Insider-Wissen aus dem Weißen Haus? Donald Trump und die angeblichen Twitter-Rebellen von Rogue POTUS Staff

Donald Trump, zweifelhafter Twitter-Account @RoguePOTUSStaff
Donald Trump, zweifelhafter Twitter-Account @RoguePOTUSStaff

Ein Twitter-Account, der sich selbst @RoguePOTUSStaff nennt, behauptet, Insider-Wissen aus dem Weißen Haus zu twittern. Der Account hat innerhalb weniger Tage über eine halbe Million Follower gewonnen und twittert Anekdoten und Ansichten, die Vorurteile gegen Trump und seine Regierung bestätigen. Ob die Tweets authentisch sind, weiß derzeit niemand.

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In der Selbstbeschreibung von @RoguePOTUSStaff heißt es:

The unofficial resistance team inside the White House. We will block anyone who asks us to ID ourselves (including press), or who makes suggestions of violence.

Man bezeichnet sich also als den inoffiziellen Widerstand innerhalb des Weißen Hauses. Gleichzeitig wird angekündigt, dass jeder, der Gewalt androht oder nach irgendeiner Form von Identifizierung fragt, geblockt wird. US-Medien haben den Account,bzw. die Person oder Personen dahinter bereits mehrfach nach Beweisen gefragt, dass ihre Tweets authentisch sind. Diese Anfragen werden entweder ignoriert oder abschlägig beantwortet. Es sei schlicht zu riskant, wird von dem Twitter-Account immer wieder mitgeteilt. Man könne glauben, was dort veröffentlicht wird, oder auch nicht. „Feel free to unfollow“, schreibt der Account mehr als einmal.

Ein paar vermeintliche Hinweise werden dann freilich doch gegeben, es sind aber keine Beweise. So hat der @RoguePOTUSStaff vor der offiziellen Verkündung mitgeteilt, dass Trump Neil Gorsuch als neuen Richter am Supreme Court nominieren würde. Das kann aber auch ein Glückstreffer gewesen sein, denn Gorsuchs Nominierung galt bereits als gesetzt. Einmal postete der Betreiber des Accounts scheinbar ein Foto eines der Aufzüge im Weißen Haus:

Genau dieses Foto ist nach wenigen Klicks mit einer Google-Suche nach „White House Elevators“ aber frei im Internet verfügbar, was auch zahlreichen Twitter-Nutzern auffällt, die das Foto als Beleg dafür ansehen, dass es sich um einen Fake-Account handelt.

@RoguePOTUSStaff kontert mit Sarkasmus und erklärt, dass man schlicht gar nichts aus dem Weißen Haus fotografieren oder posten würde, weil das eben zu riskant sei. Das Rätselraten, ob echt oder nicht, kann also weitergehen.

Die Haltung des Account-Betreibers: Glaubt es oder nicht, Beweise wird es hier nicht geben. Viele Trump Gegner wollen nur allzu gerne glauben, dass der Account echt ist. @RoguePOTUSSTaff beschreibt nämlich, wie Trump von seinem Berater, dem früheren Breitbart-Chefredakter Steve Bannon, manipuliert wird:

Wie Trump sich selbst lobt und kindisch nach Anerkennung sucht:

Und auch ansonsten wird eifrig getwittert, dass da ganz viel schief läuft im Weißen Haus in der Trump-Ära. Kurz gesagt: Der Twitter-Account bedient so ziemlich alle Vorurteile, die Trump-Gegner haben. Die Washington Post schreibt zurecht:

The tweets from Rogue POTUS Staff are popular, but without actual verification to prove that their insights are genuinely from within, they’re essentially just political astrology for liberals: plausible-sounding but unproven contributions to a churn of worry and suspicion that seem to confirm your hunches. In an environment of real concerns about the current administration and reliable reports of internal disarray, the tweets are addictive for Trump’s opposition.

Ohne Beweis seien die Tweets nicht mehr als „Politische Astrologie“ für Liberale. Immerhin eines zeigt @RoguePOTUSStaff aber zweifelsfrei: Trump-Gegner glauben unbewiesene Behauptung mindestens ebenso gerne wie Trump-Fans, so lange sie ins eigene Weltbild passen.

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Alle Kommentare

  1. Nun, zumindest kann man ja mal feststellen, dass es sich hier um alternative Fakten handelt.
    Also, aus Sicht der amerikanischen Regierung letztlich die eigentliche Wahrheit.
    Klasse Aktion, die unbedingt fortgesetzt werden muss. Wenn es sich dann sogar als echt herausstellen sollte … umso besser, aber letztlich komplett egal.

  2. Ein großartiges Interview von Herrn Döpfner heute. Man darf gespannt sein, ob der Springer-Verlag das umsetzt. Wenn das schon mit den Redakteuren besprochen ist, hat Julian Reichelt mit seinem Meinungs-Teil auf Bild-online heute alle Achtung verdient. Jetzt müssen sie noch dranbleiben, nicht nur einmal zuschlagen, sondern ständig… bis sich was ändert. Das wäre großartig und sehr im Sinne derjenigen Bürger, die nicht lalelu-Gefühle in sich tragen sondern mitreden, mitgestalten wollen und sehr enttäuscht sind von dieser Art von Politik und der seit langem schon mit ihr mitschwimmenden Medien-Meute. Wie es Döpfner hier auf Meedia beschrieben hat.

    Nur Euch tangiert das nicht oder? Ihr bleibt weiterhin unterwegs als Meinungs-Aufdrücker direkt oder unterschwellig. Von Neutralität in Rückbesinnung, was Journalismus zu sein hat, ist keine Rede. Dieses kleinkarierte Trump-Geschreibsel mit persönlicher Zustimmungs-Häme ist ein ganz schlechtes Beispiel für guten Journalismus.

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