Facebooks Instant Articles-Bilanz für Europa: neue Leser-Märkte, Hilfe beim Markenaufbau

Zwei Jahre Instant Articles: Das Netzwerk öffnet sich weiter für Publisher
Zwei Jahre Instant Articles: Das Netzwerk öffnet sich weiter für Publisher

Seit April 2016 gibt es Instant Articles bei Facebook. Der Social Network-Riese zieht nun eine kleine Bilanz, was die Instant Articles-Activitäten von Partnermedien in Europa betrifft. Dabei schaut Facebook auf Spanien, die Türkei, Frankreich und Schweden. Ergebnis: Instant Articles hat den Medien geholfen, Reichweiten zu erhöhen, neue Erlösquellen zu erschließen und ihre Marken aufzubauen. Dass Facebook ausschließlich positive Seiten von Instant Articles betont, ist freilich wenig erstaunlich.

Anzeige

El País: neue Leser durch Instant Articles

Die spanische Tageszeitung El País habe Instant Articles eingeführt um zu testen, wie die Technik den Artikel-Konsum innerhalb der bestehenden Follower beeinflusst, schreibt Facebook. Das tatsächliche Ergebnis habe die Macher in Spanien dann überrascht. 66 Prozent der Instant Articles-Leser waren demnach Neuzugänge für El País. “Wir haben herausgefunden, dass wenn wir die Zahl der veröffentlichten Instant Articles erhöhen, wir Monat für Monat einen Zuwachs an Nutzern insgesamt feststellen“, wird Noemí Ramírez García, Chief Digital Officer der Zeitung zitiert.

Onedio (Türkei) und France 24: neue Auslandsmärkte

Onedio ist eine fünf Jahre alte türkische Website, die vor allem Listicles, Quiz-Spiele und Unterhaltungs-Artikel veröffentlicht. Seit dem vergangenen Jahr veröffentlicht Onedio 90 Prozent seiner Inhalte auch via Instant Articles. Der Gesamt-Traffic sei in diesem Zeitraum um 42 Prozent gestiegen, der größte Zuwachs sei bei der englischen Version zu verzeichnen gewesen. 57 Prozent der Instant Articles-Leser von englischsprachigen Onedio-Inhalten kamen so erstmals mit der Marke in Berührung. „Wir haben große Zugewinne an englischsprachigen Lesern in Ländern wie Indien und den Philippinen gesehen. Wir glauben, dass Instant Articles der Grund dafür ist“, sagt Ömer Özener, Chief Operating Officer bei Onedio.

Die französische Seite France 24 konnte mit Instant Articles ebenfalls international expandieren, und zwar vor allem in afrikanische  und arabische Länder. Große Zuwächse habe es in afrikanischen Ländern gegeben, in denen Französisch gesprochen wird, wie Kamerun, Elfenbeinküste oder Senegal. Das Problem war bislang, dass es in diesen Ländern keine belastbare Infrastruktur für mobiles Internet gibt. Instant Articles brauchen aber nur eine geringe mobile Bandbreite, um zu funktionieren. Die Reichweite von France 24 wurde von April bis Novembver 2016 insgesamt um 50 Prozent erhöht. 42 Prozent davon angeblich dank Instant Articles. Die Technik habe France 24 auch geholfen, seine Inhalte bei den neuen Zielgruppen zu monetarisieren. Die größten Anzeigenzuwächse wurden mit der arabischen Version von France 24 verzeichnet.

KIT (Schweden): Markenaufbau und Marktanteile

Eine ganz andere Story ist die von KIT aus Schweden. Das Medium ging erst 2015 als News-Angebot an den Start, das vor allem im Social Web präsent ist. KIT war von Anfang an als Distributed Media konzipiert und nutzte Instant Articles, um die eigene Marke aufzubauen. Seit dem Einsatz von Instant Articles habe das Medium seine Follower-Zahl vervierfachen können und mit KIT Mat (Food) und KIT Beauty zwei Verticals gestartet, die sogar ausschließlich mit Instant Articles arbeiten. “Wir haben nun ungefähr 165.000 Follower für unseren KIT Account, das ist in etwa die Hälfte von dem, was die Boulevard ‚Riesen‘ hier in Schweden haben und ein gutes Stück mehr als die größten landesweiten Tageszeitungen. In diese Position kamen wir innerhalb von 18 Monaten aus dem Nichts“, so Fredrik Strömberg, Mit-Gründer von KIT.

 

Diese Erfolgsgeschichten veröffentlicht Facebook natürlich in erster Linie, um Werbung in eigener Sache zu machen und zu demonstrieren, dass man der Freund der Medien ist und nicht etwa der Konkurrent. Tatsächlich sind die Ergebnisse nicht uninteressant und es ergibt ja auch Sinn, dass Instant Articles vor allem beim Erschließen neuer, ausländischer Märkte, bei Märkten mit schlechter Internet-Infrastruktur und beim Markenaufbau hilfreich sein können.

Für große traditionelle Medien mag die Rechnung eine ganz andere sein. So hat beispielsweise die New York Times ihr Engagement bei Instant Articles drastisch zurückgefahren und die Pay-Schraube bei Nutzern, die von Facebook kommen, angezogen. Die Times ist eben schon sehr international aufgestellt und als Marke etabliert. Die oben beschriebenen Vorteile von Instant Articles greifen hier nicht unbedingt. Facebook hat den Wunsch von großen Medien nach Paid Content aber erkannt und experimentiert nun beispielsweise mit Möglichkeiten, dass man direkt in Instant Articles Mailadressen hinterlegen kann. Hierzulande ist die Bild als Test-Partner im Boot. Künftig könnte es sogar möglich sein, dass Abos direkt in Instant Articles abgeschlossen werden.

Anzeige
Anzeige
Anzeige