Insgesamt 120.000 Euro: Funke muss Geldentschädigungen an Corinna und Michael Schumacher zahlen

Wegen unwahrer Behauptungen und Bildern: Die Funke Mediengruppe muss insgesamt 120.000 Euro an Michael und Corinna Schumacher (Foto) zahlen, wie das OLG Hamburg entschieden hat
Wegen unwahrer Behauptungen und Bildern: Die Funke Mediengruppe muss insgesamt 120.000 Euro an Michael und Corinna Schumacher (Foto) zahlen, wie das OLG Hamburg entschieden hat

Das Oberlandesgericht Hamburg hat am Dienstag die Berufung der Funke Mediengruppe gegen ein Urteil des Landgerichts abgewiesen und Corinna Schumacher, Ehefrau des verunglückten Ex-Rennfahrers Michael Schumacher, eine Geldentschädigung von 60.000 Euro zugesprochen. Das Medienhaus war am 17. Januar bereits in einem anderen Verfahren zu einer weiteren Entschädigung in gleicher Höhe verurteilt worden.

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Die Bestätigung des Urteils vom Landgericht Hamburg vom September 2015 hat das Oberlandesgericht Hamburg gestern verkündet (Az.: 7 U 94/15). Einen entsprechenden Bericht der FAZ hat Felix Damm, Anwalt von Corinna Schumacher, gegenüber MEEDIA bestätigt. Der Ehefrau des verunglückten Formel-1-Piloten wurde damit eine Geldentschädigung von 60.000 Euro zugesprochen. In Berufung gegen die Entscheidung kann die Funke Mediengruppe nicht gehen. Der Verlag könnte als letztes Mittel eine Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof (BGH) einreichen. Die Aussichten, damit durchzukommen, dürften indes gering sein.

Da es sich lediglich um eine Urteilsverkündung handelt – und der vollständige Richterspruch damit noch nicht vorliegt – wolle Funke jedoch erste einmal die schriftliche Begründung abwarten und dann erst die nächsten Schritte prüfen, heißt es in einer ersten Stellungnahme des Verlags gegenüber MEEDIA.

In dem Prozess ging es um zehn verschiedene Bilder aus Funke-Blättern wie Frau aktuell, Frau im Spiegel und Die Aktuelle, die Corinna Schumacher auf den Weg ins Krankenhaus in Grenoble zeigen. Insgesamt seien neun Publikationen Gegenstand der Verhandlung gewesen, so Damm gegenüber MEEDIA. Die Entscheidung sei allerdings wegen der „Hartnäckigkeit“ gefallen, mit der die Bilder in den Zeitschriften der Funke Mediengruppe immer wieder erschienen sind, zitiert die FAZ den Anwalt – immerhin seien die Bilder auch trotz einstweiliger Verfügungen und Unterlassungserklärungen weiterhin gedruckt worden. Die Gerüchtsberichterstattung und gezielte Falschinformation als Endlosschleife der Regenbogenpresse hat das medienkritische Portal Übermedien im Fall des Schicksals von Michael Schumacher eindrucksvoll aufgelistet.

Funke muss gleich zwei Mal 30.000 Euro an die Schumachers zahlen

Damit wurde die Funke Mediengruppe innerhalb kurzer Zeit zu einer weiteren Geldentschädigung im Fall Schumacher verurteilt. Bereits am 17. Januar 2017 hat das OLG Hamburg eine weitere Entscheidung des Landesgerichts Hamburg bestätigt (Az.: 7 U 32/15) und das Medienhaus zu einer Zahlung von insgesamt 60.000 Euro – jeweils 30.000 Euro an Corinna als auch an Michael Schumacher – verurteilt. Der Grund war in diesem Fall aber nicht Persönlichkeitsrechtsverletzung durch Bilder, sondern durch die Verbreitung einer unwahren Behauptung auf der Titelseite – die in diesem Fall beide Schumachers betrifft: die aktuelle hatte behauptet, dass die beiden Kläger „vor der Trennung“ gestanden haben. Dies habe nicht der Wahrheit entsprochen und lediglich auf „einer anonymen Quelle eines Facebooknutzers“ gefußt, wie Damm zu dem Urteil vom 17. Januar schreibt.

Auch in diesem Fall kann die Funke Mediengruppe eine Nichtzulassungsbeschwerde beim BGH einreichen – das Urteil liegt hingegen bereits vor. „Wir prüfen bei beiden Urteilen, ob wir Nichtzulassungsbeschwerde einlegen.“, heißt es lediglich auf Nachfrage von MEEDIA.

Im großen Stil gegen Yellow- und Boulevardpresse

Im Juli 2014 untersagte das Landgericht Köln der Funke-Zeitschrift Die Aktuelle bereits, Fotos von Frau Schumacher zu veröffentlichen, weil die Privatsphäre mehr wiege als der Unterhaltungswert. Zuvor setzte sie eine Unterlassung gegen Bunte, Neue Woche und Super Illu aus dem Hause Hubert Burda Media durch und stritt jüngst ebenfalls mit Bunte aber auch Freizeit-Revue und Freizeit-Spaß über die Berichterstattung zum Gesundheitszustandes ihres Mannes. Auch hier hatte Schumacher Erfolg. Bereits am 8. Juni 2016 hat das OLG Hamburg den Burda Senator Verlag zur Zahlung von 20.000 Euro Geldentschädigung verurteilt und zudem den Abdruck einer Richtigstellung auf der Titelseite der Freizeit Revue erwirkt (Az.: 7 U 25/15).

Michael Schumacher stürzte im Dezember 2013 beim Skifahren in den französischen Alpen, prallte dabei mit dem durch einen Helm geschützten Kopf auf einen Fels und erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Der ehemalige Formel-1-Pilot lag mehrere Wochen im Koma. In dieser Zeit sorgte nicht nur der Unfall, sondern auch das Verhalten der Medien für Aufsehen. Immer wieder musste die Managerin Schumachers die Medien, die selbst ohne Nachrichten berichteten und auch Falschmeldungen aufgriffen, um Mäßigung bitten. Auch Corinna Schumacher bat die Medien um Zurückhaltung. Zuvor versuchte sich beispielsweise ein Reporter als Priester verkleidet Zugang zum Krankenzimmer des Promis zu verschaffen, wenige Wochen später appellierte die Familie an die Medien, die gestohlene Krankenakte Schumachers nicht auf dem Schwarzmarkt zu kaufen.

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