Anders als BVDW-Studie: PageFair meldet weltweit steigende AdBlocking-Raten – auch in Deutschland

Die Anzahl an AdBlock-Nutzern steigt – die Anzahl an geblockter Werbung aber sinkt
Die Anzahl an AdBlock-Nutzern steigt – die Anzahl an geblockter Werbung aber sinkt

Bei AdBlocking-Studien verhält es sich wie bei vielen anderen Untersuchungen: Es finden sich immer wieder Widersprüche. Im November vermeldete der Branchen-Verband BVDW zum wiederholten Male sinkende AdBlocker-Raten in Deutschland. Eine neue Erhebung behauptet nun das Gegenteil. Dem Unternehmen PageFair zufolge ist nicht nur die Anzahl der AdBlock-Software-Nutzer höher, sie steige sogar – um weltweit 30 Prozent.

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Das geht aus dem aktuellen AdBlock-Report hervor, den das Unternehmen jährlich veröffentlicht. Die Zahlen sind deutlich alarmierender als die des Bundesverbandes Deutscher Digital-Wirtschaft. Demnach stieg die Anzahl der AdBlocker im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent auf weltweit über 615 Millionen Anwender. So nutzten rund elf Prozent der Internet-User mittlerweile AdBlock-Software.

Hohe Steigerungsraten seien vor allem in der mobilen Unterdrückung von Werbung im asiatischen Raum zu verzeichnen. Dort sei die Zahl von 108 Millionen auf 380 Millionen Nutzer gestiegen – hat sich somit mehr als verdreifacht. In Indien sei die Rate um etwa ein Drittel, um 28 Prozent, angestiegen, in Indonesien 58 Prozent. Als Grund dafür wird genannt, dass in diesen Märkten viele Geräte bereits ab Werk mit AdBlocking-Software ausgeliefert werden.

Sollten Apple und andere Hersteller ihre Ankündigungen auch in Europa wahrmachen, dürften auch hier die Raten wieder sprunghaft ansteigen. Derzeit sind die Zahlen laut PageFair noch moderat. Insgesamt wuchs der Anteil der mobilen AdBlock-Nutzer in Europa um einen Prozent.

Anders sieht es bei der Desktop-Nutzung aus: 236 Millionen Menschen in Europa nutzen demnach die AdBlocker-Technologie, ein Wachstum von 20 Prozent. In Deutschland sei die Rate um etwa 4,7 Prozent angestiegen. 29 Prozent der Desktop-Nutzer seien mit aktivierter AdBlock-Software unterwegs.

Die PageFair-Zahlen – das Unternehmen verdient wohl gemerkt mit AdBlocking-Lösungen sein Geld – stehen im starken Kontrast zu den Zahlen den BVDW, der im November eine AdBlocker-Rate von 19,43 Prozent in Deutschland meldete. Damit waren die Werte das dritte Mal in Folge sinkend. Grund für die Differenzen dürften durchaus die unterschiedlichen Erhebungsmethoden sein. Die PageFair-Untersuchung stützt sich auf die Anzahl von Installationen der AdBlock-Softwares und errechnet diese aus den Download-Zahlen der Filterliste Easylist, die bei vielen AdBlock-Softwares angewendet wird. Der BVDW hingegen stützt sich auf Umfragen unter den Publishern. Dabei werden nicht die Anzahl der Installationen errechnet, sondern die Anzahl der geblockten Werbemittel. So wird offenbar trotz steigender Anzahl der Software mehr Werbung ausgeliefert.

Die Gründe können unterschiedlicher Natur sein: Zum einen könnten sich die Publisher und ihre Vermarkter auf die geblockten Formate eingestellt und ihre Werbung entsprechend angepasst haben, sodass sie die Kriterien der AdBlocker erfüllen. Auf der anderen Seite könnte sich das Bewusstsein der Verbraucher geändert haben, sodass sie die Notwendigkeit durch Werbefinanzierung erkannt haben. Immer mehr Online-Seiten machen ihr Angebot für AdBlock-Nutzer nur beschränkt oder gar nicht mehr zugänglich. Eintritt gibt es nur, wenn die User die AdBlock-Software deaktivieren.

Vor allem die zweite Strategie scheint erfolgreich zu sein, wenn man Publisher fragt. „Bereits nach zehn Tagen wurde die Adblock-Rate um 70 Prozent reduziert, inzwischen sind wir bei 90 Prozent“, erklärte beispielsweise Bild.de im vergangenen November.

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