Satire-Netzwerk HoGeSatzbau kündigt auf Fake-Page bei Facebook deutschen Start von Breitbart an

Hoffnung auf einen „grandiosen Deutschlandstart“: Das rechtslastige US-Newsportal steht angeblich kurz vor dem Markteintritt – und macht bei Facebook schon mal klar, wo die Schwerpunkte liegen werden
Hoffnung auf einen "grandiosen Deutschlandstart": Das rechtslastige US-Newsportal steht angeblich kurz vor dem Markteintritt – und macht bei Facebook schon mal klar, wo die Schwerpunkte liegen werden

Erst gab es Gerüchte, dass das US-Portal Breitbart nach Deutschland expandieren wird, dann machten dubiose "Headhunter"-Anrufe bei Journalisten die Runde, und nun gibt es eine täuschend echt wirkende Facebook-Seite, die den Start der Pro-Trump-Plattform ankündigt. Seit Freitagnachmittag ist klar: die Seite ist ein Fake und soll angeblich ein Statement gegen die Leichtgläubigkeit der Medien sein.

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Hinter der Aktion stecken HoGeSatzbau („Hooligans gegen Satzbau“) & #HassHilft. In ihrem Statement zur Auflösung des Fakes fragen sie, ob es wirklich so leicht sei Fakenews in Umlauf zu bringen? „Besonders, dass viele Nutzer, sogar echte Medien auf unser kleines Schauspiel hereinfallen, oder Infoseiten, die sich sonst der Aufklärung verschreiben, hat uns schockiert.“ Weiter schreiben sie: „Wir lernen daraus, dass es wichtiger ist als je zuvor, seine Quellen zu überprüfen.“

Ihrer Meinung nach zeige das deutlich, wie wichtig es ist, das eigene Nutzungsverhalten von sozialen Medien zu hinterfragen und einmal mehr gelte: „Zuerst denken – dann klicken“. Wer aber steckt hinter der Aktion? Das gemeinnützige Projekt Hooligans gegen Satzbau setzt sich eigenen Angaben zufolge in Deutschland dafür ein, rechtspopulistische und rechtsextreme Veröffentlichungen, Äußerungen und Aktionen auf satirische Weise zu enttarnen.

Bei ihrer Aktion haben die Fälscher ganz Arbeit geleistet. Alleine der Ton, den die Facebook-Page anschlägt, passt und klingt so, als würde Breitbart mit Macht auf den deutschen Markt drängen und keinen Zweifel daran lassen, dass man nicht zimperlich mit den anderen Medien umzuspringen gedenke. Offenbar, so hatte es den Anschein, hat Breitbart im kompromisslosen Leitmedien-Bashing seine Marktlücke ausgemacht und zugleich die Chance, möglichst viele Nutzer am rechten Rand zu mobilisieren.

So heißt es in einem der ersten Bilder-Postings mit Bezug auf die Tagespresse: „Sie Lügen. Wir berichten unzensiert“.

Ein weiteres sagt: „Schluss mit Lügenpresse“.

Der einzige substanziell-inhaltliche Post bezog sich auf einen Artikel von RP-Online. Auf der Facebook-Seite BreitbartnewsDE heißt es dazu:

Liebe Freunde, wie ihr sicherlich mitbekommen habt, haben die sogenannten Internetaktivisten Hooligans Gegen Satzbau die von uns angedachte Internetadresse www.breitbartnews.de übernommen und versuchen so unseren Deutschlandstart aufzuhalten.
Doch keine Sorge, unsere Anwälte sind an der Sache dran! Fallt bitte nicht auf diese und andere Fakeseiten herein. Nur hier seid ihr richtig und nur hier halten wir euch auf dem Laufenden.
Wir hoffen, dass der Sachverhalt bald aufgeklärt wird und freuen uns auf einen grandiosen Deutschlandstart.

Dazu platzierten die Seite einen Link-Verweis auf den RP-Artikel. Wie man es für ein derartiges Medium erwartet, veränderten die Macher  gleich einmal die Überschrift. Aus „Aktivisten klauen Breitbartnews die Internetadresse“ wurde: „Wie linke Hetzer die Pressefreiheit aufhalten wollen“.

Das fand die Rheinische Post nicht sonderlich lustig und wehrt sich nun mit einem weiteren Artikel in eigener Sache. Darin heißt es:

Das rechtspopulistische US-Nachrichtennetzwerk „Breitbart“ bereitet den Start in Deutschland vor. Dabei schreckt es aber auch nicht vor Falschmeldungen zurück. Die angebliche Facebook-Seite von „Breitbart Deutschland“ hat einen Artikel von RP ONLINE geteilt – aber Foto, Überschrift und Beschreibungstext vollkommen verfälscht.

Weiter heißt es in dem RP-Text: „Ironischerweise warnt „Breitbart Deutschland“ selbst vor Falschmeldungen. „Fallt bitte nicht auf diese und andere Fake-Seiten herein. Nur hier seid ihr richtig und nur hier halten wir euch auf dem Laufenden.“

Das zeigt: Die Düsseldorfer waren sich zwar nicht sicher, ob hinter der Facebook-Page wirklich das US-Portal steckte. Sie nahmen sie allerdings so ernst, dass sie erst einmal einen empörten Gegenartikel verfassten. Tatsächlich ließ sich kaum feststellen, ob Breitbart wirklich für Angebot verantwortlich war. Der deutschen Seite fehlte ein Verifikations-Haken. Es gibt zwar ein Impressum, aber das verweist nur auf die US-Adresse der Plattform. Nun ist klar: Alles nicht authentisch, statt dessen eine bewusst gestellte Falle von Aktivisten gegen Breitbart & Co..

Die hatten ganze Arbeit geleistet: Von der Ansprache, der Farbgebung und den sehr bildlastigen Inhalten, ist die „deutsche Seite“ tatsächlich sehr stark an die US-Ausgabe angelehnt. Schnell sammelte die Seite seit Donnerstagabend schon rund 1.000 Fans. Tendenz: ständig steigend. Stolzes Posting in eigener Sache dazu: „Breitbart in Deutschland schlägt ein wie eine Bombe! In kürzester Zeit mehr als 1.000 Abonnenten!“. Antwort in den Kommentaren: „Eher wie ne Ar***bombe …“.

Ob der Kommentartor ahnte, wie richtig er damit lag?


Update: 
In einer früheren Version dieses Textes war noch unklar, ob es sich bei der Facebook-Page um einen Fake handelt. Als sich dies bestätigte hat die Redaktion den Text dementsprechend geändert.

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