarten-Moderation gesehen. Fast jede Frage hat Fornhoff vom Blatt abgelesen, ein Teleprompter wie sonst, stand nicht zur Verfügung. Das war eines nationalen Senders nicht würdig. Nicht ohne Grund darf er ja sonst nur das Politbarometer vom Teleprompter präsentieren. Spontanität: Fehlanzeige

  3. Kann es sein, dass Illner, Will, Maischberger & und all die anderen ModeratorINNEN schlicht überschätzt werden, oder dass man ihr mangelndes Politikverständnis mit dem Quotenbonus verrechnet? Selbst im Presseclub der ARD müssen ja immer zwei weibliche Diskutanten sein, einerlei ob aiw Fachkenntnis und eine eigene Meinung haben. Notfalls lädt man eine Jungredakteurin oder eine tazlerin ein. Hauptsache Frau!

    1. Genau dies war auch mein Gedanke. Der Kontrast von einem halbwegs kompetenten Mitarbeiter, der eigentlich was ganz anderes macht, zu den VÖLLIG INKOMPETENTEN hauptamtlichen Quotenfrauen war die wichtigste Offenbarung in dieser Sendung.
      Obwohl Herr Fornoff noch deutlich Luft nach oben hat, überschlagen sich die positiven Kritiken. Die Konsequenz daraus sollte sein, die unsäglich schlechten Nichtmoderatorinnen sondern Meinungsindoktrinatorinnen aus dem Fernsehen zu entfernen. Mir fehlen wirklich oft die Worte, um die unterirdische Qualität des deutschen Fernsehens zu beschreiben.

  4. Ich kann jeden einzelnen Satz unterstreichen. Ich würde Herrn Fornff gern öfter in dieser Runde sehen. Ein wohltuender Abend, für Auge, Ohr und Verstand.

  5. Und damit wäre auch die Frage beantwortet, WER der bessere Heute-Journal-Anchoman des ZDF wäre: Matthias Fornoff. Ganz sicher hätte der keine Forderungen à la 600.000 Euro plus weitere Sendungen (über deren Kosten und Honorar nichts geschrieben wurde) von Meinungs-Journalist Klaus Kleber. Was soll also dieses Gerangel um viel zu viel Geld für Kleber, wenn man genau diejenigen Journalisten schon im Hause hat, die neutral, klug, gut vorbereitet (Obama-Einwurf war längst bekannt und dringend nötig, weil seit Tagen von sogenannten Elite-Journalisten nicht gebracht) sind. Gebührenzahler sollten ans ZDF schreiben und gleich an den Rundfunkrat, dass Kleber mit seinem Meinung-Getue nervt und vermutlich MILLIONEN Euro unserer Gebührengelder gespart werden können. Lasst ihn gehen!

  6. Es ist eine Wohltat Matthias Fornoff zu hören und zu sehen. Endlich eine informative Sendung ohne erhobenen Zeigefinger und Stirnrunzeln bei Beifallzustimmungen des Publikums. Wann wird Maybritt Illner abgelöst oder wenigstens nur alle 2. Sendung eingesetzt? Es würde auch der Quote guttun!
    Gruß
    Matteuss

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